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Erinnerungen eines Klosterzöglings: „Prügel für alles“

STEYR. Priester haben die Schlüsselbunde wie Schlagringe benutzt und die Heimkinder im Kloster Gleink verprügelt. In seiner Erzählung „Der Klosterzögling“ (Bibliothek der Provinz) arbeitet Franz Josef Stangl die Ohnmacht eines Buben und das Versagen des Jugendamtes damals auf.

OÖN: Sie haben zuvor ein Buch geschrieben Der „Bastard – der Fürsorgezögling“. Sie wurden als lediges Kind ins Heim gesteckt.

Stangl: Ich habe den Buchtitel gewählt, weil ich so gerufen wurde: Ich wurde nicht „Franz“, ich wurde „Bastard“ gerufen. Es war in einem Dorf in der Weststeiermark, stockkatholisch und ewiggestrig, schlimm, ja schlimm war das.

OÖN: Die Fortsetzung ist das Buch „Der Klosterzögling“ und beschreibt wie Sie in Obhut der Patres in Steyr-Gleink waren.

Stangl: Die Fürsorge in Graz hat mich von Graz, wo ich in einem relativ liberalen Heim war und weggelaufen bin, nach Gleink verfrachtet. Das Buch beginnt, dass mich jemand von dem Heim abholt und mit mir zum Bahnhof geht. Es beschreibt das ganze System.

OÖN: Zu dem System in Gleink gehörten Prügel ?

Stangl: Ja, ja, freilich. Das war normal damals. Die Priester haben genauso geschlagen wie die Brüder, die Fratres, wie die Weltlichen. Es war System. Die Kinder wurden mit Ruten, mit Fäusten, mit Tritten und mit dem Schlüsselbund gequält. Damals gab es ja für jede Tür einen Riesenschlüssel, der Bund hatte ein, zwei Kilo mit einem Rieseneisenring, der wurde dann auch verwendet zum Zuschlagen.

OÖN: Wofür ist man bestraft worden?

Stangl: Für Onanie zum Beispiel, fürs Zurückreden – ja, das ist eine gute Frage: Für alles und nichts.

OÖN: Wie lange waren Sie in diesem Heim?

Stangl: Von 1963 bis 1967 in Gleink, mit Ende der Schulpflicht war Schluss.

OÖN: Können Sie sagen, dass Sie diese Erfahrungen verarbeitet haben oder bleibt da immer noch etwas zurück?

Stangl: Man wird es insoweit nicht los, dass ich 50 Jahre später mit Ihnen darüber spreche. Ich habe eine freiwilligen Therapie drei Jahre mit einer Stunde pro Woche gemacht und drei weitere Jahre mit einmal im Monat. In Summe waren das 180 Stunden, wovon mir die Stadt Wien Gott sei Dank zwei Drittel bezahlt hat, aber das eine Drittel , das ich zahlen musste, entsprach einem halben Jahresgehalt damals.

OÖN: Haben Sie jemals ein Wort des Bedauerns von ehemaligen Erziehern gehört?

Stangl: Vonseiten des Herz-Jesu-Missionare-Ordens wurde auf meine Schreiben überhaupt nicht reagiert. Es wird einfach ignoriert, wie wenn ich nicht existent wäre.

OÖN: Haben Sie sich um finanzielle Wiedergutmachung bemüht?

Stangl: Ich habe mich um keine finanzielle Abgeltung bemüht, weil mir viel wichtiger ist, dass die Fehler von damals dokumentiert werden, dass sich die Leute einfach der Vergangenheit stellen und sagen „Ja, es war damals so, es tut uns leid!“ Aber ich halt es für leeres Geschwätz und merke es sofort, wenn jemand eine Wortspende gibt wie der Papst: „Es tut uns leid.“

OÖN: Prügelorgien sind ebenso schlimm wie sexuelle Übergriffe. Haben Sie Kontakt zu der Klasnic-Kommission, die von der katholischen Kirche für die Opfer eingerichtet wurde?

Stangl: Nein, der Grund ist nicht die Frau Klasnic in Person, oder dass es der Kardinal Schönborn in Auftrag gegeben hat, weil es sind ja auch einige andere drinnen, die der Kirche nicht so nahe stehen. Ich war in einer Anstalt, die keine rein kirchliche Institution war. Die Aufsichtspflicht lag dort beim Land Oberösterreich und wurde scheinbar nicht wahrgenommen, sonst hätte dieses System nicht bestehen können.

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kinder als lästiges übel betrachte · von erichb. (1) · 07.03.2011 11:49 Uhr

ich wahr von 1972-1978 in gleink!es hat sich in dieser zeit nichts geändert!im speisesaal 350 kinder,!einer hat gesprochen er muste aufstehen und bekam einen ganzen tag nichts zu essen.am ärgsten wahr der chef(pater maier und sein vize lemmer der sogar dann straffersetzt wurde).das jugentamt kontrollierte 2 mal im jahr,frassen und soffen mit dem pfaffen und fuhren wieder nach hause.kinder haben sie natürlich nie gesehen.so viel zum sooo genannten jugendamt.prügeln,und vor allem sexuelle übergriffe wahren an der tagesortnung.die lehrer und erzieher schauten einfach weg,obwohl sie wußten was sich abspielt.aber sie wohlten natürlich den gutbezahlten job nicht verlieren.

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Offener Brief an die OÖ Landesregierung · von FranzJosefStangl (249) · 03.07.2010 10:30 Uhr

Da ich mit vielen ehemaligen Zöglingen die in Anstalten des Bundeslandes Oberösterreich untergebracht waren in Kontakt bin, sehe ich die Dringlickeit einer Anlaufstelle außerhalb der kirchlichen einzurichten. Obwohl LH Pühringer und a. etliche Male höflich zeitgerecht zur Lesung und Diskussion im Alten Rathaus eingeladen worden sind, ist außer Frau LR Wageneder niemand erschienen. Offensichtlich sind wir das der OÖ-Politik nicht wert. Landesrat Reheis in Tirol und Landesrätin Scharer in Salzburg haben die Notwendigkeit erkannt und Anlaufstellen für Missbrauchte eingerichtet. Die Bundesregierung lehnt ohne Angabe von nachvollziehbaren Gründen die Einrichtung einer Kommission ab, die oben genannten LR wollen nicht auf den Bund warten. (LR Scharer). Für "uns" ist weder die so genannte "Klasnic-Kommission" zuständig, noch irgeneine der immer wieder ins *Spiel* gebrachten Kinder-und Jugendschutzeinrichtungen. Des weiteren wäre es angebracht die Wegscheid-Ausstellung aus der Kammer zu holen.

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Ich war ein Jahr in · von schwester (374) · 02.07.2010 16:52 Uhr

in Steyr, in St.Anna.
Da war es für viele Mädchen ähnlich.
Wie es für die Buben war, weiß ich nicht!
Den Mädchen, welche entweder keine Eltern hatten oder aus einem desolaten Elterhaus kamen, wurde bei Aufmucken immer wieder mit Gleinck gedroht!
Ein Heim für scher eziehbare Kinder und Jugendliche, hat man uns gesagt.
Dass es dort sehr rau zuging, war allgemein bekannt.
Das Jahr in St.Anna war eine meiner schlimmsten Zeiten in meinem Leben!
Mein Bruder war eine Zeit lang in Leonstein, er schweigt darüber.

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Artikel 02. Juli 2010 - 00:04 Uhr
von Hannes Fehringer
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Opfer und Schriftsteller: Autor Franz Josef Stangl  Bild: feh

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