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„Verlorene Kindheit“: Kreuzzeichen auf die Stirn der Prügelschwester

LEONSTEIN. Die Militärpolizei führte das Baby eines US-Soldaten im Jeep ab. Als Waisenkind wurde Jenö Alpár Molnár in den Heimen in Leonstein und Neuhaus fast zu Tode geprügelt. Die Jugendwohlfahrt setzte den Bäckergesellen ohne Papiere auf die Straße.

OÖN: In Ihrem Buch „Wir waren doch nur Kinder“ haben Sie beschrieben, wie Sie fast zu Tode geprügelt wurden.

Molnár: Ich war damals fünf Jahre alt, das war also im Jahr 1951 in Neuhaus. Wir mussten immer einen Mittagsschlaf machen, ich bin aber im Bett gestanden und habe neugierig rausgeguckt. Dann kam Schwester Margit und hat mir eine geknallt. Ich bin am Boden auf einen Gegenstand gefallen, der mir eine große Fleischwunde bis zu den Rippen aufriss. Ich habe geblutet wie ein Schwein, sie ist einfach weggegangen. Ich bin bewusstlos geworden und in einem Sterbezimmer aufgewacht, neben mir hat eine Nonne Rosenkranz gebetet, eine Kerze brannte am Nachtisch.

OÖN: Sie haben Ihre Peinigerin Schwester Margit im Leben nochmals wiedergetroffen.

Molnár: Ich war bei ihr im Pflegeheim. Das Interessante war wie ich sie angesprochen habe, hat sie wieder zu reden angefangen. Der Heimleiter war überrascht, dass sie plötzlich sprechen konnte. Sie hat Namen von der Gruppe genannt, von Kindern. Und dann ist sie zurückgefallen in den Dämmerschlaf. Ich habe ihr ein Kreuz auf die Stirn gemacht. Diese Hilflosigkeit hat mich so beeindruckt, da konnte ich nicht mehr böse mit ihr sein.

OÖN: Das Land Oberösterreich war Ihr Vormund. Und hat Sie auf die Straße gesetzt.

Molnár: Zwei Tage nach der Gesellenprüfung habe ich das Lehrlingsheim verlassen und zur Fremdenpolizei müssen. Meine Zeugnisse hat man mir weggenommen und ich musste eine Verzichtserklärung schreiben für die amerikanische und ungarische Staatsbürgerschaft. Als ich fragte, was dann weiter geschehe, hieß es: „Ja, dann kriegst du eine österreichische“. Ich habe beides unterschrieben, aber es ist nichts passiert. Ich bin dann als Staatenloser über die Grenze nach Bayern und dann zwei Jahre durch Europa getrampt. Es war die schönste Zeit für mich. lch habe Leute kennengelernt, die waren so unbefangen. In Frankreich durfte ich bei einer Familie ein ganzes Monat wohnen und die wussten, dass ich keine Papiere hatte, in Spanien habe ich bei der Olivenernte geholfen.

OÖN: Jetzt verlangen Sie vom Land späte Gerechtigkeit für das Versagen der Jugendwohlfahrt damals.

Molnár: Was mich wirklich ärgert ist, dass sie mich auf die Straße gesetzt haben und alle Papiere weggenommen haben. Meine Mutter war Flüchtling die vor den Russen geflohen war, sie hätten meiner Mutter die österreichische Staatsbürgerschaft geben müssen und auch mir. Und das verzeihe ich ihnen nicht. Nicht den Österreichern sondern den Behörden. Ich will zumindest das Lehrgeld zurück, das sie mir damals wegnahmen, und eine Entschädigung für die verlorenen Versicherungsjahre für die Rente, weil ich wegen der fehlenden Papiere zur Schwarzarbeit gezwungen war.

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Ein Gepeinigter vergibt · von FranzJosefStangl (250) · 14.05.2010 10:30 Uhr

seiner Peinigerin.
Die Peiniger des Herz Jesu Missionare Ordens. M.S.C. kann sich seit zwei Monaten kein Wort, zu den von mir als ehemaligem Insassen der Erziehungsanstalt Gleink erhobenen Vorwürfen, abringen. Da haben und hatten die Insassen mehr Charakter. Wie halt so oft die Falschen das "Sagen" haben.

Franz Josef Stangl

heimkind@chello.at

(0)
Artikel 14. Mai 2010 - 00:04 Uhr
Von Hannes Fehringer
Bild vergrößern „Verlorene Kindheit“: Kreuzzeichen auf die Stirn der Prügelschwester

Jenö Alpár Molnár vor einem Foto seines Vaters.  Bild: feh

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