OÖN: Sie gelten als „Botschafter des Friedens“. Warum sollen junge Leute über Ereignisse Bescheid wissen, die mehr als 60 Jahre zurückliegen?
Lazarovits: Als Adolf Hitler in den 1920er-Jahren sukzessive an Macht gewann, waren es vor allem die jungen Leute, die sich von ihm blenden ließen. Das Nazi-Regime war nicht nur für uns Juden eine Katastrophe, sondern für Europa und die ganze Welt. 56 Millionen Menschen sind gestorben. Das Wichtigste ist: So etwas darf nie wieder passieren.
OÖN: Wann fassten Sie den Entschluss, mit Ihren Erlebnissen von damals an die Öffentlichkeit zu gehen?
Lazarovits: Schon sehr bald. Im kommunistischen Ungarn durfte man aber über diese Zeit öffentlich nicht sprechen. Mit dem Schreiben habe ich darum erst nach der Wende begonnen. Ich teile die Meinung jener KZ-Häftlinge, die sagen: Alle, die so ein Vernichtungslager überlebt haben, müssen darüber sprechen, wenn sie können. Mit meinem Buch hoffe ich, möglichst viele Menschen zu erreichen. Es ist bereits in Englisch, Rumänisch und Deutsch erschienen.
OÖN: Wie schwer ist es für Sie, an die Orte an der damaligen „Todesmarsch“-Route zurückzukehren?
Lazarovits: Es ist immer wieder sehr, sehr schwer für mich. Ich sehe es aber als meine persönliche Pflicht. Seit 20 Jahren halte ich Vorträge für Erwachsene und Schüler und bin Mitglied des Mauthausen Komitees. Die Details von damals machen mir immer noch zu schaffen.
OÖN: Für Ihr Engagement haben Sie internationale Auszeichnungen erhalten. Auf welche sind Sie besonders stolz?
Lazarovits: Alle bedeuten mir gleich viel. Sie sind eine Bestätigung dafür, dass ich das Richtige tue.
OÖN: Noch immer gibt es rechtsextreme Gruppen. Bei Unzufriedenheit mit bestehenden Verhältnissen werden sie stärker. Hat die Menschheit nichts gelernt?
Lazarovits: Es ist schrecklich, dass so etwas nach wie vor existiert. Ich schreibe auch für Zeitungen und spreche in meinen Artikeln diese Dinge an. Es muss auf jeden Fall alles dafür getan werden, dass Rechtsextremismus nicht wieder die Oberhand gewinnt. Engagement mit viel Optimismus ist wichtig, denn die Gefahr ist nicht gebannt.
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