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Steyr verschweigt die braune Vergangenheit nicht

STEYR. KZ-Häftlinge gruben unter Schloss Lamberg einen Luftschutzbunker. Jetzt wird dort an Nazi-Verbrechen erinnert.

Steyr: Ausstellung im Luftschutzbunker

Ausstellung im Luftschutzbunker. Bild: Moser

Giuseppe Valota hat sich wie jedes Mitglied der italienischen Delegation zur Eröffnungsfeier das blau-weiß gestreifte Tuch des KZ-Opferverbandes um den Hals gebunden. In den Stoff ist die Matrikelnummer „59.186“ eingestickt. Vor 68 Jahren wurde mit der Zahl sein Vater als KZ-Häftling in Mauthausen registriert, nachdem er als Gewerkschafter beim Generalstreik gegen die Faschisten in Monza verhaftet wurde. Völlig ausgehungert wurde Guido Valota am 5. April 1945 beim Todesmarsch der Zwangsarbeiter der Simmeringer Sauerer Panzerwerke durch Steyr getrieben. Vom „Stollen der Erinnerung“, der am Vorabend des Nationalfeiertages eröffnet wurde, sieht man direkt auf die Brücke, auf der Valota zusammenbrach. SS-Männer prügelten auf ihn ein, dann schossen sie ihm in den Kopf.

In dem einstigen Luftschutzbunker, der sich wie ein Hufeisen 500 Meter durch den Felsen unter dem Schloss krümmt, stehen beleuchtete Vitrinen, die die damaligen Geschehnisse vergegenwärtigen. Auf einer der Schautafeln befindet sich ein Foto von Guido Valota, bei der Besichtigung streichte der Sohn zärtlich mit der Hand darüber.

Das Steyrer Mauthausen-Komitee hat den ehemaligen Luftschutzstollen, den KZ-Häftlinge bauen mussten, zu einer Gedenkstätte und einem Museum umgebaut. Über die Verbrechen, die die braunen Machthaber und ihre Mitläufer mitten in der Stadt begangen haben, wächst kein Gras mehr. „Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart“, sagte Landtagspräsident Viktor Sigl in seiner Eröffnungsrede.

In den Gängen hat der Gestalter Bernhard Denkinger Themenblöcke geschaffen: Beim Betreten des Schachtes wird Beklemmung spürbar. „Wir wollen zeigen, wie sehr der Nationalsozialismus das menschliche Leben eingeengt hat“, sagt der Obmann des Mauthausen-Komitees, Karl Ramsmaier. An erstmals der Öffentlichkeit gezeigten Originaldokumenten wird ersichtlich, dass die NS-Bürokratie in Steyr für die Rüstungsindustrie den Bau eines KZs direkt angefordert hat. Zynische Begründung: Die Bahnfahrten von und nach Mauthausen würden zuviel Zeit kosten. In dem Lager herrschten rohe Gewalt und sadistische Willkür von Kriminellen, die die Nazis als „Kapos“ einsetzten. Steyr war die wichtigste Waffenfabrik der „Ostmark“. Die braune Herrschaft endet in der Ausstellung bewusst an einer kahlen Ziegelwand.

Den Abschluss macht die Befreiung Steyrs, das kurzweilig eine geteilte Stadt an einer Demarkationslinie war. Für Giuseppe Valota ist die Befreiung etwas Persönliches. Dass Menschen in Steyr des Mordes an seinem Vater gedenken, der für die Gerechtigkeit kämpfte, hat den Pensionisten aus Sesto San Giovanni versöhnt: „Eine Zeit lang habe ich in meinem Leben geglaubt, ich kann keinen Österreicher mehr umarmen.“

 

Stollen der Erinnerung

Der „Stollen der Erinnerung“ ist eine Dauerausstellung über die Opfer und die Täter während der NS-Zeit in Steyr. Die Stadt war während der Nazi-Herrschaft die wichtigste Rüstungsschmiede auf dem Gebiet Österreichs. Die Ausstellung ist im ehemaligen Luftschutzstollen unter Schloss Lamberg untergebracht und wird vom Museum Arbeitswelt betreut. Führungen ab 8 Personen, Tel. 0 72 52 / 77 351.

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Artikel Hannes Fehringer 28. Oktober 2013 - 00:04 Uhr
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