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Mut statt Wut: Eine junge Stimme der Vernunft

LINZ / KIRCHDORF. Ein 27-jähriger Student plädiert in Zeiten der Wutbürger für zivilisierte Debatten und Reformfreude.

Mut statt Wut: Eine junge Stimme der Vernunft

Bernhard Winkler: Einst OÖNachrichten-Trainee, jetzt Student und Autor Bild: privat

Mit 23 Jahren schrieb er mitten in der ersten Wutbürger-Debatte unter dem Titel "So nicht!" die Anklage einer verlorenen Generation.

Jetzt, mit 27 und kurz vor Abschluss des Jus-Studiums in Linz, gibt der aus Inzersdorf im Bezirk Kirchorf stammende Bernhard Winkler sein zweites Buch heraus. "Wütend in die neuen Zeiten" heißt es, und es ist das Plädoyer eines jungen Vernunftmenschen gegen ungebremsten und oft unüberlegten Zorn in der politischen Debatte, sei es in Online-Postings, Stammtischdebatten oder allgemein im Umgang mit Politikern.

Das Schreibhandwerk hat Winkler nach absolvierter HAK-Matura in der OÖNachrichten-Akademie und im Wirtschaftsressort gelernt. Geschrieben hat er schon als Schüler. Politik hat ihn immer interessiert: "Ich befasse mich vor allem über Medien intensiv mit der aktuellen Politik, hauptsächlich mit der Innenpolitik, aber ich finde mich in den Auseinandersetzungen immer öfter nicht wieder", sagte er im OÖN-Gespräch.

Die zunehmend krasser werdende Zuspitzung und Überdrehung von Debatten zu schweren Streitigkeiten, ja zu verbalen Quasi-Gewaltakten im Boulevard-Journalismus und noch mehr in den sozialen Medien (Postings u.a.) stört ihn. "Es ist ja die Aufgabe von Politikern, im Auftrag ihrer Wähler ihren Standpunkten zum Durchbruch zu verhelfen. Aber eben in zivilisierter Art und mit Verständnis für andere Meinungen." Die Verrohung der Debatten etwa in den Postings in Online-Medien, zu der er auch verächtliche intellektuelle Reaktionen zählt, führt nach Ansicht Winklers dazu, dass sich viele Menschen aus dieser an sich positiven Beteiligungsmöglichkeit ausklinken.

Winkler berichtet im Buch auch über eigene Erfahrungen. So bekam er auf seine Kritik an den Zuständen im ersten Buch auf Facebook die Reaktion, dies seien nur "antidemokratische Reflexe, um ein Buch zu verkaufen". Er antwortete darauf: "Mal eben schnell auf eine Seite klicken, deren Titel mir nicht gefällt, und ohne durchzulesen, worum es geht, ein nicht argumentiertes und polemisches Posting verfassen? Pfui!" Der Reaktion folgte ein Treffen auf einen Kaffee – der Mann war Kulturmanager – und schließlich die Organisation einer Podiumsdiskussion mit Jungpolitikern. Ähnliches gibt es über Magazine zu berichten, die aggressive Poster einluden, die sich trotz vorangegangener drastischer Beschimpfungen im Dialog äußerst zahm zeigten und sich entschuldigten.

Die Polarisierung der Gesellschaft zeigt Winkler anhand des Aufstiegs der FPÖ, die ohne ausgefeilte eigene Konzepte durch die Schwäche ihrer Gegner erstarkt: "Die anderen Parteien setzen der FPÖ nichts entgegen, was die Leute überzeugt." An der Flüchtlingsdebatte, bei der vernunftbetonte Argumente nur noch wenig Chancen haben und die Welt wechselseitig in "die Guten" und "die Bösen" eingeteilt wird, sei das Auseinanderdriften besonders bemerkbar.

Der blanke Zorn über die Politik mag oft berechtigt sein, ihn in der Debatte ungezähmt auszuleben, macht ihn zum größten Problem der Politik, schreibt Winkler schon im Untertitel des Buches.

Bernhard Winklers Buch "Wütend in die neuen Zeiten – Was in der Politik falsch läuft und warum der Zorn darüber unser größtes Problem ist" ist im BoD-Verlag erschienen und ab morgen im Online-Shop unter www.bernhardwinkler.eu sowie im gut sortierten Buchhandel erhältlich. Preis: 15,50 Euro.

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Artikel Josef Achleitner 16. Mai 2017 - 00:04 Uhr
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