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"Ich kann nicht verfügen, wer mir gegenübersitzt"

Wenn ein Argument wichtig ist, klopft Markus Vogl mit den Fingern auf den Tisch. Wichtig für den Betriebsratschef war der Spatenstich der Kunstoff-Lackierung im MAN-Lastwagenwerk. Als Nationalrat kann Vogl besser mit der FP.

"Ich kann nicht verfügen, wer mir gegenübersitzt"

Markus Vogl vor der Vitrine in seinem Betriebsratsbüro: Im Hintergrund ein Wahlwerbebild von Bruno Kreisky Bild: feh

OÖN: Die Frage kann man einem Wahlkämpfer der SPÖ nicht ersparen: Ist das Match angesichts der Affäre um den Schmutzkübelwahlkampf nicht schon gelaufen?

Vogl: Bundeskanzler Christian Kern hat lückenlose Aufklärung angeordnet. Da kann man ihm voll vertrauen. Ich selber bin nicht pfeifdrauf. Mein und unser Stil im Wahlkampf soll es sein, niemanden schlecht zu machen, sondern für unsere Lösungen zu werben.

Ganz ohne Abgrenzung geht es wohl nicht. Als Gewerkschafter werden Sie die Mitbewerber für deren Ruf nach mehr Flexibilisierung der Arbeitszeit nicht loben.

Die "Bürgerinitiative", die Sebastian Kurz unterstützt, wirbt mit "Freiheit bei der Arbeitszeit". Das hört sich super an; hurra, du teilst dir die Arbeitszeit ein, wie du’s brauchst! Nur, ich vermute, das ist nicht die Freiheit, die sie meinen: Die Freiheit, die sie tatsächlich meinen, heißt: Es gibt keine gesetzliche Arbeitszeitregelung mehr. Dann bleiben Mindeststandards und Schutzbestimmungen auf der Strecke. Das Fiese an dem Spiel ist ja, dass man nie sagt, was man wirklich will.

Es soll alles bleiben, wie es ist?

Was Arbeitnehmerrechte, Demokratie und Sozialwesen betrifft, ja, natürlich. Alles andere wäre ein Rückschritt. Gleichzeitig müssen wir verdammt aufpassen, dass wir die Entwicklung nicht versäumen. Steyr ist eine Stadt mit unter 40.000 Einwohnern und mit 8000 Industriearbeitsplätzen. Du musst die Menschen auf Veränderung vorbereiten. Wir wissen etwa noch nicht, was wir hier in zehn Jahren produzieren. Unsere Aufgabe muss sein, dass es irgendetwas Hochtechnologisches sein wird.

Was müsste sich ändern?

Nehmen wir das Gesundheitswesen, wo es im Ennstal nicht mehr so sein wird, dass jeder Ort seinen Gemeindearzt hat. Alleine die junge Ärztegeneration macht da nicht mehr mit, an allen Wochentagen um die Uhr bereitzustehen. Aber in einem Netzwerk der Gemeinden mit mehreren Stützpunkten werden wir es schaffen: Mehrere praktische Ärzte können gemeinsam viel mehr Zeiten für Akutfälle anbieten, und wer zu seinem Hausarzt will, macht sich einen Termin aus. Und die Logopädin fährt tageweise in die Stützpunkte hinaus, damit Eltern mit ihren Kindern nicht nach Steyr fahren müssen.

Haben Sie überlegt, was sie tun werden, wenn Sie nicht mehr ins Hohe Haus kommen?

Mit Verlaub, da müsste eine Katastrophe über uns hereinbrechen. Das Wahlkreismandant der SPÖ ist gut abgesichert, und ich freue mich, wenn ich weiter für die Region arbeiten kann – übrigens in einer sehr guten Zusammenarbeit mit Johann Singer von der ÖVP.

Grob gesagt stehen wir vor einem Dreikampf zwischen VP, FP und SP. Mit einer Koalition außerhalb des Dreigestirns dürfte es nach der Wahl schwierig werden. In Deutschland beantworten Politiker die Frage, wer ihnen als Koalitionspartner lieber ist.

Ich bin Gewerkschafter und als solcher bin ich es gewohnt, dass ich mir bei Kollektivvertragsverhandlungen mein Gegenüber nicht aussuchen kann, sondern akzeptieren muss, wer von der anderen Seite geschickt wird. Das möchte ich auch in der Politik so halten. Generell würde ich jetzt die FPÖ bevorzugen, weil wir aus der leidvollen Erfahrung wissen, dass es mit der VP nicht geht.

In der SPÖ gibt es nach wie vor Kräfte, die die FP besser meiden wollen.

Die FP waren früher die Schmuddelkinder und jetzt hat Sebastian Kurz deren Asyl- und Flüchtlingspolitik übernommen. Und die Wirtschaftsprogramme von Blau und Schwarz haben den gleichen Mastermind, nämlich die Industriellenvereinigung. Da macht das keinen Unterschied.

Wo müsste sich die FP ändern, um eine gemeinsame Basis für eine Regierung zu finden?

Beim Menschenbild. Wir wollen uns in eine positive Richtung entwickeln, ohne Schüren von Ängsten Vorurteilen und Ressentiments, was nicht bedeutet, dass man bei Problemen wie etwa auch der Zuwanderung den Kopf in den Sand steckt. Nur Zuwanderung alleine ist schon vielfältig: Da ist der Ostdeutsche, der bei uns kellnert und die slowakische Pflegerin, die unsere Großmutter betreut. Und wenn man der die Kinderbeihilfe kürzt, kommt sie dann noch zur Pflege unserer alten Menschen?

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Artikel Hannes Fehringer 05. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
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