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Heutige Bastler behelfen sich mit dem 3D-Drucker

STEYR. 40 Aussteller zeigten bei der "Mini Maker Faire" im Museum Arbeitswelt und Röda, was es nicht bei "Amazon" gibt.

Heutige Bastler behelfen sich mit dem 3D-Drucker

Scanner, der Bücher und Archivalien nicht belastet: David und Katharina Smutny Bild: feh

Für die Matura an der HTL Waidhofen/Ybbs wollte das Steyrer Ehepaar David und Katharina Smutny die Lehrbücher und Hefte auf das Tablet speichern, aber der Flachscanner hat die Skripten bis zur Auflösung malträtiert. Also haben die beiden jungen Techniker einen Holzkasten konstruiert, in dem Bücher in einem Winkel gescannt werden können. Ihr Gerät "Archivar", das die Smutnys am Wochenende an ihrer Koje bei der "Mini Maker Faire" im Steyrer Museum Arbeistwelt und im Kulturhaus "röd@" ausstellten, soll den Weg in die Bibliotheken, vor allem aber auch Vereinsarchive finden. "Unser Bücherscanner lässt sich leicht manuell einstellen", sagt Katharina Smutny, "er ist nicht mit Elektronik überladen." Weiches Licht, bei dem UV-Strahlen ausgefiltert sind, tastet die Seiten ab, sodass auch altes Pergament nicht in Mitleidenschaft gezogen wird. "Wir peilen einen Preis von 3000 Euro pro Scanner an", sagt David Smutny, "damit kostet er ein Zehntel marktüblicher Geräte."

Erste Schritte und Gehversuche auf dem Markt zu machen, dazu dient die kleine und feine Messe für Selbermacher nicht nur, sagt Stephan Rosinger vom Museum Arbeitswelt und der dortigen freien Werkstätte "Maker Space". Gedankenaustausch unter Kreativbolzen sei mindestens genau so wichtig, damit Neues entsteht. Neues Design und neue Waren aus Steyr sind auch die Zielsetzung, die der Forschungsförderungsverein FAZAT als Messesponsor verfolgt, erklärt deren Vorstand Nationalrat Markus Vogl (SP): "Wir wollen ein Klima für kreative Ansätze schaffen und andererseits Hemmschwellen zur zeitgemäßen Technologie senken."

Die Befassung mit neuen Fertigungstechniken wie dem 3D-Druck kennt keine Alterssschranke. Helmut Gaugusch hat vor seiner Pension in den Steyr-Werken noch auf dem Reißbrett konstruiert, ehe die CAD-Computerzeichnungen kamen. Im "Maker Space" programmiert er den Datensatz, dass der 3D-Drucker aus dem Kunststoffdraht ein Zahnrad formt, das sein Nachbar als Ersatzteil nirgendwo mehr auftreiben konnte. "Alles eine Sache des Willens und Interesses", sagt der 77-Jährige, "dazu kommt, dass es hier unglaublich kundige Betreuer gibt, die einem helfen."

Ein Bügelbrett, ein Bügeleisen und eine Nähmaschine sind nicht gerade High-Tech, die Bernadette Hartl als Arbeitsgeräte verwendet. Die Steyrerin klebt und näht originelle Damenhandtaschen, deren Seitenteile Buchdeckel sind. "Das sind sehr individuelle Geschenke", erfreut sich die Handwerkerin guter Nachfrage ihrer Fabrikate. Die schmucken Accessoires, die sie herstellt, findet man ansonsten bei alternativen Verkaufsplattformen wie "Etsy" im Internet. Eine Verkaufsform, die auch Hartl offensteht.

Ein Mann, der viel weiß und seine Fähigkeiten lange nicht nutzen durfte, ist Mohammed Najjar. Der Flüchtling aus Syrien hat in seiner Heimat sämtliche Diplome in Elektrotechnik und Hydraulik gemacht. Der Techniker, der gegenwärtig in Kremsmünster lebt und nun eine Arbeitsbewilligung erhielt, hat eine elektronische Steuerung für Poller entwickelt, die sich automatisch versenken, wenn sich ein Fahrzeug nähert, das zur Durchfahrt berechtigt ist. Für die Messe hat er ein Modell der Anlage gebaut, ihre Funktionsweise führt er mit einem Matchbox-Auto vor. "Fachleute wie er fehlen in der Wirtschaft an allen Ecken und Enden", regt FAZAT-Geschäftsführer Werner Ortner an, dass qualifizierte Zuwanderer schneller bei heimischen Betrieben anfangen können. In die ganz neue Welt führte eine Sonderschau im Museum Arbeitswelt: Dort konnten die Besucher mit Videobrillen im Rundumblick in Computerspiele einsteigen und lernfähigen Robotern Eigenschaften antrainieren. Die Messe wurde von 3000 Besuchern gestürmt.

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Artikel Hannes Fehringer 02. Oktober 2017 - 04:27 Uhr
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