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"Für Helene Fischer würde ich jederzeit aussteigen"

SANKT ULRICH, LOS ANGELES. Christoph Moser aus St. Ulrich bei Steyr hat in Los Angeles, dem Mekka für Tänzer, den Durchbruch geschafft.

"Für Helene Fischer würde ich jederzeit aussteigen"

Christoph Moser bei einem Auftritt mit Helene Fischer Bild: Privat

Im zarten Alter von sieben Jahren entdeckte der St. Ulricher Christoph Moser bereits seine Leidenschaft fürs Tanzen, als Zehnjähriger galt er bereits als Riesentalent, mit 15 wurde er erstmals für eine Show in Berlin gecastet, mit 17 schmiss er die Schule, als 20-Jähriger wanderte er in die USA aus, heute tanzt der mittlerweile 30-Jährige erfolgreich an der Seite von Superstar Helene Fischer. Die Steyrer Zeitung traf den Tänzer beim Urlaub in der alten Heimat zum Interview.
 

OÖN: Abgesehen von Koch-Shows sind Tanzsendungen die Quotenbringer im Fernsehen. Fühlen Sie sich als Star?

Christoph Moser: Nein, überhaupt nicht, obwohl ich sogar beim US-Pendant von Dancing Stars getanzt habe. Mein Ziel ist es, zufrieden und glücklich zu sein, kreativ tätig sein zu dürfen und davon leben zu können.

Aber Sie haben für Pink getanzt, bei einem Film mit Drew Barrymore mitgewirkt und sind seit Jahren fixer Bestandteil bei den Helene-Fischer-Tourneen.

Der Star ist Helene, sie ist eine tolle, sehr professionelle Künstlerin, die uns Tänzer schätzt. 2012 bin ich in Los Angeles eher zufällig von ihrem Team gecastet worden. Damals hat sie für ihre Shows zwölf Tänzer aus Amerika einfliegen lassen, das haben nicht einmal die Superstars in den USA gemacht. Seither bin ich mit einer Ausnahme bei jeder ihrer Touren dabei gewesen, hab sechsmal bei der Helene-Fischer-Weihnachtsshow getanzt und mir an ihrer Seite einen Traum erfüllt: Ich war bei der Bambi-Verleihung, bei Wetten dass ..?, bin zweimal auf der bis auf den letzten Platz gefüllten Waldbühne in Berlin aufgetreten und einmal vor 60.000 Zuschauern im Münchner Olympiastadion. Das alles war wirklich geil, aber doch nur ein toller Traum. Im Endeffekt ist es das kleine Glück, das wirklich zählt.

Wie sind Sie überhaupt zum Tanzen gekommen?

Meine Eltern waren bei Grease in Wien und haben eine Kassette mitgenommen. Damals war ich sieben Jahre alt und sofort begeistert.

... und haben mit dem Tanzen begonnen?

Ich habe in Garsten Kindertanz-Unterricht genommen. Gemeinsam mit einem Burschen, der bald wieder aufgehört hat, und sonst nur Mädchen. Ich hab' selbst nicht gewusst, dass ich ein Riesentalent bin, aber im Rampenlicht bin ich immer schon gern gestanden.

Für einen Buben war Tanzen damals also ein ungewöhnliches Hobby?

Das schon, aber ich habe auch Gitarre gelernt und im Vorwärts-Nachwuchs bis zur U16 gekickt. Aber ich hab' immer gehofft, dass mich keiner beim Tanzen sieht.

Warum?

Zumindest anfangs hatte ich ein Problem damit, dass mich viele als schwul angesehen hätten.

Was an sich kein Problem mehr sein sollte. Sind Sie homosexuell?

Nein. Und so viele Tänzer, wie man vielleicht glaubt, sind es auch nicht. Aber ich bin als Jugendlicher schon schnell draufgekommen, dass ich auf der richtigen Seite stehe. Ich hab' mit zwanzig tollen Mädels getanzt, während meine Freunde im Sportverein mit zwanzig nackten Buben geduscht haben.

Wann haben Sie den Entschluss gefasst, Tanzen zum Beruf zu machen?

Mit 15 hat mich Choreograf Detlef D! Soost erstmals für eine Show in Berlin gecastet, daraufhin bin ich alle zwei Wochen im Flieger gesessen, um irgendwo zu tanzen, während die Schulkollegen gebüffelt haben. Und mit 17 hab' ich dann in der 3. Klasse HLW die Schule geschmissen. Von da an hab‘' ich gewusst: Jetzt muss ich aus meinem Talent etwas machen, professionell, sonst bin ich weg.

... und dann sind Sie in die Vereinigten Staaten gegangen.

Nein, zuerst war ich ein Jahr lang in Wien, habe dort Ballett und Tanz trainiert und nebenbei gearbeitet. Aber es war nicht mein Ziel, am Raimund-Theater Musical zu machen. Wenn schon, dann am Broadway.

Wie schwierig war dieser Schritt nach Amerika für Sie?

In Wien war ich immer einer der besten, in den USA plötzlich nur einer von 150 guten Tänzern. Das war für mich ein Wahnsinn, was dort abgegangen ist. Aber ich habe erkannt, dass ich mithalten kann.

Die Tanzausbildung in Österreich war wohl nicht so schlecht.

Sie war gut, vor allem aber für meine Eltern wichtig. Hauptsache, eine Ausbildung. Aber Amerika ist anders, dort habe ich noch nie irgendein Zeugnis herzeigen müssen. Dort zählt nur eines: Was kannst du genau in diesem Moment.

Was bedeutet Tanzen für Sie?

Beim Tanzen geht es um Emotion, um die Botschaft. Es ist kein Leistungssport, sondern eine Kunstform. Das sage ich, obwohl ich auch Staatsmeister im Tanzen war, aber: Wer beurteilt das? Ich war immer sehr, sehr ehrgeizig. Aber als Tänzer ist es so, dass du beim Casting zwar gut tanzen kannst, aber einmal bist du zu weiß für die Rolle, dann zu dick, zu schlank, zu klein, zu wenig muskulös, hast zu kurze oder zu lange Haare. Es gibt unzählige Gründe. Vom Tanzen kannst du leben, aber auch nicht viel mehr. Aber Geld bringt dich sowieso nicht weiter, sondern es sind die Menschen, die einen ähnlichen Weg gegangen sind.

Tanzen ist aber kein Job für die Ewigkeit.

Das geht nur, so lange du gesund bist. Ich will irgendwann hinter der Kamera tätig sein, als Creative Director oder Choreograf, am besten bei den Oscars.

Aktuell gibt es aber noch einige Auftritte als Tänzer.

Am 13. Jänner trete ich mit Helene Fischer in Berlin bei den Schlager Champions ihres Partners Florian Silbereisen auf, danach ziehe ich ab März für sechs Monate nach Las Vegas, um in einer Marilyn-Monroe-Show zu tanzen.

Ist dieses Engagement im Mekka der Unterhaltungsindustrie der nächste Schritt auf der Karrierleiter?

Für Tänzer ist Los Angeles das Mekka, ich lebe dort seit dem Jahr 2010. Las Vegas wird sicher toll, aber ich habe eine Klausel in meinem Vertrag: Für die Sommertournee mit Helene Fischer würde ich sofort wieder aussteigen.

Sie sind als 20-Jähriger ausgewandert: Vermissen Sie Österreich manchmal?

Aktuell ist es mir zu kalt. Aber Österreich ist so wunderschön, egal ob man in den Bergen ist oder den unfreundlichen Kellner in Wien genießt. Hier darf man einfach sein. Es gibt das sogenannte Inselparadies, und es gibt ein Paradies, das heißt Österreich. Eines aber würde ich mir schon wünschen: Dass Österreich ein bisschen offener wird und auch den einen oder anderen Flüchtling akzeptiert, der durch das Meer schwimmen musste. Ich verstehe diese Kleingartenmentalität nicht ganz, wo es uns hier doch so gut geht.

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Artikel Gerald Winterleitner 12. Januar 2018 - 03:03 Uhr
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