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Doktor, der die letzte Hoffnung ist, ordiniert wieder

STEYR. Junge Patienten, die die "Allianz für Kinder" nach Österreich evakuierte, wären schon tot.

Doktor, der die letzte Hoffnung ist, ordiniert wieder

Bild: (privat)

Valentin ist ein 13-jähriger Bub, der in der Kirche des nordalbanischen Fushe Arrez bei jeder Messe ministriert. Vor elf Jahren hatte seine Mutter Tränen in den Augen und das schwerkranke Kind auf dem Arm in die Mission der Franziskanerinnen getragen. Dort betastete der Steyrer Arzt Michael Schodermayr die Zungen der Kinder mit einer Holzspachtel und horchte sie mit dem Stethoskop ab. "Kinder identifizieren", nennt der Mediziner aus Steyr den Vorgang. Bei den Ordinationen, die drei Mal im Jahr in der entlegenen Provinz in Albanien im Franziskanerkloster abgehalten werden, sichtet Schodermayr, welchen Kindern nur noch eine Behandlung in Österreich hilft. Die von ihm vor 26 Jahren gegründete Hilfsorganisation "Allianz für Kinder" vermittelt den kleinen Patienten aus den Armenhäusern Europas Operationen und Therapien in Kliniken bei uns. Die Spitalsträger lassen ein gewisses Kontingent gratis behandeln. "Allianz für Kinder" kommt mit seinem Jahresbudget von 500.000 Euro für die Flüge, Heilbehelfe und Nachbetreuung der kleinen Patienten auf.

Valentin kam mit einem offenen Rückenmark zur Welt. Seine Mutter und er machten die Hölle durch, bis sie den Zweijährigen zu einem der Ordinationstermine von Schodermayr brachte. Wenn die Missbildung nicht behandelt worden wäre, wären Valentins Gliedmaßen erlahmt, der Bub hätte die Kontrolle über den Harn verloren, wenn er nicht vorher an einem Infekt gestorben wäre. Valentin kam auf die Liste und wurde im Wagner-Jauregg-Spital Linz erfolgreich operiert. Am vergangenen Wochenende kam Valentin zur Kontrolle zum Doktor, den der Familie der Himmel schickte.

Doktor, der die letzte Hoffnung ist, ordiniert wieder

Valentin war vor elf Jahren ein schwerkrankes Kind

Besonderer Wochenenddienst

Schodermayr fliegt an Wochenenden, an denen er zu Hause dienstfrei hat, Freitag früh los und arbeitet bis Sonntag Mittag die improvisierten Wartezimmer ab, in denen bis zu 150 Mütter mit ihren Kindern bei der Registrierung anstehen. Neben Albanien betreut "Allianz für Kinder" auch den Kosovo und Moldavien. Vor Ort lösbare Krankheitsfälle weist Schodermayr Partnern im Land zu. Kinder, denen die spärlichen medizinischen Einrichtungen nicht helfen können, kommen auf eine Liste. "Es ist erschütternd, wie es in Europa nur eine Flugstunde von uns mit der Versorgung der Menschen aussieht", sagt Schodermayr. Am Flughafen in Tirana traf er den 20-jährigen Vicenzo. Der junge Mann studiert Maschinenbau und will in Albanien etwas voranbringen. Wäre im Linzer Kinderherzzentrum damals nicht sein Klappenfehler operiert worden, wäre er nicht am Leben.

Doktor, der die letzte Hoffnung ist, ordiniert wieder

Heute ist Valentin gesund. 

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Artikel Hannes Fehringer 18. März 2016 - 00:04 Uhr
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