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Das Wortgefecht der Vizeleutnants

STEYR, HAIDERSHOFEN. Friedlich soll so eine Diskussion ablaufen, versteht sich: Wir sind Österreicher, verhalten uns verfassungsgemäß neutral und greifen nicht an. Dass sich die Vizeleutnants Willi Hauser (SPÖ) und Manfred Schimpl (ÖVP) in der Wehrpflichtdebatte ganz auf Parteilinie Stellung beziehen und verbal scharf schießen, war zu erwarten. Hier ein paar Auszüge aus dem Wortgefecht:

Das Wortgefecht der Vizeleutnants

Steyrs Vizebürgermeister Willi Hauser und Haidershofens Gemeindechef Manfred Schimpl trafen bei der Wehrpflichtdebatte in Behamberg aufeinander. Bild: Daucher

Stichwort Profiheer

Hauser: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Das Bundesheer befindet sich seit 1992 in einer Permanent-Reform. Jedes Mal wird ein Stück weggeschnitten von der Salami. Schimpl: Es wäre wohl ein gutes Modell, wenn wir die Gewissheiten hätten, dass es auch so umgesetzt wird. Es droht uns allerdings ein gesellschaftspolitischer Super-Swap. Keiner weiß was passieren wird. In unsicheren Zeiten verlasse ich mich lieber auf das, was ich habe. Hauser: Dass alles so unsicher ist, ist ein Schreckgespenst. Wenn etwas passieren sollte, dann gehen wir heute von zehn bis 15 Jahren Vorlaufzeit aus. Darauf kann man sich rechtzeitig einstellen.

Stichwort Schlagkraft

Schimpl: Nach SPÖ-Modell fallen ab 1. Jänner 2014 22.000 Präsenzdiener weg. In der Folge gibt es natürlich auch keine Miliz mehr. Hauser: Zu Auslandseinsätzen schicken wir auch jetzt nur Profis, da ist kein Präsenzdiener mit dabei. Ähnlich im Katastrophenschutz: Mit Gerät rücken nur Profis aus. Die Präsenzdiener helfen beim Aufräumen. Es ändern sich auch die Aufgaben des Bundesheers: Es geht in Zukunft um die Abwehr von Cyber-Attacken und es geht um sicherheitspolizeiliche Assistenzen.

Stichwort Finanzierung

Hauser: Wir haben jetzt schon rund 15.000 Berufssoldaten. Wieso sollen dann 15.500 nicht finanzierbar sein, wenn wir uns gleichzeitig 22.000 Präsenzdiener ersparen? Schimpl: Meine Sorge, die ich habe mit dem Profiheer und der Abschaffung der Wehrpflicht, ist, dass wir die Jugend zum Nehmen erziehen. Was sollen sich die denken, die sich freiwillig und ehrenamtlich für eine Sache einsetzen?

Stichwort Freiwilligkeit

Schimpl: Geht jemand, der zum Beispiel gerade eine Lehre abgeschlossen hat, tatsächlich drei, sechs oder neuen Jahre zum Heer und kann er danach so mir nichts dir nichts in seinen Beruf zurück? Hauser: Dass sich nur Waffennarren für ein Profiheer melden stimmt nicht. Ich bin auch Berufssoldat und weder ein Söldner noch ein Waffennarr. Ich habe privat auch keinen Waffenschein. Die Freiwilligkeit ist ein gutes Modell. Bei Freiwilligen ist die Motivation viel höher. Die Diskussion zur Wehrpflicht mit Hauser und Schimpl fand auf Einladung der SPÖ Behamberg statt. Moderator Gerhard Leitner hatte zu Beginn der abendlichen Veranstaltung einen kurzen geschichtlichen Abriss zur Wehrpflichtdebatte – mit mehrfach wechselnden Positionen von SPÖ und ÖVP – präsentiert.

 

Die Kontrahenten

Willi Hauser, SPÖ, Vizebürgermeister Steyr

Vizeleutnant beim Bundesheer seit 1975, Personalvertreter

Befürworter Profiheer:
„Reformiert wird schon lange. Es muss sich etwas ändern.“

Manfred Schimpl, ÖVP, Bürgermeister Haidershofen

Vizeleutnant beim Heer von 1977 bis 2001, Personalvertreter

Befürworter Wehrpflicht:
„Halten wir in unsicheren Zeiten an dem fest, was wir haben.“

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Artikel Kurt Daucher 20. Dezember 2012 - 00:04 Uhr
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