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35 Anmeldungen für die I-Klasse, aber Ministerium will Schulversuch beenden

STEYR. An der Steyrdorfschule droht nach 25 Jahren das Ende der Integration behinderter Kinder

35 Anmeldungen für die I-Klasse, aber Ministerium will Schulversuch beenden

Aufregung an der Steyrdorfschule am Tabor: Auch die Vorzeigevolksschule an der Industriestraße soll ihre Integrationsklassen, die sie seit rund 25 Jahren als Schulversuch führt, im kommenden Schuljahr aufgeben müssen. Bild: APA

"In meinen Augen wäre es der falsche Weg, diese Schulform hier in Steyr wieder aufzulassen. Meine neunjährige Tochter ist hellauf begeistert", sagt Elke Heinzelreiter. Die Mutter und Leiterin der städtischen Kindergärten spricht das drohende Aus für die Inklusionsklassen an der Steyrdorfschule am Tabor an. Hier werden diese sogenannten I-Klassen seit 25 Jahren als Schulversuch geführt. Laut Erlass des Bildungsministeriums ist künftig pro Bundesland nur noch an maximal fünf Prozent der Schulen ein Schulversuch erlaubt. In Oberösterreich würde dies das Ende der Inklusion an neun von zehn Sonderschulen bedeuten, auch in Steyr.

35 Umschulungsanträge

Hier werden in der Steyrdorfschule aktuell drei I-Klassen, in denen auch je zwei bis sieben beeinträchtigte Kinder unterrichtet werden, geführt, zusätzlich fünf Kleinklassen für sechs- bis 16-jährige Schüler mit erhöhtem Förderbedarf sowie eine reine Sonderschulklasse. Ab Herbst hätte es auch wieder eine vierte I-Klasse geben sollen.

"Es handelt sich um eine Vorzeigeschule", sagt der zuständige Steyrer Schulreferent, Stadtrat Gunter Mayrhofer (VP), "es ist unglaublich, was vom Lehrerteam rund um Direktor Günther Geist geleistet wird." Das Ende des Schulversuchs wäre laut Mayrhofer eine Katastrophe. Dass die I-Klassen bei den Eltern durchaus beliebt sind, würden die 35 Umschulungsanträge für das kommende Schuljahr 2018/19 zeigen. Nun seien die Eltern aber total verunsichert, da weiter nicht geklärt ist, wo ihre Kinder in die Schule gehen dürfen. Auch die Zukunft mancher Lehrer sei ungewiss.

Betroffen gibt sich Direktor Geist: "Es handelt sich um eine qualitativ hochstehende Bildungsmaßnahme, die sich bewährt hat und eigentlich als Regelschule geführt werden sollte."

Eltern überlegen Protest

Wie es nun an der Steyrdorfschule weitergeht, ist offen. Noch gestern Abend trafen sich Elternvertreter mit den Eltern der potenziellen Schulneulinge, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

"Wir werden etwas unternehmen, vielleicht eine Unterschriftenaktion starten", sagt Olaf Nowitzki, Chemie-Professor am BRG Steyr und Elternsprecher der 3. I-Klasse: "Mein Sohn ist in diese Schule gegangen, meine Tochter geht jetzt. Beide haben vom Kontakt mit diesen teils schwerstbehinderten Kindern überaus profitiert. Sogar mir als Vater hat es etwas gebracht." Die Arbeit, die hier geleistet werde, sei exzellent, was auch Heinzelreiter bestätigt: "Das soll keine Abwertung anderer Volksschulen sein. Aber ich bin überzeugt von diesem Inklusionsmodell hier. Kinder lernen Rücksichtnahme, sie erkennen, dass jeder nach seinen Fähigkeiten spezielle Qualitäten hat. Es ist toll."

"Kunstgriff" soll den Schulversuch doch noch retten

In den kommenden Tagen soll in Gesprächen zwischen Steyrs Schulreferent Gunter Mayrhofer, Bezirksschulinspektorin Eva Zöchling und Schuldirektor Günther Geist eine Lösung gegen das drohende Aus für die I-Klassen an der Steyrdorfschule gesucht werden. Er sei guter Dinge, dass dies gelinge, sagt Mayrhofer. Dabei klammert er sich an eine von Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer ins Spiel gebrachte Übergangslösung: Bei dieser "Umgehungsvariante" soll eine andere Volksschule die I-Klasse organisatorisch führen, räumlich und personell soll die Klasse aber weiterhin an der Steyrdorfschule verbleiben. Es handelt sich dabei um einen "Kunstgriff", dessen Umsetzung umstritten ist.

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Artikel Gerald Winterleitner 09. Februar 2018 - 00:04 Uhr
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