Wenn Sie zügig gehen, schaffen Sie es vom einen Ende Kirchdorfs ans andere in einer guten Viertelstunde.
Derartige Eile ist freilich nicht empfehlenswert. Genauso wenig wie die Frage an einen der rund 4000 Stadtbewohner: „So klein, und schon eine Stadt?“
Man könnte Ihnen ein bisschen böse werden. Auf jeden Fall dürften Sie zu hören bekommen: Was kann denn Kirchdorf dafür, dass seine Gemeindegrenzen so eng gesteckt sind, dass sich die Stadtfläche auf nur 2,8 km2 beläuft? Weshalb die Kirchdorfer ihr Hoheitsgebiet ja in Gedanken insgeheim auch auf Teile der Nachbargemeinden Micheldorf (6000 Einwohner) und Inzersdorf (1800 Einwohner) ausdehnen. Was insbesondere den Micheldorfern bisweilen sauer aufstößt. Aber das ist eine andere Geschichte.
Gemeinderivalitäten beiseite: Sie haben schon recht, die Kirchdorfer, wenn sie sich als das Zentrum des oberen Kremstals sehen. Das Einzugsgebiet – gerade der Kirchdorfer Schulen – erstreckt sich noch viel weiter darüber hinaus. Was die beachtliche Zahl von 2300 Schülern in der kleinen Bezirkshauptstadt erklärt.
Doch zurück zur Frage, was einem bei flottem Marsch durch Kirchdorf entgehen würde: Es ist zum einen der Reiz einer Kleinstadt, die immer noch viel vom namensgebenden Dorf hat, in dem sich (fast) jeder kennt. Was sich unter anderem daran zeigt, dass sich die halbe Stadt Donnerstagvormittag beim „Schölli“ – dem Wirtshaus Schöllhuber – zum Würstlessen trifft, wenn es dort die „Kesselheißen“ gibt.
Zum anderen liegt Kirchdorfs Reiz in den kleinen Überraschungen. Den Dingen, die man in einer Stadt dieser Größe nicht erwartet – etwa den Kirchdorfer Radiosender B138, der das Kremstal auf der Frequenz 102,3 MHz mit bemerkenswert guter Musik beschallt. Es gibt einen gut sortierten Buchladen und eine Theatergruppe, deren Repertoire weit über das übliche Programm von Amateurtheatergruppen hinausgeht. Der Kulturverein Inok (Initiative Oberes Kremstal) holt Popkultur auf hohem Niveau nach Kirchdorf. Klassische Musik gibt es im Kulturzentrum Schloss Neupernstein. Und selbst im eher unansehnlichen Zementwerk – für aus Linz kommende Besucher der erste Anblick Kirchdorfs – finden regelmäßig beachtenswerte Konzerte statt.
Womit wir schon bei der B138, der Pyhrnpass-Bundesstraße, wären, die Kirchdorf in Nord-Süd-Richtung durchläuft. Bis vor sieben Jahren stauten sich hier die Fahrzeugkolonnen auf dem Weg zwischen Linz und Graz. Seitdem im Dezember 2004 das letzte noch ausständige Teilstück der Pyhrn-Autobahn eröffnet wurde, ist das Geschichte. Eine gute Visitenkarte für Kirchdorf gibt die Straße aber nach wie vor nicht ab. Der Stau verschwand zwar, aber die Hässlichkeit der B138 blieb. Zumindest die groteske Ansammlung von Werbe- und Hinweisschildern entlang der Strecke will die Stadt jetzt einmal durchforsten. Naja, ein erster Schritt.
Wer nicht als Autolenker seine Augen auf der Straße halten muss, sollte seine Blicke lieber auf die Umgebung lenken. Und die spricht auf jeden Fall für Kirchdorf. Die Waldhänge am Ost- und Westrand des Kremstals,jetzt im Herbst in den schönsten Farben. Die schroffe Kremsmauer im Südwesten. Weiter im Süden die Berge der Pyhrn-Priel-Region, im Norden breitet sich das Kremstal aus.
Womit wir beim dritten – und sicher nicht geringsten – Reiz Kirchdorfs sind: der Natur. Schön ist es in allen Richtungen. Etwa vorbei am Krankenhaus nach Schlierbach zu dessen barockem Kloster. Oder in die andere Richtung – vorbei am Schloss Neupernstein – über das Gasthaus Groileiten hinauf zur Burg Altpernstein.
Wo man sich natürlich schon längst auf Micheldorfer Gebiet befindet. Der Blick von der Burg, fünfhundert Meter über dem Kremstal, zeigt aber auch, wie weit die beiden Orte bereits zusammengewachsen sind. Man sollte sie doch zusammenlegen, schlug jüngst ein OÖN-Leserbriefschreiber vor.
Was wohl noch eine allzu kühne Idee ist, wenn man die Kirchdorfer und Micheldorfer und ihre zeitweiligen Diskrepanzen kennt. Immerhin, die ersten Gemeindekooperationen laufen schon.
Bis auf weiteres werden Sie es aber noch eine Zeitlang vom einen Ende Kirchdorfs ans andere in einer Viertelstunde schaffen.
Willkommen in der fünften Jahreszeit
Schon bald beginnt mit dem Fasching wieder die närrische Zeit. Die „Kiridorfer Faschingsgesellschaft“ ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. 2010 feierte sie ihren 50. Geburtstag mit einem großen Fest.
Auch für die kommende Faschingssaison haben die Kiridorfer Narren wieder ein buntes Programm zusammengestellt. So sind im kommenden Jahr etwa ein „Prinzen-gschnas“ und ein „buntes Treiben“ am Faschingssamstag geplant.
Dreitägiges Stadtspektakel
Im August verwandelt sich die Innenstadt beim Stadtspektakel für drei Tage in eine Kunstmeile. Im heurigen Jahr ging die Veranstaltung auf fünf Plätzen über die Bühne. Auf die Besucher wartet dabei ein bunt gemischtes Programm, es spielen Musiker auf und es gibt kulinarische Leckerbissen.
Dem Foto nach zu urteilen sind ein Drittel der Kirchdorfer sind "MigrantINNEN".
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