Wels, das ist eine große Stadt und ein kleines Nest. Das ist eine Sehenswürdigkeit und eine Bausünde. Das ist weltoffener Multi-Kulti und Stammtisch-Faschismus. Das ist Wagner-Klassik und Music-unlimited-Avantgarde. Das ist Apparatschik-Politik und lässige freie Szene. Wels ist Volksfest-Gaudi und Drogen-Tristesse. Wels, das sind braune Flecken und bunte Hunde. Wels ist zum Gernhaben und zum Davonlaufen. Diese Stadt leidet unter einem Borderline-Syndrom. Sie muss auf die Couch, und die Welser könnten ihr helfen. Werden sie es tun?
Der gelernte Welser hat gelernt, viele Dinge achselzuckend zur Kenntnis zu nehmen. Das Spielfeld der Kommunalpolitik betritt er nicht. Hier waren viel zu lange nicht Ideenbringer aus dem wirklichen Leben gefragt, sondern pragmatisierte Parteibuchwirtschafter und Stammtischbruderschaften. Jemand, der visionär denken kann, klinkt sich eher nicht in solche Seilschaften ein.
Wo sind die Querdenker?
Wels hat Fantasie, Wels hat gescheite Menschen, die nicht rückwärts, sondern vorwärts denken, aber nicht zuletzt aufgrund der jahrzehntelang einbetonierten Machtverteilungen in der kommunalen Politik ist dieser Stadt eine gestalterische Ressource abhanden gekommen. Diese Querdenker jetzt einzuladen, kommt zu spät. Längst haben sie es sich im Speckgürtel der Stadt bequem gemacht, leben ihre Autonomie, konsumieren und genießen den hohen Lebensstandard, den der Großraum Wels zweifellos zu bieten hat. Viel zu wenige sind dazu bereit, sich in die gesellschaftliche Entwicklung der Kommune einzubringen. Viele schauen sich das an, was auf der Welser Bühne aufgeführt wird, kaum jemand kommt auf die Idee, dass er selbst eine Rolle spielen könnte. Wels, das ist auch eine Stadt der Statisten. Einzelne bewundernswerte Idealisten, die private Initiativen am Leben halten, sind eher Ausnahme als Regel. Man müsste ihnen ein Denkmal setzen.
Wels hat in den nächsten Jahren enorme Probleme zu stemmen. Die Verantwortlichen haben viel zu lange nicht überzuckern wollen, dass man aktiv gegensteuern muss, wenn in der Innenstadt außer Wettbüros, Handy-Shops oder Kebab-Standln kaum mehr neue Geschäfte aufsperren und in Teilen der Stadt Ghettobildung statt Integration gelebt wird. Viele zukunftsweisende Projekte, die echte Perspektiven aufgezeigt hätten, sind in den Schubladen verschwunden.
Dass das neue Science-Center „Welios“ nicht als Leuchtturm funktioniert, hat sich inzwischen herumgesprochen. Das Versuchslabor für junge und alte Kinder steht unweit des Ledererturms als Wahrzeichen typischer Welser Verhältnisse neben der Stadthalle. Hier wurde in der falschen Dimension gedacht. Provinziell statt visionär, kleinmütig statt konsequent, „a bisserl was geht immer“ statt „entweder oder“.
Enormes Potenzial
Das ist in vielen Bereichen so. Man hätte Wels als Filmstadt positionieren können – wer erinnert sich noch an die Österreichischen Filmtage? –, jetzt hat man bei der Standortsuche für ein moderneres Programmkino jahrelang herumgeeiert und eine „Bisserl-Lösung“ gefunden. Wels könnte sich als Basketball-Metropole hochspielen, aber statt eine moderne Sport-Arena (mit Basketball-Schwerpunkt-Schule bzw. -Akademie) zu errichten, investiert man jetzt ein bisserl in Schulturnhallen. Wels könnte nicht zuletzt aufgrund seiner perfekten Verkehrsanbindung als wirtschaftlicher Hotspot viel besser funktionieren, aber anstelle innovative Firmen am Flugplatz anzusiedeln, gibt‘s seit Jahren Eiertänze um Brachvögel und weiße Möwen.
Die zweitgrößte Stadt Oberösterreichs hat nicht nur große Probleme, sondern auch ein enormes Potenzial. Es wäre jammerschade, wenn Wels ein Schauplatz der verpassten Gelegenheiten bliebe. Gelingt die überfällige mutige Stadt-Erneuerung? Fragen wir nicht die Politik, sondern fragen wir uns selbst: Was machen wir mit unserem Wels?
3458 Jobs: Klinikum ist größter Arbeitgeber
Wels ist auch Standort für mehrere weltweit agierende Unternehmen – von den Stempelerzeugern Trodat und Colop bis zum Seilhersteller Teufelberger, vom Lagerlogistik-Spezialisten TGW über Tiger-Lacke bis zu den Reform-Werken oder der Vereinigten Fettwaren-Industrie (Speiseöl-Hersteller).
Von Wels aus eroberten Sport Eybl, die Intersport-Gruppe, Gerstl-Bau, Richter-Pharma, Doppler-Mineralöl, Transport- und Bauprofi Felbermayr oder die XXX-Lutz-Gruppe Österreich und die Nachbarländer. Das IKEA-Zentrallager beliefert auch Filialen in der Schweiz und Italien.
Unter den 500 umsatzstärksten Betrieben Österreichs (2010, lt. Zeitschrift Trend) sind mit XXX-Lutz (27.), Cross-Industries (u. a. KTM, 42.) und Berglandmilch (98.) drei Welser Betriebe dabei.
Größter Arbeitergeber ist mit 3458 Jobs das Klinikum. Die aktuelle Arbeitslosenquote (inklusive dem Bezirk Wels-Land) liegt bei 4,9 Prozent.
Im Handel dominiert das Tauziehen um Kunden zwischen Innenstadt-Geschäften und den Einkaufszentren am Stadtrand. Die Jahre der Depression scheinen überwunden. Langsam werden die Leerstände in der City weniger.
Alle fragen: Bleibt Peter Koits bis zur Wahl 2015 im Amt?
Bei der Wahl 2009 verlor die SP die Absolute. Im Stadtsenat gibt es eine Pattstellung zwischen Rot und Blau (je drei Sitze). Die zwei VP-Mandate sind das Zünglein an der Waage.
Schärfster Gegner der SP ist der polarisierende FP-Fraktionsführer Andreas Rabl (39). Im heftig geführten Duell zwischen Rot und Blau spielen VP und Grüne nur Statisten-Rollen. Über all dem steht die Frage: Wann tritt SP-Bürgermeister Peter Koits (70) zurück? Vor Herbst 2013 bestimmt das Volk die Nachfolge. Vermutlicher SP-Kandidat ist Vizebürgermeister Hermann Wimmer (58).
Geht Koits später, entscheidet der Gemeinderat. Für diese Wahl braucht die SP dann aber Hilfe aus dem bürgerlichen Lager.
Tipps aus unserer Lokalredaktion
Wels hat Bewohnern und Gästen viel zu bieten. Ein besonderes Juwel ist die Innenstadt, die auch gastronomisches Zentrum ist. Die einzigartige Architektur wird gratis mitserviert.
Hotel: Für Wels-Besucher stehen in zwölf Betrieben etwa 950 Gästebetten in der Drei- und Vier-Sterne-Kategorie bereit: vom neuen Hotel Maxlhaid (6), über das kleine, feine Stadthotel Hauser (7) bis zum Hotel Ploberger (8), das den Ansprüchen eines Großstadt-Quartiers mehr als gerecht wird.
Essen: Typisch für eine Stadt dieser Größe ist die breite gastronomische Palette: von der Haubenküche im Fortino (9) bis zum Kebab in den zahlreichen Imbiss-Buden. Feine heimische Gerichte werden beim Laahener Wirt (10), in Obermairs Wirtshaus (11) oder im Gasthaus Zur Linde (12) serviert. Wer internationale Küche bevorzugt, dem seien das Adria Grill (kroatisch) (13) beim Bahnhof, das italienische Restaurant Il Gusto (14) oder das Sala Thai (15) in der Hans-Sachs-Straße ans Herz gelegt.
Trinken: Die Welser Innenstadt ist längst zu einer begehrten Gastromeile für jede Altersgruppe geworden. Wer sich zur Gesellschaft zählt, besucht das „Ins Haas“ mit seinem heimeligen Gewölbe und dem Gastgarten im Stadtplatz-Arkadenhof. Auch die „UI-Bar“ auf dem Stadtplatz oder das Glashaus sind In-Treffs. Liebhaber uriger Lokale besuchen die Haider-Stube oder die Altstadt-Weinstube Kletzmayr. Letztere befindet sich in der Hafergasse, der Welser Beislmeile schlechthin: Rewü, Verdacht, Xaver, Lewinsky und das Irish Pub sind längst legendär. Die Jugend verkehrt in der Estilo-Bar, im Kreuzbeisl, der Grande Dame, im Marlon, Wildwechsel, Smaragd oder der Riesendisco im Industriegebiet, dem „Fifty-Fifty“.
Einkaufen: Mit den Einkaufsparks am Stadtrand (max.center, SCW, Welas-Park) und den Innenstadt-Geschäften wird Wels seinem Namen als Einkaufsstadt weiterhin gerecht. Für jede Altersklasse und für jede Brieftasche gibt es passende Produkte und keinen Grund, bei Einkaufstouren Wels links liegen zu lassen.
Freizeit: Rund um die Traun treffen sich die Sportler: Kletterhalle, Kunsteisbahn, Schwimmbad, Ruder-, Faltboot- und Segelverein sind dort etabliert. Auch Läufer, Nordic Walker und Radler nützen die teils sehr idyllischen Routen am Fluss. Ein Besuch der Minoriten (Römermuseum), der Burg mit dem Stadtmuseum oder des Pferdeeisenbahn-Museums sollte bei einer Wels-Visite nicht fehlen.
Nicht vergessen: Zu jeder Jahreszeit bietet Wels Interessantes: Weihnachtsmarkt mit seinem Berghütten-Dorf und Skipiste im Stadtzentrum; Arkadenhof-Kultursommer, bei dem fünf Innenstadthöfe mit Musik, Tanz, Literatur und Theater bespielt werden.
Im Frühjahr und im Herbst treffen sich nicht nur die Welser beim traditionellen Volksfest.
Teamwork in Kulturszene
Welser Kultur-Initiativen blicken über den Tellerrand. Sie vernetzen sich nicht erst seit der großen Kulturkonferenz im Mai. Den besten Beweis liefert das Festival „music unlimited“, das seit 25 Jahren im Schl8hof Jazz, Avantgarde und Impro-Musik vereint. Jedes zweite Jahr wird es von einem berühmten Künstler kuratiert; heuer ist es Peter Brötzmann. Das Programmkino zeigt Filme über ihn, das MedienKulturHaus seine Malerei und Objekte. Das Musikfestival vom 3. bis 6. November ist ausverkauft.
Welios für die ganze Familie
Eines der ersten Science-Center Österreichs steht am Ostende des Messegeländes: Auf 2500 m2 gibt es im Welios für Jung und Alt Wissenswertes über Energie und Umwelt zu entdecken. Motto: Mitmachen, staunen, entdecken. Morgen startet eine zusätzliche Welios-Attraktion: ein 3D-Kino mit 360-Grad-Leinwand.
Pluspunkte
Einkaufsstadt: Allen Unkenrufen zum Trotz lockt Wels mit erstklassigen Geschäften Kunden an – freilich nicht mehr nur ins Zentrum, sondern auch in die Einkaufstempel am Stadtrand; optimale Verkehrslage.
Bildungsstadt: Aus nah und fern lockt Wels wissbegierige Leute: 1994 startete die Fachhochschule. Aktuell besuchen 1430 Studenten 16 Studiengänge. Dazu kommen vier Gymnasien und je fünf berufsbildende höhere und mittlere Schulen.
Stadt im Grünen: Wer sich auf sein Rad schwingt oder die Laufschuhe schnürt, ist von allen Stadtteilen nach nur wenigen Minuten Sport mitten im Grünen: Das ist Lebensqualität.
Kulturstadt: Das Angebot könnte kaum vielfältiger sein. Einzig angestammte Welser nörgeln – zu Unrecht. Es gibt viele Galerien, Konzerte aller Genres fast im Tagestakt, das MedienKulturHaus, das um ein Innenstadt-Kino ergänzt wird, u.v.m.
Energiestadt: Ab 2030 will Wels für Wärme- und Stromerzeugung kein Öl und Gas verfeuern. Erste mutige Schritte: Sonnenkollektoren auf Messehalle, viele Photovoltaik-Anlagen, Abwärmenutzung bei Müllofen.
Herausforderungen
Integration: 14 Prozent Nicht-EU-Bürger; Migranten zweiter, dritter Generation mit Sprachproblemen; sozial schwache Familien in großen Wohnanlagen: Das ist auch in Wels sozialer und politischer Sprengstoff.
Flugplatz: 25 der 110 Hektar des Areals im Welser Norden soll Betrieben vorbehalten, der Rest Naturschutzgebiet werden. Der Fliegerclub Weiße Möwe torpediert aber den nach Jahren ausverhandelten Kompromiss zwischen Bund, Land und Stadt.
Traunufer-Belebung: Obwohl seit Jahren diskutiert, gibt es nur zaghafte Ideen, die Innenstadt zum sauberen Fluss hin zu öffnen: Betonliegen auf einer Wiese am Ufer und eine großzügige Betontreppe mit Steg.
Messe: 26 Millionen Euro investierte der städtische Betrieb 2007 in eine vier Fußballfelder große Passivhaus-Halle. Eine zweite dieser Dimension ist notwendig. Zu klären ist, wie lange das Areal östlich der Lokalbahn noch Messeplatz bleibt.
Der politische Stillstand seit der Wahl 2009 lähmt Wels. Alle warten gespannt, wann SP-Bürgermeister Peter Koits (70) zurücktritt. Im Stadtsenat (3 SP, 3 FP, 2 VP) traut keiner dem anderen über den Weg.
... spiegelt genau dass, was die welser bürger seit mehr als 10 jahren offen sagen und die politik nicht hören will. anscheinend ist es der politik nach jeder wenn, wenn auch mit müh und not, gewonnenen wahl ziemlich egal was aus dieser einst so wundervollen stadt wird und bisher geworden ist. anstelle einer stadtentwicklung mit zukunft und einem ausbau der innenstadt vergleichbar deutscher städte mit gleicher größe, einem stadtkonzept wo man lange zeit hatte etwas zu bewirken, oder der belebung der traun au, wurden betonbauten gebaut deren sinnhaftigkeit zu denken geben. man kann auch eine stadt belebeben ohne einen 20 mio glaspalast, dazu braucht man einfach nur hirn und kreativität. doch das ist am stadtplatz no 1 mangelware. schade um wels, es hätten vor 10 jahren schon andere schritte gesetzt werden sollen, ein dank an die politik für diesen schritt in die vergangenheit.
die letzten verbliebenen Welser sollen weg ziehen und die Stadt aufgeben......bevor der nächste türk. BM euch sowieso rausschmeißt
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