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Oberösterreich

Die Handelsmetropole Ried steht an einem Wendepunkt

Vor 140 Jahren wurde Ried offensichtlich von besonders klugen Politikern geführt. Der Kaiser zu Wien bot dem erst 1857 zur Stadt erhobenen, traditionsreichen Handelsplatz an, ihm ein Gymnasium oder eine Militärgarnison zu errichten, als Zeichen majestätischer Gnade. Die Stadtväter entschieden sich für die Bildung und legten damit eine fruchtbare Saat.

Diese Aufgeschlossenheit haben sich die Rieder bewahrt. Vor 50 Jahren haben sie sogar eine städtische Handelsakademie und Handelsschule selbst gegründet und finanziert, weil die Republik dazu nicht bereit war. Heute zählt die Stadt mehr als 6000 Schüler, der Großteil in den sechs mittleren und höheren Schulen.

Sie kommen aus dem ganzen Innviertel und sogar aus den Bezirken Grieskirchen und Vöcklabruck, um sich hier das Rüstzeug fürs Leben zu holen. Mehr als 500 Lehrer haben einen Arbeitsplatz. Viele von ihnen geben im gesellschaftlichen Leben das kritische und kreative Potenzial für ein lebendiges Gemeinwesen.

Kampf um die Eisenbahn

Seit Generationen schöpft die Hauptstadt des Innviertels ihre Kraft aus dem weiten bäuerlichen Umland. Die zentrale Position bevorteilte Ried lange Zeit gegenüber Braunau und Schärding, die ihre Grenzlage erst mit dem EU-Beitritt 1995 haben abstreifen können.

Dazu kamen Geschick und Glück: Die kaiserliche Eisenbahnverwaltung wollte 1862 die neue Eisenbahnlinie von der Strecke Wels – Passau in Andorf abzweigen und über Obernberg am Inn nach Braunau bauen lassen. Ried setzte sich mit der Trasse Neumarkt – Ried – Braunau durch. Schon 1870 war sie befahrbar, und 1877 kam noch die Strecke Attnang – Schärding hinzu.

Ried war nun der Verkehrsknoten schlechthin und stärkte seine Position als Stadt des Handels. Damit konnte auch eine Veranstaltung wachsen, die 1867 als kleiner Ägydi-Herbstmarkt gegründet worden war. Es entstand die Rieder Messe, die noch heute alle zwei Jahre, im Wechsel mit der jüngeren Welser Messe, die besucherstärkste in ganz Österreich ist. Die größten Landmaschinen, die edelsten Rinder, die neusten Elektrogeräte und Möbel: Seit Generationen pilgern die Besuchermassen nach Ried, um sie zu bestaunen. Zum Abschluss wird die Stimmung am Volksfest genossen.

Natürlich hat sich die Messe stets neuen Trends angepasst, so wie auch andere Vergnügungen. Die Chronik vermerkt, dass früher Tausende von Menschen zusammenliefen, wenn in Ried „Hängats, Rennats und Reitats“ waren: Es wurde ein Verbrecher am Riedberg gehenkt – letztmals übrigens 1868 – , oder es gab Pferderennen oder Pferdereiten. Heute jubeln die Massen, wenn die Fußballer der SVR das runde Leder rollen lassen.

Auch das Stadtbild hat sich verändert. Wer heute durch die Straßen und vor allem über die schönen Plätze geht, der spürt den Fleiß, den Ehrgeiz und das Geschick der Bürger, die das geschaffen haben. Viele Kaufleute haben aber Filialketten weichen müssen. Sie haben Umsatz an die Fachmärkte verloren, die sich jenseits der Stadtgrenze angesiedelt haben. Geschäftslokale stehen leer.

Die gute Mischung

Anderswo sind ganze Stadtkerne verödet. Ried ist trotz mancher Narben eine Einkaufsstadt geblieben. Sie steht aber an einem Wendepunkt. Wenn es nicht gelingt, das innerstädtische Einkaufszentrum Kastner & Öhler zu verwirklichen, wird die Fassade als Handelsmetropole weiter bröckeln. Noch lebt die Innenstadt, und das nicht nur dienstags, wenn Wochenmarkt ist. Die Innviertler sollten das schätzen.

Letztlich macht die gute Mischung die Stärke aus. Es ist nicht nur eine Stadt des Handels und der Schulen, sondern der freien Berufe – Ärzte, Anwälte, Notare, Zivilingenieure – und wegen der vielen Verwaltungseinrichtungen eine Stadt der Beamten. Dazu sind Gewerbebetriebe gewachsen. Weil die Fläche knapp ist, sind manche in Nachbargemeinden ausgewichen. Warum nicht? Ried bezieht seine Kraft auch aus dem starken Umland.

Bei einem Besuch in Ried verborgene Schätze entdecken

Bodenständige Küche, exzellentes Bier, Kulturschmankerln, ungewöhnliches Warenangebot und viele Freizeitmöglichkeiten. Ein Besuch in Ried lohnt sich allemal.

Stadtrundgang: In Zentrumsnähe finden sich jede Menge Gratis-Parkplätze, der erste Weg führt ins Museum Volkskundehaus: Gastroverzeichnis, Stadtplan, Audio-Guide holen – und los geht’s auf einen elektronisch unterstützten Stadtrundgang, der sich jederzeit per Knopfdruck für eine kulinarische Pause unterbrechen lässt.

Essen: Jeder Geschmack wird in Ried bedient. Zu den Klassikern mit typisch Innviertler Prägung zählen Willi Bauböcks Lokal am Marktplatz, das Gasthaus Träger auf dem Roßmarkt, der Platzlwirt am unteren Hauptplatz, das Kellerbräu und der Riedbergwirt. Für eine Kaffeepause im belebten Zentrum bietet sich das Café Mayer am Stelzhamerplatz an. Unbedingt lohnenswert ist auch ein Abstecher in die Bahnhofstraße – das Café Kolm ist mit seinen Mehlspeisen eine Institution.

Trinken: Ried serviert Bier aus der ältesten Privatbrauerei Österreichs – dem Kellerbräu. Das zugehörige Wirtshaus ist mit einer 64 Meter langen, permanent gekühlten Bierleitung direkt an die Brauereitanks angeschlossen. Als Muss gilt die trübe Halbe. Die zweite Brauerei der Stadt, die Genossenschaft, lässt das vielfach prämierte Rieder Bier sprudeln. Kenner schwören auf die Weiße. Bei Voranmeldung wird durch die heiligen Hallen der Brauerei geführt.

Einkaufen: Rieds Shoppingmeile erstreckt sich vom Stelzhamerplatz über den Hauptplatz bis zum Roßmarkt. Neben jeder Menge Mode finden sich Unterhaltungselektronik und die Filialen der großen Ketten. Ried kann sich aber nach wie vor vom andernorts üblichen „Einheitsbrei“ abheben. Auf dem oberen Hauptplatz bietet Leeb Hummer Textilien und Textilzubehör, für die die Kundschaft weite Strecken auf sich nimmt. Kräuter Max hat seine Regale auf dem Hohen Markt mit wohlduftenden Eigenkreationen bestückt. Und Zöls in der Bahnhofstraße hat Fisch und Wild im Angebot, das weitum seinesgleichen sucht.

Freizeit: Eine kräftige Dosis Kultur serviert die Initiative Kunst im Keller. Sportliche Besucher setzen auf Kletter-, Skater- und Eislaufhalle. Rieds Hallenbad ist technisch sanierungsbedürftig, präsentiert sich dem schwimmenden Gast jedoch in einwandfreiem Zustand. Ein Wochenendbesuch in der Stadt Ried lässt sich wunderbar mit einem Heimspiel der SV Josko Ried kombinieren – die nächste Gelegenheit bietet sich am morgigen Samstag um 16 Uhr mit dem Heimmatch der SV gegen Mattersburg. Alle Rieder Veranstaltungen finden sich unter www.ried.at

Nicht vergessen: Ried ist die Schwanthalerstadt. Werke der berühmten Bildhauerdynastie lassen sich im Museum Volkskundehaus und gleich gegenüber in der Stadtpfarrkirche bewundern.

Von der Bildhauer-Familie bis zur jungen Kunst im Keller

Die Bildhauerarbeiten der Familie Schwanthaler (Thomas 1634–1707) finden international Beachtung und sind in der Stadtpfarrkirche ebenso präsent wie gleich daneben im Innviertler Volkskundehaus. Dort kann die Leiterin, die Kunsthistorikerin Sieglinde Frohmann, auch mit Schätzen wie der Stille-Nacht-Krippe aus Oberndorf, mit einer beachtlichen Sammlung bäuerlichen Kulturguts und einer Gemäldegalerie aufwarten.
Brucknerbund und Künstlergilde prägten lange Zeit das Kulturgeschehen. Dann riefen Junge und Junggebliebene mit „Kunst im Keller“ (KiK) in den 1980er-Jahren eine neue Ära aus, mit Künstlern aus dem In- und Ausland, von Musik bis Kabarett.

Viele kleine Kaufleute und die große Luftfahrt

FACC, Fischer, Wintersteiger: Die drei großen Industriebetriebe stehen für 2000 Arbeitsplätze und sind mit ihren Produkten am Weltmarkt erfolgreich. Die Stärke der Rieder Wirtschaft sind jedoch 900 Klein- und Mittelbetriebe. Ein Drittel von ihnen ist im Sektor Handel und Reparatur aktiv und hat im Schnitt nur acht Beschäftigte.
Größter Arbeitgeber in der Bezirkshauptstadt ist mittlerweile das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, wo 1100 Menschen ihr Brot verdienen. Der Flugzeugteilebauer FACC wäre mit 1850 Mitarbeitern eigentlich größer, allerdings sind nur 880 am Stammsitz in Ried. Als Wermutstropfen wird empfunden, dass FACC 2009 von der chinesischen Xian Aircraft Industry (XAC) übernommen worden ist.

FACC war eine Gründung von Fischer; die Skibauer hatten Leichtbaukompetenz. Fischer war einst größte Skifabrik der Welt und hat heute in Ried nur noch 450 Beschäftigte. Weitere 1200 sind im ukrainischen Werk Mukachevo.
Aufsteiger ist Maschinenbau Wintersteiger mit weltweit 650 Mitarbeitern (450 in Ried). Die Stadt hat tolle Unternehmen wegen Platzmangels verloren, etwa Scheuch Umwelttechnik nach Aurolzmünster.

Kleine Stadt, große Zahlen

Die Kleinstadt Ried braucht den Vergleich mit den Ballungszentren nicht zu scheuen: Größte Geothermiebohrung Österreichs, einziger Bundesliga-Fußballklub im Land, größte Hauptschule des Landes und derzeit die größte Schulbaustelle im Land.
Bei 11.400 Einwohnern gibt es mehr als 12.000 Arbeitsplätze und mehr als 800 Betriebe. 6250 Kinder und Jugendliche gehen in Ried zur Schule. Auf nur 6,77 Quadratkilometern Gemeindefläche finden sich sieben Kirchen und 22 Friseursalons.

Brautpaare lieben Ried

Rieds prächtiger Rathaussaal hat sich als Heiratszentrum der Region etabliert – bereits die Hälfte aller Brautpaare, die sich hier standesamtlich das Ja-Wort geben, kommt aus anderen Gemeinden. Und das nicht nur einmal. Im Vorjahr heirateten vier Innviertler in Ried jeweils zum dritten Mal.

Das sind Rieds...

... Pluspunkte:

Ried ist das Einkaufszentrum der Region. Mehr als 80 Prozent des bezirksweiten Einzelhandelsumsatzes entfallen auf den Raum Ried. Ein Spitzenwert im Konzert der vergleichbaren Städte in Österreich.

Mit der Rieder Messe und der SV Josko Ried verfügt die Stadt über Imageträger mit unschätzbarem Werbewert. Sympathieträger, die zur Bekanntheit verhelfen – bei der Kombination mit Fußball fällt in ganz Österreich der „geografische Groschen“.

Mit mehr als 6000 Schülern bei 11.400 Einwohnern hat Ried einen weiteren Trumpf in der Hand. Jugendliche aus einem weiten Umkreis lernen Ried kennen und halten später als Konsumenten die Treue.

Urbane Vorzüge genießen, ohne urbane Nachteile zu haben. In Ried findet sich von den Behörden über ein breites Einkaufsangebot bis zur dichten medizinischen Versorgung alles auf einem Fleck. Dazu Erholungsflächen direkt vor der Haustür.

In Ried gibt es mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Das schlägt auch auf die Einnahmen der Stadt durch. Ried rangiert bei der Finanzkraft pro Kopf auf Rang sechs in Oberösterreich.

... Herausforderungen:

Das kleine Stadtgebiet: Für Betriebserweiterungen und Neuansiedlungen gibt es kaum noch Möglichkeiten. Für einen Schulterschluss mit den Nachbargemeinden ist die Zeit offenbar noch nicht reif.

Laut einer großangelegten OÖN-Fragebogenaktion wünscht sich die Bevölkerung Filialen der Ketten H&M und Mediamarkt/Saturn. Ein Einkaufszentrum ist geplant, aber nicht errichtet. Das Warten hemmt die Investitionsfreude im Handel.

Innerhalb des eigenen Bezirks ist Ried gut erreichbar. Die Anbindung an Salzburg ist – vorsichtig formuliert – verbesserungswürdig. Über Ried schwebt die ungewisse Zukunft der Hausruck-Bahn.

Als Eigentümer erfreut sich die Stadt hoher Zuwendungen durch die Energie Ried. Strukturmaßnahmen werden aber nicht ausbleiben. Mit der Sanierung des Hallenbads steht ein Millionen-Brocken ins Haus, der sich kaum schultern lässt.

Mit der größten Geothermiebohrung Österreichs senkt Ried die Abhängigkeit von Öl und Gas. Für die Hausanschlüsse wird aber die halbe Stadt „umgegraben“, in absehbarer Zeit droht ein Verkehrschaos.

 

 

 

 

 


 

 

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irgendwie ist dieser "check" · von peas (1191) · 21.10.2011 09:46 Uhr

ein armutszeugnis.

scheinbar muss es so sein, dass heute alles in anglizismen verpackt werden - das ist ein cooler trendy hype.

nebenbei bemerkt, der sich daraus ergebende sinn erschließt sich einem nicht. selbstdefinierte gold-feder-kriterien, die uns was sagen sollen?

man ist erinnert an die primitiv-tests der vorabend-fernsehserie gallileo. indem abend für abend fragwürdige tests, mit falschen ableitungen durchgeführt werden. birnen werden mit äpfel, weder in einem wissenschaftlichen noch seriösen umfeld verglichen. oder welche achterbahn ist am schnellsten o. sonstige tests auf die die welt seit 2000 jahren wartet.

das niveau einfach primitiv. für unsere nördlichen nachbarn scheinbar ideal. warum kann man also nicht einfach einen anderen titel und andere (sinnstiftende)maßstäbe zur beurteilung finden?
zum beispiel .. "auf besuch in (..)", informativ und eben nicht flachgeistig, konsumgesteuert, leistungsorientiert.

- als konstruktive anregung zu verstehen -

(0)
2
was ist der Sinn · von airbase (791) · 21.10.2011 15:52 Uhr

der lobhudelei?

(0)
3
airbase! der sinn ... mein sinn ... · von mausfanger (18441) · 21.10.2011 17:39 Uhr

besteht darin, dass ich endlich wieder einmal ried (ich komme ursprünglich aus der nähe) besuchen soll ...

ich weiß es noch wie heute ...
mit der oma per triebwagen nach ried ...
dann einen hatscher in die stadt ...
und zum meinl an kaffe kaufen ...

der g´ruch..."WONDERFULL"...würde da (auch) ein nicht-inn-4-dla meinen ㋡

(0)
Artikel 21. Oktober 2011 - 00:04 Uhr
Josef Lehner und Dieter Seitl
Bild vergrößern Die Handelsmetropole steht an einem Wendepunkt

Stadt der Jugend: Mehr als 6000 Schüler bei 11.400 Einwohnern sind kreatives Potenzial.  Bild: VOLKER WEIHBOLD

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