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Michael Harmer

12. Mai 2004, 00:00 Uhr

Ein gut gezapftes Grieskirchner Pils im schlanken Glas mit hopfenfeiner Haube darf bei keinem feinen Mahl fehlen. Davon sind die Mitarbeiter der Brauerei auf dem Grieskirchner ...

Ein gut gezapftes Grieskirchner Pils im schlanken Glas mit hopfenfeiner Haube darf bei keinem feinen Mahl fehlen. Davon sind die Mitarbeiter der Brauerei auf dem Grieskirchner Stadtplatz überzeugt. Der Chef des Hauses möchte, dass das Bier in gar nicht so fernen Tagen nur aus jenen Rohstoffen erzeugt wird, die vom eigenen Bauernhof in Spillern stammen.

Dort hat die Familie ihre Wurzeln. Nahe von Stockerau (NÖ) betreibt sie jetzt wieder die Landwirtschaft und ein Gasthaus, in dem Michael Harmer - aus Zeitmangel nicht mehr so häufig, wie gewollt - den Kochlöffel schwingt. Was anfangs für Freunde gedacht war, begeistert rasch immer mehr aus dem näheren und weiteren Bekanntenkreis, bis Harmer die Notbremse zog und Kochlöffel und Schürze einem gelernten Profi überließ.

Was in Niederösterreich passiert, möchte Harmer auch bei den Brauereien in Grieskirchen und Schärding (Kapsreiter) verwirklichen: Mit Qualität Stammkunden begeistern, neue Bierliebhaber gewinnen.

Dass die Harmers im Besitz einer Brauerei sind, hat mit Hitlers Machtergreifung zu tun: Harmers Großvater Gustav betrieb in Spillern eine der größten Spirituosenbrennereien Österreichs und erhielt 1938 das Angebot, von der Ottakringer Brauerei nicht nur die Quote fürs Schnapsbrennen, sondern den gesamten Betrieb - die Brauerei war sechs Mal so groß wie die Brennerei - zu übernehmen. Dabei wurde die jüdische Besitzerfamilie nicht um ihr Vermögen gebracht. Durch geschicktes Taktieren gelang es Harmer, den gesamten Verkaufswert den Auswanderen in New York zukommen zu lassen. Dafür saß er sogar zwei Tage in Gestapo Haft. Noch heute haben die Harmers Kontakt mit dieser Familie.

"Für meinen Großvater war es Quatensprung: Mein Vater studierte daher in Weihenstephan Brauwesen, weil nach 1945 Landwirtschaft und Brennerei in Spillern stillgelegt wurden", erzählt der 38-Jährige Brauereichef, der künftig wieder mehr die wirtschaftlichen Wurzeln der Familie pflegen will. (müf)

Most: Das ist der Erzfeind der Bierbrauer. Unsere Brauerei hat früher Most erzeugt und Schnaps gebrannt.

Wein. Dafür gilt das Gleiche wie beim Most; ich freu' mich über eine gute Flasche Wein.
Alles, was wir in Grieskirchen nicht sind, ist in einer Dose drinnen. Es ist schlimm, was die Dose als Gebinde durch den Preiskampf aus der Branche gemacht hat. Globalisierung, die es Qualitätsbrauereien ermöglicht, Nischen zu besetzen.

Lieblingsgetränk: Welch' Frage: Bier

Reparaturseidl: So etwas brauchen nur Alkoholiker: Kultiviertes Trinken ist gepflegtes, regelmäßiges Trinken.

Familie: Ein zentraler Begriff für mich -ich komme aus einer Großfamilie;

Grieskirchen oder Schärding: (lacht) Das ist die gemeinste Frage.

Landbusen: Der ist etwas Wunderbares.

Bierbrunnen: Der ist sympatisch; und eine Quelle ist doch immer etwas Geheimnisvolles.
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