OÖN: Das ist ja eine Unzahl an Straßenmeisterei-Fahrzeugen! Lkw, Maschinen, Kräne – alles liebevolle Bastelarbeit. Wirklich schön!
Johann Huemer: Das freut mich.
OÖN: Sie waren jahrzehntelang bei der Straßenmeisterei in Vorchdorf beschäftigt…
Huemer: Ja, dadurch habe ich die Beziehung zu den Maschinen bekommen, jede davon gekannt und gewusst, wie sie funktionieren.
OÖN: Wie sind Sie zu all dem Material gekommen?
Huemer: Wir haben 17 Parkplätze zu betreuen gehabt, wo in der Nacht viel Müll illegal entsorgt worden ist. Was nicht im Mistkübel Platz gehabt hat, wurde daneben hingestellt. Wir haben im Jahr circa 30 Kühlschränke und 50 Fernseher eingesammelt, alleine in unserem Bereich.
OÖN: Und aus den Sperrmüllresten bestehen Ihre Fahrzeuge?
Huemer: Zu 95 Prozent. Der Rest sind gekaufte Sachen: Lack, Schrauben und Batterien. Das Holz ist Brennholz. Und wenn es Sie interessiert, schalten wir gleich einmal diesen Lkw hier ein (ein alter Famulus-Staubsauger als Öltank – und fertig ist der Treibstoff-Transporter, Anm.).
OÖN: Wie gehen Sie beim Zusammenbauen vor?
Huemer: Ich sammle zuerst das Recycling-Material, und wenn ich mir dazu etwas vorstellen kann, baue ich das Auto dazu, weil es ja proportionsmäßig passen muss.
(Herr Huemer schaltet den Lkw ein und ein „Dieselmotor“ beginnt zu knattern.)
Huemer: Was glauben Sie, was da drin ist? Ganz etwas Einfaches: ein Wecker ohne Schellen. Der macht das Geräusch. Ich baue viele Haushaltsgeräte in meine Fahrzeuge. Das hier war einmal ein Krenhachl – oder das hier ein elektrisches Messer.
OÖN: Für das, was Sie hier machen, so viele Lkws mit Hängern, mit Brückenaufbauten, Schneepflügen, Rasenmähern, Straßensaugern, da braucht es aber viel technische Vorstellungsgabe, um so etwas aus Abfall herstellen zu können.
Huemer: Das habe ich schon als Kind gehabt. Mit 15 Jahren habe ich mir dieses Telefon hier aus alten Resten gebastelt. Das funktioniert heute noch.
OÖN: Woher haben Sie Ihr elektronisches Wissen?
Huemer: Mein erstes Handwerk war das Holzrechenmachen. Dabei bin ich geblieben, und das andere hat mich einfach fasziniert.
OÖN: Wie lange brauchen Sie im Schnitt, um etwa so ein Straßenmeistereifahrzeug herzustellen?
Huemer: Zwischen 250 und 300 Stunden pro Stück. Insgesamt habe ich 75 Exponate und 206 Schalter. Jedes einzelne Trumm funktioniert.
OÖN: Und wann haben Sie mit dem Basteln begonnen?
Huemer: 1997. Das erste war eine Kehrmaschine, 1998 folgte das Brückeninspektionsgerät, dann hat es mich nicht mehr ausgelassen – da ist’s dahingegangen.
OÖN: Was ist das hier?
Huemer: Eine Markiermaschine, wie wir sie in den 60er-Jahren gehabt haben.
OÖN: Und das?
Huemer: Ein Kehrbesen. Sehen Sie? Da hab’ ich eine Zahnbürste eingebaut. Hier eine Warnanlage gegen Geisterfahrer mit Lichtschranken (in Miniatur natürlich, Anm.).
OÖN: Bei so vielen Fahrzeugen, Maschinen, Geräten – basteln Sie eigentlich immer noch?
Huemer: Nein, nur noch Wartungsarbeiten. Ich habe einmal eine Zeit gehabt, da war ich mit dem einen noch nicht fertig, hab’ ich schon wieder etwas anderes im Kopf gehabt. Ich hatte schon so eine Sucht, habe meinen ganzen Urlaub und Zeitausgleich verbraucht. Alles, was Sie hier sehen, habe ich in drei Jahren gemacht.
OÖN: Hier stehen noch ein komplettes Sägewerk und eine Dreschmaschine, alles so, wie es vor 50 Jahren war. Mit allen Details. Wunderbar!
Huemer: Der schönste Lohn ist für mich, wenn die Leute begeistert sind. Ich hatte schon 20 Ausstellungen, aber ich mache keine mehr, weil es zu umständlich ist.
OÖN: Falls sich jemand für Ihre Schau interessiert…
Huemer: …Sie können meine Telefonnummer hineinschreiben: 07614 / 80 89.
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