Mehr als 2000 Mal, zuletzt gestern in Gmunden, hat er die Menschen mit seinem Soloabend „Sachen zum Lachen“ begeistert. „Ich erlebe immer eine Sucht, wenn mir ein Text gefällt, ihn vorzulesen. Und die Menschen lassen sich offensichtlich anstecken von meiner komödiantischen Begeisterung“, sagt Schenk beim Gespräch am Frühstückstisch in seiner Villa am Irrsee. Es ist kein Geheimnis, dass die Begeisterung, die Schenk jedes Mal bei seinem Publikum entfacht, weniger mit den Texten zu tun hat, als mit dem Altmeister selbst. Dessen gemimte Unbedarftheit, ja bisweilen Unbeholfenheit, mit der er auf der Bühne zu rezitieren anhebt, zieht die Leute sofort in ihren Bann. Das wiederholt sich immer wieder, so auch in Gmunden, wo Veranstaltungsmanagerin Fini Schmid die organisatorischen Fäden zog.
Knapp vor seinem 80er, den er am 12. Juni 2010 feiert, kann Schenk auf ein Berufsleben blicken, in dem er wohl alles geschafft hat, was man erreichen kann. Schauspiel, Regie in den besten Opernhäusern der Welt, Filme, Auszeichnungen und Ehrungen. Vielleicht hat aber die persönliche Distanz, die er sich zu seinen umjubelten Auftritten und Inszenierungen bewahrt hat („Ich misstraue heute noch dem Erfolg“), gerade erst die Kultfigur Otto Schenk ermöglicht.
Seit einigen Jahren hat er die Lust an der Formulierung von Texten für sich entdeckt. So entstanden mehrere Bücher, zuletzt „Wer kocht, ist selber schuld. Angefressene Memoiren“. Apropos Kochen und Essen: Er liebe naturbelassene Speisen, etwa Schweinsbraten mit dicken Fetträndern, Beuschel oder Innereien. „Ich esse gern kalorien- und krebsfördernd, aber dafür bin ich noch ganz gut beisammen.“ Seine eigenen Kochkünste hingegen relativiert er: „Ich war immer nur der guten Gefängnisküche auf der Spur.“ Ein weiteres Buch ist in Arbeit. Schenk: „Es wird ein Kaleidoskop von allem, was mir einfällt. Über Zores, Blamagen und andere Schwierigkeiten, aber kein Lebenslauf.“
Es gibt aber auch eine ganz andere Seite des Bühnengrantlers, einen stark humanistisch geprägten, besorgten Otto Schenk. Er sei pessimistisch veranlagt und glaube, „dass die Welt vor grauenhaften Katastrophen steht“. Und: „Ich bin für jeden Tag dankbar, wo das noch nicht eintritt.“
Das Exklusivinterview der OÖN in Schenks Irrsee-Villa schließt mit einer Liebeserklärung an seine Gattin Renée Michaela, die er seit mehr als 50 Jahren Ehe „Micka“ nennt. „Sie bangt in jeder Sekunde des Lebens mit mir, und wir sind nach wie vor unsterblich ineinander verknallt. Sie bestimmt, was ich annehmen und ablehnen soll und hat immer Recht.“
Sprach es, und schon öffnet sich die Tür mit der Nachfrage „Mickas“, wie lange das Interview noch dauert. Das Ende vom Stück, wie es passender wohl nicht sein hätte können.
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