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Vergessene Eisenbahntunnel werden für Radfahrer geöffnet

ST. GILGEN, ST. LORENZ. Vor 60 Jahren fuhr der letzte Personenzug der Salzkammergut-Lokalbahn durch die Scharfling-Tunnelkette. Künftig werden Radfahrer die Tunnels benutzen dürfen. Die EU, Salzburg und Oberösterreich nehmen dafür 3,3 Millionen Euro in die Hand.

Einer der drei alten Tunnel unter dem Scharfling-Pass Bild: Tourismus

Als am 30. September 1957 der letzte Personenzug auf der Salzkammergut-Lokalbahn von Bad Ischl nach Salzburg fuhr, winkten Tausende Schaulustige entlang der gesamten Strecke dem Dampfzug wehmütig nach. In Erinnerung an die legendäre Bahnlinie stellt die Stadtgemeinde Bad Ischl jetzt eine historische Zuggarnitur vor dem Bahnhof auf.

Seit 1999 kämpft der Salzburger „Verein zur Wiedererrichtung der Ischlerbahn“ für die Revitalisierung der Strecke und sieht großes Fahrgastpotenzial – nicht nur bei Touristen, sondern auch bei Berufspendlern, die in Salzburg täglich im Stau stehen. „Kaum eine andere Bahnlinie hat mehr Bedarf, wiederaufzuerstehen“, sagt Vereinssekretär Peter Oberascher.

Die Trasse zwischen Salzburg und Bad Ischl ist an vielen Stellen inzwischen verbaut. Über weite Strecken dient sie heute aber als Radweg zwischen den beiden Städten. Und der wird von den beiden Bundesländern Oberösterreich und Salzburg nun mit Millionenaufwand attraktiviert: Künftig werden Radfahrer zwischen dem Wolfgangsee und dem Mondsee zwei alte Eisenbahntunnel befahren können. Sie ersparen sich damit die schweißtreibende und nervenaufreibende Fahrt über den Scharflingpass auf der Bundesstraße B154.

Touristiker und Lokalpolitiker haben jahrelang für diese Lösung gekämpft. Einer der drei Tunnel diente dem Österreichischen Bundesheer jahrzehntelang als potenzielle Festungsanlage im Zuge einer feindlichen Invasion. Doch das zugrundeliegende Raumverteidigungskonzept („Spannocchi-Doktrin“) war nach dem Fall des Eisernen Vorhangs obsolet.

Ein zweiter Tunnel ist in Privatbesitz. Der Eigentümer knüpfte die Freigabe lange Zeit an Forderungen, die von Gemeindevertretern in St. Gilgen und St. Lorenz als „erpresserisch“ bezeichnet wurden. Deshalb wird dieser Tunnel nun umgangen und der Radweg teilweise völlig neu errichtet.

Insgesamt werden 3,3 Millionen Euro investiert. Den Großteil der Kosten teilen sich die EU und die Bundesländer Oberösterreich und Salzburg. Aber auch die Gemeinden am Wolfgangsee und am Mondsee sowie die Tourismusverbände sind im Boot.

Eröffnung im Herbst 2018

„Die Tunnelpassage ist nicht nur ein lang ersehnter Lückenschluss auf einer wichtigen Fahrradstrecke“, sagt Wolfgangsee-Tourismusdirektor Hans Wieser. „Die Tunnel werden auch eine echte Attraktion. Bei Rastplätzen werden Schautafeln an die Salzkammergut-Lokalbahn und die wenig bekannte militärische Nutzung der Tunnel erinnern.“

Die Planungsarbeiten für den Umbau der Tunnel beginnen in diesen Tagen, die Bauarbeiten starten im Frühjahr, und im Herbst 2018 werden die Landeshauptleute von Salzburg und Oberösterreich die Tunnelkette zwischen den beiden Bundesländern offiziell eröffnen.

 

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Artikel Edmund Brandner 03. Oktober 2017 - 02:15 Uhr
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