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Nach 30 Jahren kehren gestohlene Bilder nach Hallstatt zurück

HALLSTATT. Im Jahr 1987 haben sich Kunstdiebe nach einem Abendgottesdienst in der Pfarrkirche einsperren lassen, zerstörten den wertvollen Flügelaltar und ließen vier Gemälde mitgehen.

Zwölf Ölgemälde werden zurückgegeben. Bild: (COLANGELI)

Zwölf Ölgemälde auf Goldgrund aus dem 15. Jahrhundert, die in Diebstählen der Jahre 1986 und 1987 aus den Kirchen in Bad St. Leonhard in Kärnten und im oberösterreichischen Hallstatt entwendet und in Italien sichergestellt wurden, sind am Mittwoch an Österreich zurückgegeben worden. Die Gemälde werden am Donnerstag in Kärnten und Oberösterreich eintreffen.

"Der professionellen Arbeit und der interdisziplinären Kooperation zwischen Italien und Österreich ist es zu verdanken, dass diese wertvollen Gemälde wieder nach Hause zurückkehren können. Sie sind Teile von Flügelaltären und werden nach einer Begutachtung und einer Restaurierung wieder an den Ort zurückgebracht, wo sie sich ursprünglich befanden", berichtete die Diözesankonservatorin der Diözese Gurk - Klagenfurt, Rosmarie Schiestl. Die Bilder, die zum Teil Feuchtigkeitsschäden aufweisen, wurden von den Carabinieri des Kommandos für Kulturschutz an Österreich bei einer Zeremonie in der österreichischen Botschaft am Heiligen Stuhl übergeben.

Zwei Händler angezeigt

Den Carabinieri war es im März gelungen, die Gemälde zu retten, bevor sie in rechtswidrigen internationalen Verkehr gebracht wurden. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft der norditalienischen Stadt Ferrara hatten sich auf den illegalen Kunstmarkt konzentriert. Zwei Händler wurden wegen Hehlerei angezeigt. Sie waren dabei, die Werke im Ausland zu verkaufen. Die Ermittlungen laufen noch.

Vier Gemälde aus Bad St-Leonhard zeigen weibliche Heilige. Auf den Tafeln aus Hallstatt sind zwei Bischöfe, sowie Heilige zu sehen. "Wir bewundern die Arbeit der Carabinieri sehr, die die Gemälde gefunden haben und die es uns jetzt ermöglichen, diese Bilder den Kirchen zurückzugehen, aus denen sie entwendet wurden. Es handelt sich um wertvolle Beispiele sakraler Kunst, die jetzt in die Heimat zurückkehren können", sagte der österreichische Botschafter am Heiligen Stuhl, Alfons Kloss.

Einige der sichergestellten Gemälde wurden vom März bis Juni im Palazzo Reale im Mailand im Rahmen der Ausstellung "Heilige Italiens" gezeigt. Ein Teil der Beute aus den Jahren 1986 und 1987 war bereits 1991 in Italien sichergestellt worden und wurde an Österreich zurückgegeben.

 

Der OÖN-Archivbericht aus dem Jahr 1987:

Kunstdiebe zerstörten wertvollen gotischen Flügelaltar

Der kleine Hallstätter Flügelaltar, eines der bedeutendsten Exponate der Spätgotik in Oberösterreich und von unschätzbarem Wert, wurde in der Nacht zum Donnerstag von Kunstdieben demoliert. Die Täter, die sich Mittwoch nach dem Abendgottesdienst in der katholischen Pfarrkirche einsperren hatten lassen, zerschlugen die Rahmen der beiden Flügel und stahlen vier beiderseits bemalte Tafelbilder. Bei ihrer Flucht brachen sie eine Kirchentüre auf.

Dieser dreiste Kunstdiebstahl ist zweifellos einer der spektakulärsten der vergangenen Jahrzehnte. Er hat nicht nur die Pfarre Hallstatt, sondern ganz Oberösterreich um ein Kunstwerk besonderen Ranges gebracht.

Der etwa um 1450 entstandene Flügelaltar hat eine wechselvolle Geschichte. Er ist das Werk eines unbekannten Bergmannes oder eines Arbeitsteams und stand ursprünglich in der Häuerkapelle auf dem Salzberg. Im 18. Jahrhundert sollte er zerstört werden, der damit beauftragte Salinenarbeiter brachte dies aber nicht übers Herz. Er deponierte den Altar am Dachboden des Häuerhauses, wo er um die Jahrhundertwende wieder entdeckt wurde. Nach einer Renovierung durch das Bundesdenkmalamt wurde er in der Beichtkapelle aufgestellt.

Vermutlich handelt es sich bei dem Diebstahl um den Auftrag eines skrupellosen Händlers oder Sammlers. Die gestohlenen Tafelbilder sind allerdings praktisch unverkäuflich; in Büchern und Broschüren von Pfarrer Johann Weidinger und Prof. Rudolf Lehr sind sie mehrfach publiziert worden. Zwei dieser Bilder zeigen die Heiligen Rupert und Wolfgang mit je einem Bischof, ferner eine Anna-Selbdritt und als bekannteste Darstellung den heiligen Christophorus. Auf der bemalten Rückseite sind unter anderen die Heiligen Anna und Joachim dargestellt.

Die Gendarmen vermuten, daß die Täter schon während des Abendgottesdienstes am Mittwoch in die Kirchegekommen sind und sich dort einschließen ließen. Während der Nachtstunden demolierten sie den Altar: Sie rissen die beiden etwa 2 mal 0,75 Meter großen Flügel vom Mittelteil, zerschlugen die Rahmen und brachen die Tafelbilder heraus. Den Mittelteil selbst ließen sie zurück.

Pfarrer war entsetzt

Pfarrer August Stögner entsetzt besonders die Brutalität, mit der die Kunstdiebe den Flügelaltar zerstört haben. Die Kunstdiebe brachen nach ihrer Tat das Nordportal der Pfarrkirche auf und flüchteten mit der Beute vermutlich zu einer der beiden Parkterrassen oberhalb des Ortes, wo sie ihr Fahrzeug geparkt haben dürften.

Im Salzkammergut wurden seit Weihnachten aus mehreren Kirchen Kunstdiebstähle bekannt: so wurden in Weyregg Figuren der Binder- Krippe gestohlen, aus einer Kapelle in Seewalchen die Figur eines unbekannten Heiligen und kürzlich aus der Pfarrkirche in Schörfling ein vergoldeter Reliquienschrein.

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Artikel nachrichten.at/apa 04. Oktober 2017 - 17:39 Uhr
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