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Friedrich Grashäftl beobachtet seit 30 Jahren am Feuerkogel das Wetter

EBENSEE. Einsamer Arbeitsplatz: Er ist verlässlich, genau und hält es aus, alleine zu sein. Friedrich Grashäftl ist der letzte hauptberufliche Wetterbeobachter im oberösterreichischen Gebirge.

Friedrich Grashäftl beobachtet seit 30 Jahren am Feuerkogel das Wetter

Sensoren können immer mehr, doch ganz verzichtbar sind menschliche Wetterbeobachter noch nicht. Bild: Hörmandinger

Eigentlich hat der 55-jährige Altmünsterer Friedrich Grashäftl den Beruf des Elektrikers gelernt. Aber seine Bestimmung fand er am Feuerkogel auf rund 1700 Meter Seehöhe. Dort beobachtet der fünffache Vater im Auftrag der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik seit 30 Jahren das Wetter.

OÖN: Wetterbeobachter – das klingt nach einem gemütlichen Job.

Friedrich Grashäftl: Ich habe schon einiges zu tun: Ich führe sozusagen Buch über das Wetter. Dabei geht es nicht um Prognosen, sondern um eine lückenlose Aufzeichnung. In meinem Protokoll trage ich Niederschlagszeiten, Nebel, Wind, Sichtweite und vieles mehr ein. Außerdem liefere ich Flugwetterdaten für Hörsching. Meine Beobachtungen werden auch weltweit weitergeleitet. Die Daten muss ich deshalb in einem internationalen Code abliefern. Das sind Buchstaben- und Ziffernkombinationen.

Könnten nicht Sensoren und Computer Ihre Arbeit übernehmen?

Unsere Arbeit wird zunehmend automatisiert, das stimmt schon. Auch Sichtweiten und Wolkenhöhen lassen sich schon automatisch erfassen. Darum gibt es nicht mehr viele Wetterbeobachter auf den Bergen. Ich sage immer: Leuchtturmwärter gibt es schon lange nicht mehr, und mein Beruf wird auch einmal aussterben.

Müssen Sie auch nachts beobachten?

Grundsätzlich dauert mein Dienst von 6.30 Uhr bis 20.30 Uhr. Nachts protokolliere ich nur markante Phänomene wie Gewitter.

Bei diesen Dienstzeiten kommen Sie vermutlich selten ins Tal.

So ist es. Wenn meine Arbeit beginnt und aufhört, fährt keine Seilbahn. Zwar gäbe es seit zwei Jahren eine Straße auf den Berg, aber niemand bezahlt mir das Auto, das ich dafür bräuchte.

Aber Sie haben trotzdem Familie.

Ich habe vier Töchter und einen Sohn. Meine Frau ist leider bereits verstorben. Sie musste meinen Beruf mittragen. Das war sicher nicht einfach für sie, vor allem, als unsere Kinder noch klein waren. Ich war immer eine Woche am Stück am Berg und auch noch jedes zweite Wochenende hier oben. Meine Frau hätte sich einen Orden verdient.

Jetzt gibt es Mobiltelefone, und man kann jederzeit miteinander reden. Wie war das vor 30 Jahren?

Wir hatten einen Festnetzanschluss, aber das Telefonieren war sehr teuer und nicht selbstverständlich. Später telefonierten wir täglich zumindest eine halbe Stunde.

Sie leben alleine in einem Haus auf dem Berg. Fühlt man sich da nicht einsam?

Als Wetterbeobachter sollte man zwei Eigenschaften mitbringen: Man muss verlässlich sein, und man muss das Alleinsein mögen und vertragen.

Der Feuerkogel ist berüchtigt für hohe Windstärken. Hatten Sie bei Stürmen jemals Angst?

Den Sturm „Kyrill“ werde ich sicher nicht vergessen. Der Windmesser fiel damals bei 220 km/h aus, und der Sturm wurde danach noch stärker. Aber im Gebäude ist man sicher, deshalb hatte ich eigentlich keine Angst. Respekt habe ich aber schon. Bei Gewittern am Berg würde ich das Gebäude auch nicht unbedingt verlassen.

Werden Sie das Leben im Tal überhaupt aushalten, wenn Sie in die Pension kommen?

Das glaube ich schon. Aber ich werde sicher weiter viel in den Bergen unterwegs sein. Auch Reisen würde ich gerne unternehmen. Ich hoffe nur, dass mir nach meiner Pensionierung noch einige gesunde Jahre bleiben.

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Artikel Edmund Brandner 04. Januar 2013 - 00:04 Uhr
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