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"Einen perfekten Mord gibt es nicht"

VÖCKLABRUCK. Publizist aus Zell am Moos übt in ORF-Dokumentation Kritik an der Mordermittlung.

Autor Blaichinger zum Fall Posch: "Einen perfekten Mord gibt es nicht"

Der Autor Norbert Blaichinger vor der Kienbergwand, der Fundstelle der Leiche von Martina Posch. Bild: gh

Der Publizist und freie Autor Norbert Blaichinger (59) recherchiert seit 30 Jahren Details zum ungeklärten Mordfall Martina Posch. Am 13. Oktober wird er dazu in der ORF-Reihe "Thema ungelöst" interviewt. Und: "Die Ermittlungen waren nicht immer fehlerfrei", sagt er unverblümt im OÖN-Interview.

 

OÖN: Mal direkt gefragt: Wissen Sie etwas zum Mordfall Posch, was die Polizei nicht weiß?

Blaichinger: Sagen wir so: Durch die differenten Zugänge beim Recherchieren ergeben sich verschiedene Blickwinkel auf ein Thema. Das ist an sich nichts Besonderes. Es gibt aber auch Hinweise von Menschen, die direkt an den Journalisten gehen, und Unterschiede in der Bewertung von objektiven Fakten. Und daraus ergeben sich dann unterschiedliche Schlussfolgerungen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ich halte schon seit Jahren einen Täter aus dem Mondseeland für möglich, die Mordermittler glaubten viele Jahre an einen Mann aus dem verwandtschaftlichen Umfeld der Martina als Täter. Ein klarer Irrtum, wie sich mittlerweile herausstellte.

Warum glauben Sie an einen Täter aus dem Mondseeland?

Ich glaube nicht daran, ich halte ihn für möglich und die Theorie für genau so berechtigt wie alle anderen Theorien. Ein neuer Freund, vielleicht einiges älter als sie, gerade kennengelernt und noch geheim, der zudringlich wird, das sich wehrende Mädchen tötet und es nach Tagen an der erstbesten Möglichkeit, an der Kienbergwand am Mondsee versenkt. Was spricht hier wirklich dagegen?

Was ist eigentlich mit dem angeblichen Urlaubstag, den sich Martina am Tag ihres Todes genommen hat?

Das ist spannend. Da ihr Freund glaubwürdig von diesem Urlaub nichts gewusst hat, stellt sich die Frage, wer den Urlaubseintrag auf ihrem Tischkalender vorgenommen hat. War es sie selbst, dann hatte sie offensichtlich ein Geheimnis vor ihrem Freund. Oder hat jemand anderer den Eintrag vorgenommen? Bei wem hat sie ihren Urlaub angemeldet? Das wäre wichtig, zu wissen. Nach meinem Wissensstand haben die Kriminalisten dem Urlaubseintrag aber wenig Beachtung geschenkt und auch keinen Schriftvergleich machen lassen.

Sie sprechen von "nicht fehlerfreien" Mordermittlungen. Was meinen Sie damit noch?

Zunächst muss ich sagen, dass der pensionierte Leiter der damaligen Mordermittlungen, Manfred Schmidbauer, sicher alles gegeben hat, was in seiner Macht stand. Fehler passieren eben, Schmidbauer würde sicher heute noch gern den Mordfall aufklären. Was ich überhaupt nicht verstehe, ist, dass der Fall Posch noch immer kein "Cold-Case"-Fall ist, denn dann würden andere Kriminalisten den ganzen Fall noch einmal durcharbeiten. Ein weiterer Fehler war sicher, wie mit manchen Asservaten umgegangen wurde. Der Pullover, den Martina bei ihrer Tötung trug, ist nach einer XY-Sendung einfach verschwunden. So etwas dürfte nicht passieren, zumal man mit heutigen Methoden eventuell noch DNA-Spuren sichern könnte.

Halten Sie noch etwas anderes als Ihre "Mondsee-Theorie" für möglich?

Grundsätzlich ist alles möglich, zumal wir ja nicht einmal hundertprozentig wissen, ob Martina ihr Elternhaus an diesem 12. 11. 1986 überhaupt verlassen hat. Was das bedeuten könnte, darüber kann jeder selbst spekulieren.

 

"Thema ungelöst", ORF 2, Freitag, 13. Oktober 2017, 21.20 Uhr

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Artikel Gerhard Hüttner 12. Oktober 2017 - 02:15 Uhr
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