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Bad Ischls Villenhistorie neu aufgerollt

BAD ISCHL. Marie-Theres Arnbom erzählt Heiteres und Beklemmendes über Bad Ischls große Zeit.

Bad Ischls Villenhistorie neu aufgerollt

Bad Ischls Villen haben viel zu erzählen. Bild: ebra

Die Historikerin und Buchautorin Marie-Theres Arnbom wurde 1968 zwar in Wien geboren, doch sie verbrachte einen großen Teil ihrer Kindheit im Salzkammergut – was sich in ihrem Werk deutlich niederschlägt.

Literarischer Spaziergang

Ihr jüngstes, erst vor wenigen Wochen erschienenes Buch heißt "Die Villen von Bad Ischl", und lokalhistorisch Interessierte können darin schwelgen. Es ist viel mehr als eine Auflistung herrschaftlicher Häuser, die zur großen Zeit der Sommerfrische entstanden. Arnbom nimmt ihre Leser mit auf einen Spaziergang durch die Stadt und erzählt Geschichten über die Errichter und Besitzer der Anwesen, gräbt Anekdoten aus und erzählt unterhaltsam und informativ über die Zeit, als Künstler, Großbürgerliche und Adelige im Windschatten des Kaisers Bad Ischl zur Sommerhauptstadt des Habsburgerreichs machten.

Marie-Theres Arnbom ist nicht die Erste, die über Bad Ischls Villen schreibt. Vor drei Jahrzehnten legte bereits Gerhard Semiller eine Arbeit dazu vor ("Bad Ischl – Häuser und Schicksale"). Die Autorin nahm dessen Gedanken auf, führte sie aber (dank verbesserter Quellenlage) weiter und übertrifft den bisherigen Klassiker bei weitem. So sieht es auch der Goiserer Historiker Michael Kurz, der von Arnboms Buch begeistert ist. "Sie thematisiert zum Beispiel die wichtige Frage der Arisierungen, deren Aufarbeitung erst in den letzten Jahrzehnten geschah und deren Ergebnisse Semiller meist noch nicht zur Verfügung standen", so Kurz. Marie-Theres Arnbom beschreibt, wie radikal der Bruch im Jahr 1938 war, wo allein in Ischl knapp 60 Villen und Herrschaftshäuser oft in brutalen und wilden Enteignungen ihren Eigentümern entzogen wurden. Rechtsanwälte, Ärzte, Künstler und Industrielle verloren punziert als "Nicht-Arier" ihr gesamtes Vermögen, und aus Bad Ischl wurde wieder eine Provinzstadt wie viele andere. "Arnbom hat ein durchwegs amüsantes und lesenswertes Buch geschrieben, das abseits nostalgischer Verklärung jedoch auch sehr nachdenklich stimmt", urteilt Kurz. (ebra)

 

Marie-Theres Arnbom: Die Villen von Bad Ischl – Wenn Häuser Geschichten erzählen. Verlag Amalthea, 272 Seiten, 25 Euro

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Artikel 12. Juni 2017 - 00:04 Uhr
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