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"135 Millionen Euro für 1600 Leute"

GMUNDEN. Das vieldiskutierte und umstrittene Stadt-Regio-Tram-Projekt, also die Durchbindung der Gmundner Straßenbahn mit der Vorchdorfer Bahn, ist juristisch durch (wir berichteten ausführlich). Dennoch bleibt bei den Gmundner Freiheitlichen ein schlechter Beigeschmack. FP-Gemeinderatsabgeordneter Günther Colli erklärt im Interview, warum.

"135 Millionen Euro für 1600 Leute"

Zankapfel Stadt-Regio-Tram Bild: Knoll

Das vieldiskutierte und umstrittene Stadt-Regio-Tram-Projekt, also die Durchbindung der Gmundner Straßenbahn mit der Vorchdorfer Bahn, ist juristisch durch (wir berichteten ausführlich). Dennoch bleibt bei den Gmundner Freiheitlichen ein schlechter Beigeschmack. FP-Gemeinderatsabgeordneter Günther Colli erklärt im Interview, warum.

 

OÖN: Die SRT ist genehmigt, alle Einsprüche sind abgewiesen. Was gibt es noch zu sagen?

Günther Colli: Zum Verwaltungsgerichtshof-Urteil – da gibt es einige Anmerkungen. Nicht, dass ich das Urteil nicht anerkenne, sondern es geht um die Art und Weise, wie man damit umgegangen ist. Es gibt da einige Passagen, die man herausnehmen könnte, wo man sieht, wie oberflächlich das behandelt wurde. Und das zweite ist: Wir Freiheitlichen haben die Sache verloren, wir haben kein Problem damit. Aber man muss sich auch einmal die Frage nach den Schuldigen stellen. Es ist ja nicht so, dass alles positiv ist.

Was meinen Sie konkret?

Stern & Hafferl behauptet, dass durch die Verzögerungen und die Einsprüche das Projekt teurer wird. Dafür ist das Unternehmen verantwortlich. Die hätten ja nicht mit dem Bau beginnen müssen. Es wurde da eine katastrophale Planung hingelegt. Das ist die absolut schlechteste Planung, die ich in meinem ganzen Leben, in 60 Berufsjahren, gesehen habe. Denn die haben da einen Bau begonnen, wo sie nicht gewusst haben, was am Ende eigentlich herauskommt. Es gibt noch immer keinen Generalverkehrsplan. Wir wissen nicht, wenn das ganze Ding fertig ist, ob überhaupt noch Busse durchfahren oder ob es dann noch welche gibt, die in die Stadt fahren. Sie haben leichtfertig die Häuser in Schwierigkeiten gebracht. Dass die alle Sprünge haben, steht außer Zweifel, das ist dokumentiert. Und alles das muss jetzt aus dem Gemeindebudget ersetzt werden.

Was bedeutet das?

Wir können in der Gemeinde bestimmte Sachen nicht mehr finanzieren, weil wir das Geld für die erwähnten Dinge ausgeben müssen. Da muss man schon die Frage nach den Verantwortlichen stellen. Stern & Hafferl hätte ja besser planen können. Die sollten sich ein Beispiel nehmen an ihr Unternehmen vor 100 Jahren.

Aber es gibt ja Studien, die einen Zuwachs von Fahrgästen prognostizieren.

Wenn ich diese unwahren Zahlen der Potenzialanalyse hernehme: Für 1600 Leute, die mehr in der Straßenbahn fahren sollen, geben wir 135 Millionen Euro aus. Jetzt frage ich mich, wo da die Verantwortlichkeiten sind. Und ganz Gmunden weiß, dass die Potenzialanalyse nicht einmal im Ansatz stimmt.

Sie haben zuerst von "Schuldigen" gesprochen. Wer sind die Ihrer Ansicht nach?

Da ist einmal Stern & Hafferl, wobei hier ein Eigeninteresse besteht, das ist nicht zu leugnen. Dann gibt es zwei Straßenbahn-verliebte Beamte in Linz, die haben den Herrn Landeshauptmann falsch informiert. Und drittens sind da die Gmundner Gemeinderäte von ÖVP, SPÖ und den Grünen, die blind dem Stern & Hafferl nachgelaufen sind. Die können sich nicht vor der politischen Verantwortung drücken, denn die bleibt bestehen, auch wenn die ganze Sache vom Obersten Gerichtshof her erledigt ist.

Wie wollen Sie jetzt die Ihrer Meinung nach Verantwortlichen in die Pflicht nehmen?

Das will ich gar nicht, aber man muss sich Gedanken machen – und das tun wir bereits –, wie man noch das Beste daraus machen kann. Normalerweise ist es in einem Rechtsstaat so, dass der, der einem anderen Schaden zufügt, dafür haftet. Nur in Gmunden nicht. Und das muss man halt einmal aufzeigen.

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Artikel Gary Sperrer 18. Oktober 2016 - 04:37 Uhr
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