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Falsche Pendler-Parameter

"Wenn man den Zeitaufwand für die unbehinderte Fahrt mit dem privaten Personenkraftwagen von der Wohnung bis zum Arbeitsplatz zur Norm für Pendler macht, dann ist das so genannte „Pendlerproblem“ nie zu lösen.", schreibt der Linzer Hans Hörlsberger.

Von Hans Hörlsberger, 15. März 2017 - 12:52 Uhr
Weg mit dem Stau!
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Denn eine solche Norm ist auch mit noch so vielen Brücken, Straßen und Fahrspuren nicht zu erfüllen. Vor allem ist der Öffentliche Verkehr – selbst in bester Ausformung – nicht in der Lage dieser Norm gerecht zu werden.

Wenn ein Kfz-Pendler in den Spitzenverkehrszeiten rund 50 Prozent mehr Zeit für die Fahrt zum Arbeitsplatz braucht, benötigt ein Pendler im Öffentlichen Verkehr (ÖV) – selbst wenn dieser fahrplangenau unterwegs ist – für die gleiche Strecke meist mehr als 50 Prozent zusätzliche Zeit, als der Autofahrer der unbehindert von seiner Wohnung (in Linz oder Umgebung) bis zum Arbeitsplatz fahren kann. Das liegt einerseits daran, dass die potentiellen ÖV-Nutzer Zugangswege von der Wohnung zur Abfahrtshaltestelle und Abgangswege von der Endhaltestelle zum Arbeitsplatz haben und andererseits daran, dass der Öffentliche Verkehr, um für möglichst viele potentielle Fahrgäste attraktiv zu sein, in Haltestellen öfter anhalten muss und nicht – wie der Autofahrer – in einem Zug durchfahren kann.

Wenn man aber die Fahrplanzeiten des Öffentlichen Verkehrs zur Norm für die Pendler-Mobilität erklärte, wäre das sogenannte „Pendlerproblem“ schon fast gelöst.

Fast: Was bleibt sind die Zugangswege von der Quelle zum und die Abgangswege vom Öffentlichen Verkehr zum eigentlichen Ziel der Mobilität. Für die Zugangswege zur ÖV-Haltestelle gibt es gute Fuß- und Radwege und für die weiteren Zugangswege, so genannte „Pendler-Parkplätze“. Für die Abgangswege gibt es den städtischen Nahverkehr (zum Beispiel Linz-Linien) als Feinverteiler, beziehungsweise auch angenehm zu begehende innerstädtische Fußwegverbindungen.

Ein Handicap für die ÖV-Variante ist es, wenn nämlich Auto-Pendler, nicht nur den Vorteil haben direkt aus den heimatlichen Garagen sondern auch noch direkt und ohne Zwischenhalte ins Zielgebiet und in die Parkgaragen und auf die Parkplätze von privaten oder öffentlichen Dienstgebern fahren können. Unter solchen Umständen steigt wohl niemand vom Auto zum ÖV um.

Die „Park-Möglichkeit (oder Unmöglichkeit) am Ziel“ ist daher auch einer der wirksamsten Knackpunkte der Verkehrspolitik. Das jeweils verfügbare Parkplatzangebot im Zielgebiet ist zum Beispiel auch maßgebend für die Kfz-Mengen die zu den Stoßzeiten an den Stadtgrenzen die Staus und in den Innenstädten die Verkehrsfluten verursachen. Will man also Staus verringern und Verkehrsfluten mildern, muss man die „natürliche“ Knappheit des Parkplatzangebots in den Ballungsräumen aufrechterhalten oder sogar noch (zum Beispiel durch Vergebührung) verstärken, wie das in Linz auch schon teilweise gemacht wird.

Konterproduktiv dazu ist es jedenfalls noch weitere Garagenparkplätze (für Dienstnehmer) zu schaffen (z. Bsp. Hafnerstraße, Andreas-Hofer-Platz, etc.). Und der Urfahraner Marktplatz ist kein Pendlerparkplatz (allenfalls temporär ein Besucherparkplatz). Pendlerparkplätze müssen weit vor den Stadtgrenzen an ÖV-Haltestellen angelegt sein, von denen aus ein attraktiver ÖV (dichter Takt, lange Betriebszeiten, an allen Tagen der Woche) zur und in die Stadt angeboten wird.

 

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