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Aus dem Leben eines Pendlers aus Puchenau

Von W. C., 21. November 2016 - 11:50 Uhr
Weg mit dem Stau!
Zehntausende Oberösterreicher stehen täglich auf der Fahrt nach Linz im Stau. Die OÖNachrichten wollen Stimme für diese Menschen sein. Schicken Sie uns Ihre Bilder aus dem Stau und Ihre Meinung. Wo sehen Sie Änderungsbedarf? Haben Sie Lösungsansätze? Mailen Sie uns: pendler@nachrichten.at

Liebe Redaktion!

Ich schicke voraus:

Grund meines Schreibens sind meine Ideen zum Verkehrsfluss. Vielleicht können Sie diese Ideen irgendwo einbringen. Den Rest schrieb ich mir quasi von der Seele.

Seit dem Umbau der zweiten Puchenauer Ampelkreuzung vor einigen Jahren, der das Nadelöhr von vor der Ampel auf nach der Ampel verschob und damit Staus in Richtung Ottensheim der Vergangenheit angehören, die nachmittags bis weit vor die Schiffmühle zurückgereicht haben, obwohl das physikalisch nicht (Anzahl der Fahrzeuge, zweispurig auf einspurig) sondern nur psychologisch erklärbar war (beim Wegfahren ist der Fahrer großzügig und lässt einordnen, beim Hinstauen auf die Ampel mauert er Stoßstange an Stoßstange), weiß ich, dass Verkehrsplaner mehr draufhaben müssen als die Zahlen alleine, die ich auch nicht kenne, und darum kann ich nicht abschätzen, ob meine Ideen wirklich sinnvoll sind. Wunder kann man sicher nicht erwirken, vielleicht geringe Verbesserungen im Verkehrsfluss oder Nerven sparen.

Ich lebe in Puchenau, ich arbeite im Zentrum von Linz.

Ich fahre häufig über die Nibelungenbrücke und abwechselnd von der Oberen und der Unteren Donaulände kommend, fühle mich also „unparteiisch“ und möchte nicht eine Richtung zu Ungunsten der anderen bevorzugen.

Zufahrt zur Nibelungenbrücke vom Römerbergtunnel kommend

Ausfahrt aus Tunnel: Die Kreuzung ist häufig von zu spät aus Wilhering kommenden einfahrenden Fahrzeugen verstellt. Diese kommen prinzipiell zweispurig. Bereits vor der Ampel könnte man nur eine Spur für geradeaus fahrende lassen.

Für die aus dem Tunnel kommenden rechts abgebogenen Fahrzeuge bis zum Beginn des Parkstreifens eine Spur zum Einordnen markieren und dann Sanduhr.

Bei der weiteren Strecke zur Brücke nervt extrem, dass sich die „Braven“ sobald wieder zweispurig rechts anstellen zum später rechts auf die Brücke abbiegen und die schlimmen vorfahren bis unter die Brücke und weiter und sich dort hineinzwicken oder gar die Gegenspur zum Auffahren auf die Brücke nützen. Besonders krass ist es, wenn die „Braven“ die Kreuzungen nach der Ampel freihalten und sich die schlimmen in diese Freiräume stellen, dann ist die Kreuzung wieder verstellt und die braven stehen weiter. 

Das könnte man vielleicht verbessern, indem man entweder nur eine Fahrspur vorsieht bis unter die Brücke und dann erst zwei Spuren für gerade und rechts abbiegen, oder nach der Ampel nach der Bushaltestelle eine Sanduhr einbaut, da wird es sowieso ziemlich eng, sodass man bisher gemeinsam staut für geradeaus und rechts abbiegen und dann erst die Entflechtung kommt. Das macht zu manchen Tageszeiten die Sache für die geradeaus Fahrenden schlechter, zu manchen Zeiten staut es aber auch eher geradeaus, und die spät Einzwicker behindern den Geradeaus-Verkehr auch entsprechend.

Die Auffahrt auf die Brückenrampe würde wesentlich flüssiger und unabhängig von den Ampelphasen der Unteren Donaulände  laufen, wenn hier von der unteren Donaulände die Fahrzeuge nur auf einer Fahrspur kommen würden – das Nadelöhr besteht ohnedies schon bei der Abbiegespur zum Pfarrplatz. Die dann freie zweite, rechte, Spur könnte man vielleicht als kurze Busspur führen unter der Fußgängerbrücke durch mit geringem baulichen Aufwand.

Vielleicht könnte man mit wenig Aufwand auch zwei Abbiegespuren auf die Brückenrampe realisieren, dann würde man auch gemeinsam stauen ohne brave und böse, wenngleich die geradeausfahrenden wiederum benachteiligt wären auf einer Spur für geradeaus und rechts abbiegen. Recht übersichtlich wäre das aber wahrscheinlich nicht.

Anfahrt zur Nibelungenbrücke über Untere Donaulände

Auch hier gibt es das Problem mit denen, die sich sehr und vielleicht zu früh anstellen zum geradeaus fahren und denen, die sich später und zu spät hineinzwicken wollen.

Wenn man einen Punkt definiert, wo ein „Reißverschluss“, also eine Sanduhr, gemacht werden muss, wäre das für alle Beteiligten übersichtlich. Dieser Punkt könnte vor dem Beginn der Abbiegespur Richtung Pfarrplatz sein, das Nadelöhr, das jetzt nach der Abzweigung ist, wäre lediglich etwas nach vorgelegt. Die Abbiegespur müsste aber lang genug sein für den Frühverkehr, wo sich doch immer einige Fahrzeuge anstellen hier. Die Behinderung des Abbieger-Verkehrs ist zwar gegeben, aber wahrscheinlich nicht zu schlimm. Mit Ziel Pfarrplatz können sicher auch viele Betroffene andere Wege nehmen.

Die dann freie zweite, rechte, Spur nach der Abzweigung Richtung Pfarrplatz könnte man als kurze Busspur führen unter der Fußgängerbrücke durch mit geringem baulichen Aufwand.

Nibelungenbrücke Richtung Urfahr

Das Ende des Radweges in die Bus-Bucht hinein ist lebensgefährlich und wir können hier täglich auf den ersten (?) Todesfall warten. Wer die Nerven hat, so etwas zu verantworten, sollte schleunigst aus seinem Büro entfernt werden.

Für viele Radfahrer wäre es hilfreich, wenn wenigstens das legalisiert wird, was sie ohnedies täglich machen, nämlich vor der Bus-Bucht über den Gehsteig abbiegen zur Rampe beim AEC und die Befahrung (im Schritttempo) offiziell erlauben.

Das größte Problem der Nibelungenbrücke und der Rudolfkreuzung in diese Richtung sind die querenden Straßenbahnen. Bereits seit der Verlängerung der Pöstlingbergbahn gibt es hier Probleme. Drei Linien benötigen halt mehr Zeit auf der Kreuzung als zwei. Die neue Straßenbahn-Ampel ist nicht besser. Hier würde man ganz exakte Rot- und Grün-Phasen für die Autofahrer brauchen und nicht ein Grün mit blinkenden Lichtern, die ein Nicht-Linzer eh nicht versteht, und Straßenbahnen, die trotzdem nicht fahren, obwohl die Türen zu sind und dann doch noch fahren, und die Autos zuerst warten, und dann doch fahren und dann doch der Straßenbahn in die Quere kommen. Es war ein riesiges Versäumnis und eine gewaltige Fehlplanung, die Pöstlingbergbahn auf den Hauptplatz zu holen und nicht einen Umsteigebahnhof zu realisieren an einem Ort für Mühlkreis-, Straßen- und Pöstlingbergbahn.

Zur Rudolfstraße fällt mir nichts ein, ein Desaster für Verkehr und Anrainer. Den Anwohnern zusätzliche Halteverbote aufzudrängen, ist auch einseitig gedacht. Die Straße ist eigentlich nicht breit genug für vierspuriges Fahren, auch hier hält man sich dezent zurück und toleriert eine Gewohnheit, die man sich nicht getraut, auf die Straße zu pinseln.

Zur Nibelungenbrücke von Urfahr kommend

Die Kolonnen, die sich beim Neuen Rathaus treffen und vermischen, sind zum Glück meist so langsam, dass es eh funktioniert. Eine eindeutige Markierung der Fahrspuren in diesem Bereich wäre aber schon sehr hilfreich. Dort, wo es unübersichtlich und unklar ist, die Linien aufhören und nach einigen zehn Metern wieder anders anfangen zu lassen, ist eine Verkehrspolitik, die ich auch bei Auffahrt auf die Brücke von der Unteren Donaulände aus nicht verstehe. Auch für die Linksabbieger nach der Brücke wäre eine deutlich markierte Sanduhr hilfreich anstatt einer Spur, die quasi im Stifterhaus endet.

Die beim Neuen Rathaus auf die Brücke einmündende Straße sollte eine STOP-Tafel erhalten, zum Schutze der querenden Radfahrer, die man ohne wirklich stehen zu bleiben nicht sicher rechtzeitig erkennt, vor allem, wenn diese flott daherkommen.

Zum öffentlichen Verkehr

Ich lese erstaunt, dass die Puchenauer und Ottensheimer eh öffentlich fahren können. Interessanterweise sehe ich aber zahllose Linzer Fahrzeuge im Stau stehen, die könnten doch auch öffentlich fahren?

Ich habe hinter mir ungefähr 25 Jahre öffentlichen Verkehr von und nach Puchenau,  sechs Jahre waren ein Gemisch aus öffentlich, Rad und Laufen, drei Jahre davon fast ausschließlich Laufen, seit einem Jahr fahre ich mit dem Auto oder laufe.

Das Rad nehme ich nicht mehr, weil es mir in der Stadt an einigen Punkten einfach zu gefährlich ist. Dazu kann ich es nicht verstehen, wenn man den Radlern unverständliche Hürden einbaut wie zum Beispiel der Herrenstrasse Richtung Promenade das Fahrverbot für einige 10 Meter nach der liebevoll aufbereiteten Kreuzung mit der Rudigierstraße oder die Durchfahrt durchs Landhaus verweigert. An der Bundesstraße empfand ich es einfach zu laut und bedrohlich neben dem 100 Km/h schnellen Verkehr ohne Abgrenzung, mit massiver Blendung in der Dunkelheit in Richtung Linz, Wasserwänden bei Regen usw.

Den Linzer und Oberösterreichischen Politikern kann ich nur empfehlen, den öffentlichen Verkehr zu testen und sich in der Früh an eine Puchenauer Haltestelle zu stellen. Abgesehen vom Lärm ist es nicht lustig, wenn der Reihe nach Busse durchfahren, bis dann einer (unzuverlässig und meist viel zu spät) endlich stehen bleibt. Wenn man im Regen im Wartehäuschen steht, hat man schon verloren und wird nicht gesehen. Mit einem Stehplatz muss man zufrieden sein, wenn man überhaupt noch hineinpasst, die Busfahrer haben schon lang resigniert. Ist man sehr früh dran, dann darf man schlafende oder sich schlafend stellende Jugendliche bitten, ihre Tasche vom freien Platz daneben zu nehmen.

Fährt man mit dem Ruckzuck-Zug, hat man zwar ein pünktliches Verkehrsmittel, Stehplatz eingeschlossen, dafür ist die Anbindung an die Straßenbahn so mangelhaft, dass es meist besser ist, gleich zur Rudolfstraße zu gehen oder über die Brücke, oft schaffte ich es bis zum Hauptplatz, bis mich die erste Straßenbahn überholt hat.

Nach Hause detto: Mit dem Bus staut man fröhlich dahin, zu Fuß wäre es manchmal schneller vom Hessenplatz zur Rudolfstraße.  Ohne zu wissen, wie man das realisieren könnte: ohne Busspur wird man es nie schaffen, den Busverkehr ausreichend attraktiv zu gestalten. Mit dem Bus fährt nur, wer muss.

Die Alternative Mühlkreisbahn leidet dafür am fehlenden gemeinsamen Takt mit der Bim: Wie oft dürfen wir, aus der Straßenbahn gestiegen, den Rücklichtern des Zuges nachsehen. Solange das im Viertelstundentakt passiert, ist es ja nicht so schlimm, aber um 19.30 Uhr schon!

Wer das Glück hat, nicht um acht Uhr anfangen zu müssen, wird über die langen Löcher im Fahrplan –  vier Kilometer vor dem Linzer Hauptplatz – überrascht oder entsetzt sein! Und nicht anders geht es denen, die nach 18.00 ihre Arbeit beenden, womöglich unregelmäßig, so wie ich. Die öffentliche Heimfahrt wird dann zum Glücksspiel und verlangt durchaus lange Wartezweiten oder gar ein Taxi. Vom Viertelstundentakt ist man jedenfalls bald einmal entfernt.

Ich gehöre auch zu den Samstag, Sonntag und Feiertags-Arbeitenden. Da kann man den öffentlichen Verkehr von und nach Puchenau und Ottensheim ganz vergessen.

Dafür sind die Kosten nicht ohne. Jahrelang hatte ich eine Jahreskarte, anfangs noch unterstützt durch die Gemeinde, die das dann abstellen musste, angeblich haben die Rechnungsprüfer das verlangt. Die Jahreskarte wurde wesentlich rascher teurer als mein Gehalt gestiegen ist, und warum Linzer für die Kernzone weniger zahlen sollten als ich, hab ich nicht verstanden. Ich hab auch folgendes nicht verstanden:  In den ersten Betriebstagen der Pöstlingbergbahn bin ich am Heimweg an der Rudolfkreuzung aus einer 1 umgestiegen in die Pöstlingbergbahn. Bei der Biegung haben mir zwei Kontrollore mitgeteilt, dass ich ein Schwarzfahrer bin, trotz gültiger Jahreskarte, und wollten mich unbedingt Strafe zahlen lassen. Dies war damals weder ausreichend plakatiert oder erkennbar oder publiziert - und gilt meines Wissens bis heute. Ich hab die Kontrollore damals einfach stehengelassen, habe ihnen mein Fahrziel genannt und bin in die Mühlkreisbahn umgestiegen. Die in Puchenau erwartete Polizei war dann doch nicht da. Für mich ist die Pöstlingbergbahn seither die LinzerBonzenBahn ;-), die sich halt in Urfahr nicht mit dem gemeinen Fußvolk vermischen wollen. Wer weiß schon, welche Stadtpolitiker vor dem Rathaus aussteigen...

Ich habe daraufhin meine Kernzone nicht mehr verlängern lassen und fahre nicht mehr Straßenbahn in Linz, wobei diese Sturheit natürlich nicht jedem Fahrgast(?) möglich ist.

Diskussionen über eine gerechtere Zoneneinteilung, die es den Linzern zwar ermöglicht, in der Kernzone bis Auwiesen oder fast Traun zu fahren, aber den Puchenauern bei drei Kilometer den Strich schon vorher setzt, höre ich seit Jahrzehnten, jedoch ohne Umsetzung.

Auch bietet man uns keine Möglichkeit, günstiger als im Einzelticket zu fahren, wenn wir nur an einigen Tagen in der Woche den öffentlichen Verkehr benötigen.

Da ich irgendwann nicht mehr so viel laufen konnte und wollte, musste ich einen Parkplatz mieten in Linz  für die Tage, wo es anders als mit dem Auto nicht ging. Und jetzt gehöre ich halt auch zu denen, die stauen. Dafür bin ich nicht langsamer als der Postbus, der neben mir im Stau steht, sogar schneller, weil ich nicht auf ihn warten muss, hab einen bequemen Sitzplatz, heize und klimatisiere, wie ich will, höre meine Musik, und der Garagenplatz kostet kaum mehr als die Jahreskarte, und ein Auto hab ich sowieso. Und dann bemüht man sich in der Familie um Fahrgemeinschaften, spart Geld und benützt die Busspur in der Früh, zu dritt oder viert und nicht, wie im OÖN-Interview kürzlich kommentarlos (!) publiziert wurde, illegal. Da wäre wohl eine Anmerkung fällig gewesen, so liest sich das ja wie eine Empfehlung! Ein Problem der Busspur ist es sowieso, dass diese als rechte Überholspur missbraucht wird und einige mit 70 km/h bereits bei der ersten Ampelkreuzung an den anfahrenden PKW rechts vorbeidonnern. Die Busspur auf zum Beispiel 70 km/h zu begrenzen, wäre eine Möglichkeit, in Wahrheit täte es zumindest in der Früh der ganzen Bundesstraße gut, wenn man auf 80 eingebremst wäre. Die dazu nötigen Überkopfwegweiser sind eh schon da an den Kreuzungen, womöglich verkehrsflussgesteuert von Walding weg… Auf den deutschen Autobahnen, wo das abschnittsweise gut funktioniert, hatte ich den Eindruck, dass das den Verkehr sehr entspannt, ohne dass Zeit verloren geht. Drängeln, zigfache Fahrspurwechsel, Beschleunigungs- und Bremsvorgänge werden weniger, ruhiges Dahingleiten mehr.

Ich könnt noch einiges schreiben übers Brückendesaster oder den Pendlerparkplatz oder eine Schienenbahn von Rottenegg bis in die Stadt hinein samt Park&Ride (Fahrgäste im Vergleich zur Pöstlingbergbahn? - da ging es auch!), aber ehrlich gesagt, jetzt reicht es mir (und sicherlich auch Ihnen!).

Mfg,

W. C.

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