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Vertrautheit von Anfang an

Linda Pichler und Gazal Sadeghi Bild: Alexander Schwarzl

Vertrautheit von Anfang an

Das politische Engagement hat Gazal und Linda zusammengeführt. Doch ihre Liebe zueinander ist mehr als ein Statement – sie ist offen und beständig.

Von Gerhild Niedoba, 18. November 2016 - 00:04 Uhr

Es war eine Halloween-Party, auf der Gazal Sadeghi (27) das Interesse ihrer heutigen Partnerin geweckt hat. "Sie war als Morticia von der ‘Adams Family’ verkleidet, ihr Kostüm war echt cool. Da ist sie mir aufgefallen", erinnert sich Linda Pichler (19). Das war im Herbst 2014.

Doch mehr als ein paar Blicke gab es zunächst nicht – das gegenseitige Interesse aber, das war geweckt. Dass die jeweils andere lesbisch ist, war beiden gleich klar. "Das hab’ ich sofort gemerkt", sagt Linda. Obwohl diese Neigung "niemandem auf der Stirn geschrieben steht", wie Gazal anfügt.

Von da an kreuzten sich die Wege der Linzerinnen immer öfter, waren beide schon damals politisch engagiert: Gazal beim Verein Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ), Linda bei der SP-Vorfeldorganisation AKS (Aktion Kritischer SchülerInnen).

Engagement: Ihre politische Arbeit hat Gazal und Linda zusammengeführt. Ihr erstes feministisches Seminar als Paar besuchten sie Anfang Dezember 2015 in St. Gilgen.    
Bild: (Privat)

Richtig gefunkt hat es dann erneut bei einem Fest im März des Vorjahres. Und zwar im Zuge eines "Trinkspiels", sagt Gazal und fügt mit einem Schmunzeln an: "Wenn man angeheitert ist, geht das leichter."

Schlechtes Timing

Besonders geschickt war das Timing damals allerdings nicht, sind sich beide einig. Schließlich ging Linda noch zur Schule und hatte eigentlich kaum Zeit für die neue Liebe. Daher sei die Anfangszeit zwar von Schmetterlingen im Bauch begleitet, allerdings nicht besonders romantisch gewesen. "Wir gingen halt öfters miteinander fort." Zwei Monate lang hielten die damalige Schülerin und die Studentin ihre Beziehung zueinander unter Verschluss. Nicht aber der Liebe zum gleichen Geschlecht wegen. Sondern um auszutesten, ob die jeweils andere auch wirklich "die Richtige" ist. Gazal bereitete zunächst der Altersunterschied Kopfzerbrechen: "Zuvor hatte ich immer Freundinnen, die maximal zwei Jahre älter waren als ich." Ihre Bedenken wurden aber rasch zerstreut: "Linda war damals schon viel reifer als andere Gleichaltrige."

Unmittelbar nach der "Testphase" bezog das Paar eine kleine Wohnung in Linz. Das frühe Zusammenziehen, sagen sie, sei typisch für lesbische Beziehungen. "Zwischen zwei Frauen ist gleich mehr Vertrautheit da, das ist wie früher bei einer Übernachtungsparty." Dann folgte der Studien wegen der Umzug nach Wien, wo sie seit heuer im September in einer neu renovierten 38-Quadratmeter-Wohnung im 3. Bezirk wohnen. Dort pflegen sie die Gemeinsamkeiten – wie etwa miteinander auszugehen oder sich auf der Couch zusammenzukuscheln – und auch ihre unterschiedlichen Hobbies. Linda malt, während Gazal leidenschaftlich rappt und Comics liest.

Freizeit: Ihre Hobbies sind fixe Bestandteile der Freizeit. Während Linda gerne malt, ist Gazal bekennender Comic-Fan. Die Batman-Decke bekam sie heuer von Linda zum Geburtstag.    
Bild: (Privat)

Eine Rollenaufteilung im klassischen Sinn gibt es in ihrer Partnerschaft nicht. "Wir werden oft gefragt, wer in unserer Beziehung der Mann ist", spielt Linda auf eine der häufig gestellten Fragen und Vorurteile an. "Darauf sag’ ich immer: Wir sind beide Frauen." Für Gazal sind es dann aber doch geschlechterspezifische Eigenschaften, die sie unterscheiden: Während sie gerne mit der X-Box zocke ("das ist wohl eher männlich"), schminke sich Linda mehr.

Kein Streit ohne Versöhnung

Den Haushalt schupft das Paar gemeinsam, und zwar je nach individuellem Interesse: Linda kocht gerne, Gazal hat dafür das Putzen übernommen. "Linda ist eher etwas unordentlich", schielt Gazal zu ihrer Freundin. "Das macht mich manchmal total unrund. Ich bin halt etwas pingelig", fügt sie an. "Das weiß ich. Darum räum’ ich oft auf, bevor du nach Hause kommst, weil ich keinen Streit will", hält die 19-Jährige entgegen. Dann schauen sie sich an und lachen. Das Versöhnen, betonen sie, hat bei ihnen einen hohen Stellenwert. Ein Streit werde tunlichst nicht mit in den nächsten Tag genommen.

Frühes Coming-out

Dass sie sich mehr zu Frauen als zu Männern hingezogen fühlen, wussten beide schon sehr früh. "Bei mir war das schon im Kindergarten klar", sagt Gazal, die als Einzelkind in der iranischen Hauptstadt Teheran geboren worden und einen Monat später mit ihren inzwischen geschiedenen Eltern nach Linz gekommen ist. Und nach dem entscheidenden "Aha-Moment" im Teenager-Alter erzählte die VSStÖ-Bundespressesprecherin ihrem

vorwiegend politisch engagierten Freundeskreis, dass sie lesbisch sei. Dieser sei wenig überrascht gewesen. "Ich ging ja schon damals in einschlägige Lokale", sagt sie, "außerdem sind Linke in dieser Hinsicht aufgeschlossener." Ihre erste feste Freundin habe sie mit 16 gehabt.

Feste: Das erste Weihnachten als Paar wurde 2015 in der gemeinsamen Wohnung in Linz gefeiert. Mit dabei: Katze Bella. "Wir sind auch sehr häuslich", sagen Gazal und Linda.    
Bild: (Privat)

Auch bei Linda zeichnete sich bereits in der Volksschule ab, dass sie sich mehr zu Mädchen hingezogen fühlt. Bis ins frühe Teenageralter habe sie ihre Neigung aber nicht wahrhaben wollen. "Stattdessen habe ich Interesse an Burschen geheuchelt." Erst mit 16 erfolgte das Coming-out – in Form einer SMS an Freundinnen mit dem Text "Ich stehe auf Frauen, aber ich stehe nicht auf euch". Diese hätten die Botschaft gelassen aufgenommen, genauso wie ihre Eltern. "Das war befreiend." Und dann trat Gazal in ihr Leben.

Ganz oder gar nicht

Auch Gazals Mutter weiß, dass ihre Tochter homosexuell ist – blendet dies aber aus. "Als Perserin ist sie in dieser Hinsicht sehr konservativ." Daher kennt sie auch Gazals Partnerin nicht. Umso mehr fühlt sich die 27-Jährige in Lindas Familie wohl. "Es ist das erste Mal, dass die Eltern meiner Freundin so offen damit umgehen. Sie haben mich mit offenen Armen empfangen."

Urlaub: Ihre erste gemeinsame Reise führte die politisch Interessierten im Juli 2016 nach Sizilien: Sie besuchten eine Veranstaltung der "Young European Socialists".    
Bild: (Privat)

Ihre Liebe zueinander würde das Paar am liebsten offiziell besiegeln – aber nur vor dem Traualtar. Eine eingetragene Partnerschaft lehnen sie ab. "Das ist eine Ehe zweiter Klasse", sagt Linda verärgert und ist sich mit Gazal einig: "Halbe Sachen machen wir nicht."

 

Das Paar

"Halbe Sachen machen wir nicht"  
Bild: (Alexander Schwarzl)

Linda Pichler (19) ist gebürtige Linzerin und studiert Politikwissenschaft in Wien. Als Schülerin war sie in Linz Frauensprecherin der Aktion Kritischer Schüler (AKS).

Über Gazal sagt sie: Ich schätze an ihr, dass sie charmant und im Gegensatz zu mir sehr extrovertiert ist. Andererseits ist sie zu Beginn anderen gegenüber oft reserviert. Sie ist außerdem klug und eloquent. Es ist schön, dass sie meine künstlerische Art unterstützt. Dass sie viel arbeitet und oft am Wochenende weg ist, nervt mich manchmal. Und auch, dass sie in Bezug auf Ordnung andere Ansichten hat.

Gazal Sadeghi (27) wurde im Iran geboren. Im Alter von einem Monat kam sie mit ihren Eltern nach Oberösterreich. Sie ist Bundespressesprecherin beim VSStÖ und studiert Kulturwissenschaft.

Über Linda sagt sie: Mir gefällt, dass sie sehr intelligent, lustig und viel reifer als andere in ihrem Alter ist. Sie ist mein Ruhepol und mein Anker. Wenn ich gestresst bin, beruhigt sie mich. Ich mag auch ihre fürsorgliche Art, ihre künstlerische Begabung und dass wir dieselbe politische Einstellung haben. Hin und wieder würde ich mir wünschen, dass sie eifersüchtiger und ordentlicher ist.

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Kommentare

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