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Der "wüde Hund" und die schöne Linzerin

Adi und Ela Hirschal 2016 Bild: Sabine Hauswirth

Der "wüde Hund" und die schöne Linzerin

Die beiden haben einander vor 38 Jahren in Linz kennengelernt: Schauspieler, Sänger, Regisseur und Intendant Adi Hirschal und seine Ela. Und dann ging alles ganz schnell...

Von Silvia Nagl, 19. November 2016 - 00:04 Uhr

Sie ist ja sehr schön! Ich schau sie so gern an und kann mich gar nicht sattsehen an ihr!", streut Adi Hirschal seiner Frau Ela Rosen. Und dieses Kompliment nimmt sie lächelnd entgegen – sie hört es mit Sicherheit nicht zum ersten Mal...

Ist die Erinnerung an das erste Kennenlernen übereinstimmend? "Nein!", sagt Adi Hirschal sofort. "Ich neige dazu, das sehr romantisch zu sehen. Ela sieht das eher pragmatisch. Also erzähl du!" gibt er das Wort an Ela weiter.

Seit 1978 sind Adi Hirschal (68) und seine Michaela, genannt Ela, ein Paar. Kennengelernt haben sie einander in Linz, im damaligen "Country Club" am Schlossberg. "Ich habe damals in London gelebt, Adi in Rom. Beide waren wir Weihnachten 1978 bei unseren Eltern in Linz zu Besuch. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, hab’ ich mir sofort gedacht: Der schaut aber gut aus! Lange Haare, sehr dünn, in knapper Lederhose – das damalige Schönheitsideal eben. Er hat mich um eine Zigarette gefragt, und ich als Nichtraucherin habe tatsächlich zufällig eine mitgehabt. Und so sind wir ins Gespräch gekommen."

"... Und getanzt haben wir auch, zu Samba pa ti von Santana, kannst dich erinnern?", wirft Adi Hirschal ein.

"Ja, und ganz schnell hast du die mysteriöse Frage gestellt, ob ich Kinder will!" "Ja, denn das war mir wichtig", sagt Adi: "Mir war fad mit mir selbst und ich wollte eine Familie, aber ich hab das ziemlich patschert angestellt. Ich habe mich bei diesem Linz-Besuch mit mir bekannten Damen verabredet und habe jeden Tag einer diese Kinderwunsch-Frage gestellt – und alle haben Nein gesagt. Nur Ela hat sofort Ja gesagt!" "Mir war das egal. Ich hab’ ihn interessant gefunden, er war anders als die braven Burlis aus Linz. Er war ein wüda Hund!"

Der "wüde Hund" und die schöne Linzerin
Hochzeit im September 1979  
Bild: privat

Hochzeit im September 1979

 

"Sie hat mir angeboten, dass wir uns Briefe schreiben. Nein, nicht einen Brief schreib’ ich dir! Entweder du fährst mit mir nach Rom oder das war’s mit uns!" Was sei Ela anderes übrig geblieben? "Ich bin mit ihm nach Rom – nachdem wir uns eine Woche gekannt haben! Aber ich war ganz hingerissen von ihm. Ich war ja noch sehr jung, erst 20. Adi ist zehn Jahre älter. Mir wurde dann bald fad in Rom. Da kam schon der Gedanke an ein Kind...", erzählt Ela.

Wieso ist Adi Hirschal überhaupt in Rom gelandet? "Ich war ausgebildeter Schauspieler, war am Burgtheater engagiert. Ich habe mir so eine Art Sabbatical genommen, bin mit Freunden nach Italien gegangen, wir haben eine Punkband gegründet, ein Haus gemietet, haben Trommelkurse gegeben und makrobiotisch gegessen, den Urschrei erprobt... Ich wollte kein pragmatisierter Burg-Schauspieler werden!"

Geheiratet wurde im September 1979, im Mai 1980 kam Sohn Geronimo auf die Welt – da lebte die Familie bereits wieder in Wien. Und dann bekam Adi ein Engagement in Memmingen. Die kleine Familie ist mitgegangen, Tochter Maddalena wurde 1983 dort geboren. Sechs Jahre lang blieb Ela "bei den Kindern. Durch Zufall bin ich dann auf den Beruf einer Dentalhygienikerin gestoßen. Und nun liebe ich diesen Job seit 25 Jahren!"

Außerdem sei ihr auch die Selbstständigkeit wichtig, "so wie es auch wichtig ist, dass jeder sein eigenes Leben führen kann. Wir sind viel zusammen, aber jeder macht auch seine eigenen Dinge."

Rampensau und Zurückhaltung

Was schätzen die beiden besonders aneinander? "Es ist diese seltsame Verbindung zwischen Vertrautsein und Fremdbleiben. Ela ist so anders als ich. Ich bin eine Rampensau, sie ist eher zurückhaltend. Sie hat mich auch so etwas wie noble Zurückhaltung gelehrt..." "Das kann man dir nicht beibringen...!, unterbricht Ela. "...Ich bin ja an sich ein nobler Mensch, oder nicht?" fragt Adi sofort zurück. "Jaja...." gibt ihm Ela recht. Solche Ping-Pong-Dialoge kommen während dieses Gespräches noch des Öfteren vor.

"Ich bin ein Hoppla-jetzt-komm’-ich-Mensch. Ela ist eher vorsichtig."

Der "wüde Hund" und die schöne Linzerin
„Der Kuss“ in Hamburg  
Bild: privat

„Der Kuss“ in Hamburg

 

"Ja, ich bin eher ängstlich. Er hat für mich ausgestrahlt, dass mir an seiner Seite nix passieren kann. Ich mag an ihm auch, dass er immer positiv, immer gut gelaunt ist. Er ist lustig, er kann mich immer zum Lachen bringen. Und er überrascht mich oft."

Ist sie auch in seine künstlerischen Projekte involviert? "Ela ist eine gute Beurteilerin, sie hat einen sehr kühlen, publikumsverbindlichen Blick. Sie hat sich dieses Laientum des Konsumenten bewahrt und gibt mir oft gute Tipps", sagt Adi.

Ein "soziales Tierchen"

Wie lassen sich die verschiedenen Arbeitszeiten vereinbaren? "Wenn er abends daheim ist, kommt mir das manchmal direkt komisch vor", lacht Ela. "Dass er oft abends arbeitet, war für mich nie störend. Er hatte dafür tagsüber mehr Zeit, hat unsere Kinder in den Kindergarten begleitet. Und ich war eben abends da. Die Kinder haben von seinem Beruf sehr profitiert, weil er ein so aktiver Vater war, der viel Zeit mit ihnen verbringen konnte."

Wird die Hausarbeit geteilt? "Ja, er bringt sich schon auch ein. Jeder macht eben so seine Sachen..." – und ein Blick hinüber zu Adi, der volley übernimmt: ""Ich wasche gern ab...!" Gibt es keinen Geschirrspüler im Hause Hirschal? "Also, ich hau’ das Geschirr hinein und er schlichtet es nach einem System!" "Ja, da kann ich auszucken!", wird Adi laut. "Ich kann übrigens gut aufbetten, das habe ich bei den Wiener Sängerknaben und beim Militär gelernt. Sagen wir so: Ich könnte auch ganz gut alleine leben..."

Was gehört dazu, eine Beziehung so lange spannend zu halten? "Ich brauche sie einfach! Sie ist eine Pragmatikerin, da hat alles Hand und Fuß. Sie hat auch gute Menschenkenntnis, die fehlt mir. Ich brauche Beziehungen, kann nicht alleine sein. Wenn es mit ihr nicht gut läuft, dann geht nichts weiter. Ich bin schon ein soziales Tierchen."

Der "wüde Hund" und die schöne Linzerin
Mit Tochter Maddalena und Sohn Geronimo  
Bild: Sabine Hauswirth

Mit Tochter Maddalena und Sohn Geronimo

 

"Es klingt vielleicht jetzt alles so toll, aber es gab schon Zeiten bei uns, die nicht so gut waren. Es gab stressbedingt schlechtere Phasen, und es kann ja nicht immer Harmonie sein", sagt Ela. "Es kann schon sein, dass einer den anderen auch nervt. Wir haben aber einfach durchgehalten, auch wenn es einmal nicht so gut gelaufen ist – oder, Adi?" "Naja, dieser Punkt, an dem man sich trennt, den gibt es bei uns nicht", pflichtet er ihr wieder bei.

Die beiden wohnen im 8. Bezirk in der Nähe des Theaters in der Josefstadt "in einer Loft-ähnlichen Wohnung: unpraktisch, aber sehr schön mit Terrasse und grünem Innenhof." Seit einigen Jahren haben die beiden auch "ein kleines Winterhaus im Burgenland, das wir seit Jahren umbauen. Das ist als Alterswohnsitz gedacht. Also, ich bin jetzt schon oft dort, um in Ruhe zu arbeiten", sagt Adi. "Wir sind Erkunder, wir wollen so viel wie möglich von Österreich er-fahren. Wir machen das oft: Wir setzen uns ins Auto und fahren los. Auch in Italien um den Raum Triest, Grado und Venedig sind wir oft."

Liebe ist... Arbeit

Wie ändern Kinder eine Beziehung? Adi: "Darf ich dazu gleich was sagen? Beide sind absolute Wunschkinder, die wir sehr lieben. Und manchmal sind sie auch der Kitt einer Beziehung, weil man als Familie immer ein gemeinsames Projekt hat." Ela: "Wir haben ein sehr freundschaftliches Verhältnis zu unseren Kindern."

Und: Liebe ist....? Adi und Ela unisono: "... Arbeit!"

 

 

 

Biografie

Adi Hirschal: Am 17. November 1948 in Innsbruck geboren. Der Sohn eines Zahnarztes kam mit drei Jahren nach Linz, Besuch der Volksschule in Linz-Ebelsberg. Dann Übersiedlung nach Wien zu den „Wiener Sängerknaben“ (1958–1963). 1968 Matura; ab 1970 Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-
Seminar Wien bis 1974. Engagement am Wiener Burgtheater. Ab 1977 auf Wanderschaft, v. a. in Italien, ab 1982 Engagement in Memmingen, ab 1985 wieder in Wien, wo er u. a. am Theater in der Josefstadt, am
Akademietheater, im Metropol spielte.
TV-Rollen u. a. in „Kaisermühlen-Blues“, „Kommissar Rex“. Ab 1990 viele Konzerte, z. T. mit Wolfgang Böck (2Strizzilieder). Ab 2000 spielte er den Milchmann Tevje in „Anatevka“ zuerst am Aalto Theater in Essen, von 2003 bis 2008 unter der Regie von Mathias Davids in der Wiener Volksoper. Von 2003 bis 2008 Intendant beim Theatersommer Haag, seit 2004 künstlerischer Leiter des Wiener Lustspielhauses.

 

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