Alles war schon vorbereitet. Eine schöne, große Feier sollte es werden, die Freunde und Familienmitglieder für den pensionierten Oberschulrat gestalten wollten. Doch dazu kam es nicht mehr. Sein schlechter Gesundheitszustand trübte die Stimmung zusehends. Am 7. Februar starb der legendäre Schuldirektor. „Dasein für Andere. Das prägte sein Leben“, würdigte Narzts Nachfolger Josef Huber die Verdienste des Pädagogen. Adelinde Fosen blickte ebenso zurück: „Er war mein erster Chef, doch als solchen wahrgenommen hatte man ihn nicht. Er ließ uns große Freiheiten und kam höchstens in die Klasse, wenn er das Monatssalär ausbezahlte.“
Freiheiten genossen auch seine Kinder, denen er Selbstständigkeit beibrachte. „Er war uns ein gerechter, Tag und Nacht hilfsbereiter, geistig, religiös und beruflich Freiheit lassender Vater, der uns trotzdem einen Leitfaden spüren ließ“, sagte Tochter Romana.
Johann Narzt wurde am 22. Jänner 1922 in eine Zeit der Weltwirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und Bürgerkrieg hineingeboren. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er zur Luftwaffe einberufen. Schon ein Jahr nach Kriegsende schickte ihn die Schulbehörde nach St. Leonhard. Bis zur Pensionierung blieb diese Volksschule seine Arbeitsstätte. Die Lehrerwohnung im selben Gebäude war jahrzehntelang auch das Zuhause der Großfamilie Narzt.
Sparsamkeit und Verzicht prägten sein Leben und das seiner Ehefrau Maria. Schulgarten und Wald verfeinerten die Alltagskost. Die Kleidung wurde von einem Kind zum nächsten weitergegeben. Johann Narzt musste auch Schicksalsschläge einstecken. Mit 31 Jahren wurde Sohn Michael durch einen Verkehrsunfall der Familie entrissen. 1999 erlitt seine Ehefrau einen Schlaganfall. Neun Jahre pflegte er sie in bewundernswerter Hingabe. Im Haus am Wimberg verbrachte er seinen Lebensabend und ging täglich in den Markt, um Neues zu erfahren oder zu tarockieren.
Der Komponist Fridolin Dallinger war einer von 45 Lehrern, die der gütige Schulmeister während seiner Berufslaufbahn unter die Fittiche nahm: „Ich verbrachte als Lehrer eine schöne Zeit in St. Leonhard. Direktor Narzt hat viel dazu beigetragen“, erinnert sich der Komponist.
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