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Karl Blöchl: Ein echter Linzer

Er ging in aller Stille. Als die Nachricht von seinem Tod in Linz, seiner Heimat, die Runde machte, war Karl Blöchl bereits im engsten Familienkreis beerdigt worden. Blöchl starb vor einer Woche, nur einen Tag, nachdem er 73 Jahre alt geworden war.

Ein echter Linzer Von Reinhold Gruber

Trauer um Karl Blöchl Bild: Alexander Schwarzl

Blöchl war kein Lauter, wenngleich er schon laut werden konnte. Doch als Unternehmer wie als Politiker versuchte er zu überzeugen, tat dies meist mit freundlichen Worten und mit dem Respekt vor dem Gegenüber.

Mit der Confiserie Isabella und der Parfümerie Isabella in der Linzer Landstraße, die er als 19-Jähriger übernommen hatte, sowie Marc Chocolatier auf dem OK-Platz, wo seit fünf Jahren Schokolade-Kreationen aus der eigenen Manufaktur zu haben sind, hat Blöchl eine Familien-Tradition hochgehalten.

In fünfter Generation führte er mit seinem Sohn Markus, einem Unternehmensberater, das Traditions-Unternehmen. Tochter Alexandra Wehrle-Blöchl lebt in Freiburg, Tochter Michaela Blöchl-Sendlhofer ist Ärztin.

Parfüms und Süßigkeiten

Blöchls Tante hatte unter dem Namen Panzirsch einen Vorläufer der heutigen Parfümerie betrieben, vor rund 100 Jahren damit begonnen. Auf den Namen Isabella, den alle Linzer kennen, taufte seine Mutter den Betrieb. 1960 fiel dann die Entscheidung, neben Flakons und Cremen auch süße Freuden für den Gaumen zu produzieren. Dass Parfüms und Süßigkeiten nicht zueinander passen, sah Blöchl nicht so. "In beiden Branchen kommt es auf höchste Qualität an", sagte er einmal. Und: "Wir schauen jeden Tag, dass wir die Besten sind." Von diesem Gedanken war auch seine politische Arbeit geprägt. Im Wirtschaftsbund begann Blöchl aktiv zu sein, wurde 1971 Obmann der Jungen Wirtschaft Linz, 1974 der Jungen Wirtschaft Oberösterreich und 1976 Bezirksobmann des Wirtschaftsbundes Linz-Stadt.

1979 setzte er sein kommunalpolitisches Engagement als Mitglied des Gemeinderates fort. Von 1990 bis 2001 gehört Karl Blöchl dem Stadtsenat an, war als ÖVP-Vizebürgermeister für die Bereiche Wirtschaft, Märkte, Tourismus zuständig, war Hafenreferent und später auch für das Wohnungswesen verantwortlich. In diese Zeit fielen der Ausbau der Betriebsparks Franzosenhausweg und Südpark, der Bau des Tech Centers Linz-Winterhafen, die Förderung der Einkaufsstadt Linz mit eigenständigen Einkaufs- und Werbekampagnen und der Spatenstich für die solarCity Pichling.

Im September 2001 verabschiedete sich Blöchl aus der Kommunalpolitik. Er nehme nichts Negatives mit, sagte Blöchl damals, wollte aber nicht verhehlen, dass ihm die ÖVP-Fraktion in den letzten Jahren in wichtigen Fragen nicht mehr gefolgt ist. Eine dieser Fragen war die Schuldenpolitik des damaligen Linzer Bürgermeisters Franz Dobusch, gegen die er stets vehement aufgetreten war. Im Unterschied zu seiner Partei.

"Umtriebig und visionär"

Nach dem Abschied hielt sich Blöchl aus der Politik heraus, wie VP-Vizebürgermeister Bernhard Baier sagt. "Er war in den 1990er Jahren mit seiner Wirtschaftspolitik sehr prägend für Linz. Er war aber auch umtriebig und visionär." So brachte er zum Beispiel schon damals die Neugestaltung des Urfahranermarkt-Geländes ins Spiel und spielte mit dem Gedanken einer Seilbahn in den Donaupark.

"In drei bis fünf Jahren muss ich die Nachfolgefrage entschieden haben", sagte Karl Blöchl noch im April in einem Gespräch mit den OÖN. Es würde noch nicht eilen, fügte er an. Da täuschte er sich.

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Artikel Reinhold Gruber 02. Oktober 2017 - 00:04 Uhr
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