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Franziska Jägerstätter - Jetzt ist sie endlich wieder bei ihrem Franzl

Am Samstag um 23 Uhr ist Franziska Jägerstätter im Kreise ihrer Familie in St. Radegund gestorben.

Jetzt ist sie endlich wieder bei ihrem Franzl Von Helmut Atteneder

Franziska Jägerstätter, Tochter Maria Dammer unter dem Bild Franz Jägerstätters im Haus in St. Radegund. Bild: OON

„D’Muata war einfach schon zu schwach zum Weiterleben. Sie wollte noch etwas sagen, aber man hat’s nicht mehr verstanden. Sie war eine brave, gute Frau“, sagt ihre Tochter, Maria Dammer. Sie war es auch, die Franziska Jägerstätter – sie feierte am 4. März ihren 100. Geburtstag – viele Jahre lang betreut hat.

Jetzt, knapp 70 Jahre nachdem ihr Mann Franz von den Nazi-Schergen ermordet wurde, weil er aus Glaubensgründen den Dienst mit der Waffe für das Hitlerregime verweigert hat, ist sie wieder mit ihrem „Franzl“ vereint. Daran hat sie immer fest geglaubt: „Ich hoffe, der Franzl kennt mich noch, wenn ich ihn im Himmel wiedersehe“, sagte die gottesgläubige Frau zu ihrem 100er mit dem ihr eigenen Humor.

Die Hinrichtung gespürt

Franziska Jägerstätter wurde am 4. März 1913 in Hochburg (Bezirk Braunau) geboren. Sie war eine gute Schülerin, arbeitete viel am Bauernhof ihrer Eltern mit und verdiente beim Wirt mit dem Aufstellen der Kegel auf der Kegelbahn ein paar Groschen Taschengeld. Dort lernte sie Franz kennen. Sie lud ihn zum Beten und Bibellesen ein, brachte ihn zum Glauben. Am 9. April 1936 heirateten sie, die Hochzeitsreise führte nach Rom. Drei Töchter (Rosalia, Maria und Aloisia) bekam das Paar. Als ihr Mann am 9. August 1943 hingerichtet wird, arbeitet Franziska Jägerstätter gerade auf dem Feld. Sie hält inne, spürt irgendwie, was gerade passiert ist.

Franziska Jägerstätter hat ihrem Mann nie einen Vorwurf gemacht. „Ich habe es dem Franzl nicht ausreden können. Er war ein braver Mann, aber er hat halt nicht auskönnen“, sagte sie im OÖN-Interview vor der Seligsprechung ihres Mannes am 26. Oktober 2007. Die Frau zog ihre Töchter groß, arbeitete am Hof des Vaters weiter, war 30 Jahre lang Mesnerin in ihrer Heimatgemeinde – und musste immer wieder Anfeindungen aushalten. Dass der Vater die Familie im Stich gelassen habe. Dass sie Schuld an seinem Tod sei, weil sie durch ihre Religiosität ihren Mann dazu brachte, den Wehrdienst zu verweigern. Ihren Humor hat sie dennoch nie verloren, ebenso wenig, wie ihre Botschaft: Freude am Leben haben. Ihren Tod betrauern ihre Töchter sowie 14 Enkel- und 17 Urenkelkinder.

Franziska Jägerstätter wurde mit den Goldenen Verdienstzeichen der Republik und des Landes sowie dem päpstlichen Ehrenzeichen „Pro Ecclesia et Pontifice“ ausgezeichnet. Landeshauptmann Josef Pühringer, Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Bischof Ludwig Schwarz würdigten gestern – neben vielen anderen – das Lebenswerk Jägerstätters. Die bescheidene Frau hat nun ihr oft formuliertes Ziel erreicht: „Ich will endlich wieder bei meinem Franzl sein.“

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Artikel Helmut Atteneder 18. März 2013 - 00:04 Uhr
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