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Ein Sozialist, der Unternehmer wurde und seinen Prinzipien treu blieb

Ernst Karrer war eine schillernde Persönlichkeit, obwohl er nie so aussah. Er war sich seiner Herkunft aus der Arbeiterschaft bewusst und stolz darauf.

Ein Sozialist, der Unternehmer wurde und seinen Prinzipien treu blieb Von Erhard Gstöttner

Ernst Karrer (1945–2015) Bild: privat

Er war Landarbeiter, Bierführer, Betriebsrat, Gewerkschaftssekretär, Intellektueller, Unternehmer. In seinem Leben brachte er so viel zustande, dass man eigentlich mehrere Leben dafür gebraucht hätte. Am 16. August ist dieses Leben nach 70 Jahren zu Ende gegangen. Heute, Freitag, findet um 9 Uhr im Urnenhain in Linz-Urfahr die Verabschiedung von Ernst Karrer statt.

Auf die Welt kam Karrer zweieinhalb Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im steirischen Peggau. Nach der Pflichtschule besuchte er die steirische Ackerbauschule, kam nach Oberösterreich. Von 1965 bis 1968 war er Landarbeiter in Weißkirchen an der Traun. Hier lernte er seine spätere Ehefrau Anna kennen. Zwei Söhne, Paul und Heribert, entsprangen dieser Ehe.

Doktorat mit Auszeichnung

1969 bis 1970 war Karrer Arbeiter in der Papierfabrik Falkensammer in Wels. 1970 wurde er Fahrverkäufer der Brauerei Zipf. Damals begann sein politisches und gewerkschaftliches Engagement. Karrer, von Vater und Großvater geprägter Sozialist, absolvierte die Sozialakademie der Gewerkschaft.

Nach seiner Betriebsratstätigkeit in Zipf wurde Karrer Gewerkschaftssekretär. In der Freizeit machte er die Berufsreifeprüfung, studierte an der Linzer Kepler-Universität Sozialwissenschaften, wurde 1983 mit Auszeichnung Doktor.

1984 folgte der nächste Schritt, Karrer wurde Sekretär des Voest-Betriebsratsobmanns Franz Ruhaltinger. Für den mächtigen Gewerkschafter organisierte Karrer Anfang 1986 die größte Demonstration, die je in Linz stattgefunden hat: 40.000 Menschen demonstrierten auf dem Höhepunkt der Verstaatlichtenkrise gegen die Zerschlagung der Voest. Die Voest-Krise führte zu starkem Personalabbau. Karrers Antwort: die Stahlstiftung. 6600 Menschen wurden seither dort auf ein neues Berufsleben vorbereitet. Das Beispiel wurde nicht nur in Österreich kopiert.

1989 verließ Karrer die Voest, wurde Unternehmensberater, gründete Zeitschriften. Denn nach dem Ende der SPÖ-Zeitungen Tagblatt und Arbeiterzeitung träumte er davon, ein linkes Journal zu etablieren.

1990 eröffnete Karrer drei Pelzmodengeschäfte. 1992 gründete er mit seinen beiden Söhnen in Linz ein EDV-Unternehmen, das zum größten oberösterreichischen Internet-Service-Provider wurde. 2001 verkaufte er diese Firma erfolgreich an einen Telekom-Konzern.

Begeistert von Argentinien

2001 gründete Karrer die Internet Security AG mit Niederlassungen in Wien, Zürich und München. Ab seiner Pensionierung 2008 vertrieb er Gesundheitsprodukte seiner Firma Paracelsus-Haus. Mit seiner Lebensgefährtin Silvia Jakab übersiedelte er in sein neues Haus in Hellmonsödt.

Mit Silvia entdeckte er die Reiseleidenschaft, war begeistert von der Weite Argentiniens. 2011 stellten Ärzte bei Karrer eine Krebserkrankung fest, von der er sich zunächst erholte. Heuer zu Ostern brach die Krankheit erneut aus. Am 16. August starb Ernst Karrer um 5.40 Uhr im Linzer AKH im Beisein seiner Lebensgefährtin.

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Artikel Erhard Gstöttner 21. August 2015 - 00:04 Uhr
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