OÖN: Sie koordinieren ein Pateneltern-Projekt für Kinder aus den Armenvierteln in Quito und anderen Städten Ecuadors. Wie kam es dazu?
Falzberger: Ich bin jetzt schon mehr als zehn Jahr in Ecuador tätig. Da hat man täglich mit großer humanitärer Not zu tun. Einmal habe ich bei einem Heimataufenthalt in einer Schwertberger Hauptschulklasse von meiner Arbeit berichtet. Dabei kam die Sprache auf Marie Sol: Eine junge Witwe, die drei Kinder versorgen musste und in einem halb fertig gebauten Haus wohnte. Die Kinder haben spontan gefragt, wie sie denn dieser Frau und ihren Kindern helfen könnten. Daraus entstand die Idee, Patenschaften für die Kinder zu initiieren.
OÖN: Diese Initiative ist mittlerweile enorm gewachsen?
Falzberger: Das bereitet mir eine große Freude. Mittlerweile haben wir 140 Pateneltern, die 200 Kindern das Schulgeld bezahlen und ihnen so einen Ausweg aus der Armut eröffnen. Die Paten stammen nicht nur aus Österreich, das hat sich mittlerweile auch auf die Schweiz und Frankreich ausgedehnt.
OÖN: Warum läuft es Ihrer Meinung nach so gut?
Falzberger: Ein Punkt ist sicher, dass unsere Kinder regelmäßigen Kontakt mit den Pateneltern halten, indem sie ihnen Briefe schreiben, Zeichnungen oder Fotos schicken. Da entsteht eine persönliche Beziehung. Viele Pateneltern wollen dann ihre Schützlinge über das Schulgeld hinaus unterstützen, ihnen etwa zu Weihnachten oder zum Geburtstag etwas schenken.
OÖN: Wie geht es Marie Sol heute?
Falzberger: Alle drei Kinder haben ein Stipendium und machen eine Ausbildung. Durch Geldspenden konnte auch das Haus fertiggestellt werden.
OÖN: Durch Bildung der Armut entkommen. Funktioniert das in einem Land mit schlechter Verwaltung und Infrastruktur tatsächlich?
Falzberger: In vielen Fällen schon. Manchmal geraten junge Mädchen aber auch einfach in die Hände unehrlicher Männer, die sie nach einer Schwangerschaft mit dem Kind sitzen lassen. Dann wird es schwierig, weil trotz Ausbildung oft nur ein Job als Wäscherin oder Putzfrau zu bekommen ist. Die wirtschaftliche Entwicklung im Land geht eben nur sehr schleppend voran.
OÖN: Aber der Wille, im Leben voranzukommen, ist da?
Falzberger: Ich bringe hierzu gerne das Beispiel von einer Grundschule draußen am Land, die wir oft besuchen. Dort stehen die Kinder um drei Uhr früh auf, damit sie rechtzeitig in der Klasse sein können. Wer diesen Eifer erlebt hat, der kann gar nicht anders als mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln zu helfen.
OÖN: Wie schwer fällt es Ihnen, hier in Schwertberg die Menschen um Unterstützung für Ecuador zu bitten?
Falzberger: Wenn ich einen Vortrag vor vielen Menschen halte, bin ich schon nervös. Aber ich spüre, dass viele Schwertberger ehrlich an meiner Arbeit interessiert sind. Das hat eine ganz andere Dimension als wenn man einfach nur um Geld bittet.
Frau steckte eine Stunde mit Fuß in Zehn-Zentimeter-Spalt fest
Oberösterreich: Spitzenreiter mit kleinen Schwächen
Real vor Barca umsatzstärkster Club Europas
Griechenland-Sparpaket scheitert an Renten: Neue Galgenfrist