Beim Ertasten und Benennen der geometrischen Formen mit Lehrerin Edith Steffan lebt Maria auf. Bild: Eidenberger
Maria nimmt die Hand von Lehrerin und Schulleiterin Edith Steffan, schüttelt sie und sagt: „Auf Wiedersehen.“ Vor vier Jahren wäre dies noch unmöglich gewesen. Denn Berührungen sind für Maria schwierig, genauso wie das Sprechen. Doch seit sie in der Volksschule Schenkenfelden ist, macht Maria viele Entwicklungsschritte, die man einem Mädchen mit dieser Krankheit nicht zutrauen würde.
In Schulleben integriert
„Wir haben uns sehr viel damit auseinandergesetzt, als die Eltern Maria zu uns brachten“, sagt Steffan. So wurde auf das Mädchen von Anfang an Rücksicht genommen. Die Mitschüler kannten Maria bereits aus dem Kindergarten und wussten: Sie mag nicht, wenn es laut oder hektisch ist oder reagiert manchmal scheinbar übertrieben.
„Sie spricht noch immer sehr wenig, aber wir können sie immer mehr in das normale Schulleben eingliedern“, sagt Steffan. Dies sei für Maria auch deshalb wichtig, weil sie so lernt, wie ein soziales Gefüge funktioniert. „Sie kann das einfach nicht von sich aus, sondern lernt durch Kopieren und Wiederholen“, sagt Stütz-Lehrerin Barbara Kaar. „Maria lebt in ihrer eigenen Welt, das muss man einfach akzeptieren.“ Probleme, dem Lernstoff zu folgen, hat Maria nicht – ganz im Gegenteil. „Sie kann alles in kürzester Zeit auswendig. Lesen konnte sie schon, bevor sie in die Schule ging – obwohl ihr das niemand beigebracht hat“, erzählt Steffan.
Diagnose mit sechs Jahren
„Die Schule ist der einzige Ort, wo Maria ohne mich hingeht“, ist die Mutter Sereh Schretter froh, dass die Zusammenarbeit so gut funktioniert. Als Maria sechs Jahre alt war, wurde das Asperger Syndrom diagnostiziert. „Wir waren froh, als wir wussten, was los ist. Vorher dachten wir, wir hätten etwas falsch gemacht, weil sie nirgendwo anders bleiben wollte und ähnliches“, sagt Schretter.
Obwohl der Alltag oft anstrengend ist und vieler Planungen erfordert, ist Sereh Schretter zufrieden: „Für uns ist das schon normal.“ Maria ist in Behandlung, in die auch die Eltern eingebunden sind. Die Unterstützung ist für Sereh Schretter wichtig und sehr positiv: „Weil Maria so viel Hilfe hat, bin ich sicher, dass sie ihr Leben meistern wird. Sie sieht die Welt einfach anders. Wir können die Welt nicht ändern, aber versuchen ihr den Weg bestmöglich zu bereiten.“