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Warum ein Brunnen alleine gar nichts bringt und Traktoren ungenutzt rosten

Franz Hehenberger kennt die ärmsten Regionen der Welt in Afrika und Lateinamerika

Franz Hehenberger

Franz Hehenberger besuchte das Dorf Mwibagi in Tansania.  Bild: Sei so frei

Sankt Peter. Dass die Welt noch zu retten ist, davon ist Franz Hehenberger aus St. Peter am Wimberg überzeugt. Dass es ein hartes Stück Arbeit ist, weiß er aus 25 Jahren Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit. Doch diese Arbeit müsse in den Köpfen der Menschen passieren – sowohl in unserem Teil der Erde als auch in den Ländern, die Hehenberger für „Sei so frei“ bereist, den entwicklungspolitischen Teil der katholischen Männerbewegung.

25 Jahre haben Franz Hehenberger geprägt. Obwohl er es immer noch als ein- und auftauchen in eine andere Welt erlebt, wenn er in die Hilfsgebiete reist, grübelt er heute mehr über das Gefüge der Weltgesellschaft als noch in der Anfangszeit seines Engagements. Dabei stolpert er immer wieder auch über Aktionen, die gut gemeint sind, letztlich die Situation aber verschlechtern: „Es wurden Tausende Brunnen gebohrt, die schon wieder trocken sind und Traktoren gespendet, die niemand fährt, weil sich niemand den Diesel leisten kann“, sagt Hehenberger. „Mal kurz die Welt retten“ funktioniert eben nicht. Obwohl der gestandene Mühlviertler weiß, dass Fehler passieren und mehr Koordination in der Entwicklungszusammenarbeit auch unter den NGOs dringend angeraten wäre, will er nicht über „Kollegen“ schimpfen – er will es nur besser machen und erklärt den Ansatz von „Sei so frei“: „Wir zeigen den Menschen die Wege, gehen müssen sie diese selbst“, sagt er. „Sei so frei“ bohrt keine Brunnen und verschwindet dann wieder. „Sei so frei“ bleibt und betreut Projekte nicht selten zehn Jahre lang. Dabei sucht man sich immer Partner in den betroffenen Ländern.

Langfristige Betreuung

„Wenn zum Beispiel eine Schule gebaut wird, und nicht sichergestellt ist, dass auch die Lehrer bezahlt werden, bringt das überhaupt nichts. Deshalb ist es wichtig, dass unsere Projektpartner langfristig planen“, sagt er. Momentan beschäftigt ihn ein Projekt in Tansania, welches heuer auch Schwerpunktprojekt des Lions-clubs ist, dem Hehenberger angehört.

In der Mara-Region sind die Menschen von Wasserknappheit geplagt. Fehlender Regen lässt für die nächste Maisernte nichts Gutes hoffen. Außerdem stehen die Menschen dort vor der Herausforderung, dass sie kaum Werkzeuge oder Geräte für die Landarbeit haben und ihnen schlicht das Wissen fehlt, wie sie nachhaltig produzieren können. Das Projekt umfasst Schulungen in nachhaltiger Land- und Fischwirtschaft und die Errichtung von landwirtschaftlichen Trainingszentren. Außerdem sollen Jugendliche eine handwerkliche Ausbildung erhalten. Ein großer Teil ist die Wiederaufforstung und das Anlegen von Baumschulen. Auch das Thema erneuerbare Energie wird geschult. „Natürlich werden wir auch Regenwassertanks und Tiefbohrbrunnen bauen. Dazu gehört aber auch, dass wir Wassermanagement-Komitees einrichten und schulen“, erklärt der Mühlviertler. Dazu kommt noch die Sensibilisierung für die Themen HIV und FGM (Genitalverstümmelung von Frauen).

Widerstände überwinden

Für Franz Hehenberger ist klar, dass nur dort geholfen werden kann, wo auch Mut zur Veränderung da ist und Zusammenarbeit gelebt wird: „Oft erleben wir, Korruption und Gier, oft Angst vor der Veränderung“, sagt er. Diese kann durchaus auch bewusst gesteuert sein: „Gerade im Bereich Bildung gibt es oft Widerstände. Gebildete Menschen sind nicht so leicht arm zu halten und schwerer zu regieren“, sagt er. „Wir fordern die Verantwortung der lokalen Politiker genauso ein wie die von Ministern“, erzählt er.

„Wir müssen es schaffen“

Dass es „die Welt“ schaffen kann – ja sogar muss, davon ist Hehenberger überzeugt. Das Umdenken und Anpassen der eigenen Lebensweise wird aber Niemandem ausbleiben: „Wenn wir so leben, dass auch unsere Nachkommen noch gut leben können, ist ein wichtiger Schritt getan.“ Wer aktiv helfen will, kann und sollte das auch tun. Hehenberger habe nur eine Bitte an junge Menschen, die sich in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren wollen: „Man soll sich die Organisation genau anschauen und prüfen, ob sich durch das Engagement auch langfristige Verbesserungen einstellen können. Neben „Sei so frei“ gebe es natürlich auch andere seriöse Anbieter.

Die Arbeit von Franz Hehenberger kann auch finanziell unterstützt werden: Spenden an „Sei so frei – kmb Linz, AT30 5400 0000 0069 1733. Diese Spenden sind steuerlich absetzbar.

Franz Hehenberger, Sei so frei


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Artikel 30. Mai 2017 - 11:27 Uhr
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