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Seit 20 Jahren Tagesmutter: „Politik tut so, als würde es uns gar nicht geben“

PERG. 31 Tageskinder hatte die Perger Tagesmutter Renate Leitner bereits in ihrer Obhut

Renate Leitner im Kreis ihrer Tageskinder: „Meistens kommen sie um sieben Uhr zu mir. Ich hatte aber auch schon Kinder um viertel nach fünf Uhr früh.“ Foto: lebe Bild: Foto: lebe

In der Spielecke im Wohnzimmer von Renate Leitner werden Bauklötze aufgestapelt, Becher ineinander gesteckt und Feuerwehr-Modellautos in Betrieb genommen. Vier Kinder im Alter von ein bis knapp drei Jahren verbringen hier ihren Vormittag: Sie spielen, essen, werden gewickelt – oder halten im Zimmer nebenan ein kurzes Nickerchen.

Seit 20 Jahren ist Renate Leitner bereits Tagesmutter. 31 Kinder hat die ehemalige Kindergärtnerin in dieser Zeit betreut. „Jedes Kind ist anders, jeder Tag ist anders. Das mag ich so an dieser Arbeit“, sagt die Mutter von drei erwachsenen Kindern. Dass beim Besuch der OÖNachrichten ausschließlich Kleinkinder im Haus sind, sei kein Zufall: „Eltern, die nach der Geburt ihres Kindes recht schnell wieder in den Arbeitsprozess einsteigen, suchen oft die Begleitung einer Tagesmutter.“ Vor einem Jahr habe sie aber auch einen zwölfjährigen Buben in ihrer Obhut gehabt. „Meine Tageskinder bleiben meist relativ lange. Wenn einmal eine gute Vertrauensbasis vorhanden ist, will man das ja nicht grundlos ändern.“

Die Entscheidung, Tagesmutter zu werden, sei goldrichtig gewesen, ist die Pergerin überzeugt. Obwohl sie mittlerweile selbst schon Oma ist, ist sie nach wie vor gerne für Kinder da. „Das liegt wahrscheinlich in der Familie. Schon meine Mutter hat regelmäßig andere Kinder beaufsichtigt. Natürlich sind auch anstrengende Tage dabei und manchmal wird auch einmal etwas kaputt. Aber in Summe würde ich nichts anderes tun wollen.“

Die Tage beginnen recht früh

Dabei beginnen manche Tage schon recht zeitig in der Früh. „Die meisten Kinder kommen kurz vor sieben Uhr zu mir. Ich hatte aber auch schon Fälle, da klopfte es schon um viertel nach fünf an der Tür.“ Auch das sei typisch für Tagesmütter: Sie sind da, wenn andere Betreuungseinrichtungen noch geschlossen sind. Oder auch abends, weiß Waltraud Aichinger, Leiterin der Regionalstelle Perg im Verein Aktion Tagesmütter Oberösterreich: „Diese Flexibilität ist sicher eine unserer großen Stärken und ein Grund dafür, warum die Nachfrage konstant groß ist.“ Gerade die Debatte um die Einführung von Elternbeiträgen für die Nachmittagsbetreuung in Kindergärten habe das bestätigt. „Es gibt viel Verunsicherung in den Gemeinden“, sagt Aichinger.

Das ist auch ein Grund, warum derzeit wieder neue Tagesmütter im Bezirk Perg ausgebildet werden – siehe Infokasten. Dabei seien die Tagesmütter in der öffentlichen Diskussion oft unterrepräsentiert, ärgert sich Renate Leitner: „Mir kommt ja vor, die Politik tut gerade so, als würde es uns gar nicht geben.“ Dabei seien Tagesmütter für etliche Familien die einzige Möglichkeit, Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Noch dazu, wenn diese Betreuung in so einer gemütlichen Umgebung passiert wie bei Renate Leitner.

Zusätzliche Tagesmütter im Bezirk Perg

Die Nachfrage nach Tagesmüttern im Bezirk ist konstant hoch. „Speziell im Westen des Bezirks hätten wir noch großen Bedarf an zusätzlichen Tagesmüttern“, sagt Waltraud Aichinger, Regionalstellenleiterin des Vereins Aktion Tagesmütter Oberösterreich.

Deshalb werden ab Februar in Kooperation mit dem BFI weitere Tagesmütter – gerne auch Tagesväter – ausgebildet. Betreut werden Kinder im Alter von 0 bis 16 Jahren, oft an den Tagesrandzeiten, wenn öffentliche Einrichtungen nicht zur Verfügung stehen.

Dazu findet am 18. Jänner (18 Uhr) im BFI Perg (Ärztezentrum Fuchsenweg) ein Informationsabend statt. Die Ausbildung selbst startet am 1. Februar.
Weitere Informationen unter 07262 / 53310.

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Artikel Bernhard Leitner 12. Januar 2018 - 13:14 Uhr
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