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"Ich habe jedes Mal einen Schreck, wenn ein Tisch wackelt"

SCHWERTBERG/QUITO. Ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben in Ecuador begleitet die Schwertbergerin Klara Maria Falzberger den mühsamen Weg der notleidenden Bevölkerung zu einem Neubeginn.

"Seit dem Beben habe ich jedes Mal einen Schreck, wenn ein Tisch wackelt"

Klara Maria Falzberger bei einem Heimatbesuch in Schwertberg Bild:

Es war am Sonntag vor einem Jahr, als das Land Ecuador von einem heftigen Erdbeben heimgesucht wurde. Die Erinnerungen daran sind bei der gebürtigen Schwertbergerin Klara Maria Falzberger, die seit 20 Jahren als Ordensschwester in dem südamerikanischen Land lebt und arbeitet, allgegenwärtig, wie sie im OÖN-Gespräch anmerkt: "Ich hatte mich früher nie vor einem Erdbeben gefürchtet. Jetzt ist das anders. Ich habe jedes Mal einen Schrecken, wenn irgendwo ein Tisch wackelt."

Der Orden, in dem Klara Maria tätig ist, betreibt mehrere Privatschulen, in denen auch Kinder aus der ärmeren Bevölkerungsschicht dank eines Stipendienprogramms eine hochwertige Ausbildung erhalten. Einige dieser Schulen, waren nach dem Beben nur noch ein Trümmerhaufen. "Unser Gymnasium in Rocafuerte war nicht mehr zu retten. Ebenso in Manta, direkt an der Pazifikküste. Dort ist die Hälfte der Schüler mit ihren Familien weggezogen", schildert die Schwertbergerin. Noch schlimmer als der materielle Schaden ist aber die Tatsache, dass 15 Schulkinder das Beben nicht überlebten. "Besonders zu Herzen gegangen ist mir das Schicksal zweier Schwestern, deren leblose Körper Arm in Arm aus den Trümmern geborgen wurden."

So tief der Schock und die Schicksalsschläge immer noch sitzen: Der Blick ist längst wieder nach vorne gerichtet. Es entstehen einfache Fertigteilhäuser für Familien, deren Häuser zerstört wurden. Spitäler und Schulen werden notdürftig repariert. "Derzeit gilt mein ganzer Einsatz dem Aufbau unserer Schulen. Leider ist es mit den Baugenehmigungen nicht so einfach. Da bilden Bürokratie und leider auch Korruption eine große Hürde", sagt Falzberger. Zudem brachte ein Hochwasser zu Jahresbeginn den Bau-Zeitplan durcheinander.

Ihren Optimismus schöpft die Ordensfrau nicht nur aus dem Glauben, sondern auch aus dem großen Rückhalt, den sie aus ihrer Heimat erfährt: "Wenige Tage nach dem Beben hat aus Oberösterreich eine große Welle der Hilfsbereitschaft eingesetzt. Das hätte ich in diesem Ausmaß nicht erwartet."

In der Akutphase konnten Waisenkinder mit Nahrungsmitteln aus Spendengeld unterstützt werden, auch Verbandsmaterial und Medikamente für die oft kostenpflichtige medizinische Versorgung wurden bereitgestellt. All das hilft den Menschen, zuversichtlich nach vorne zu blicken. Falzberger: "Wir haben noch unzählige Probleme. Aber die Menschen halten zusammen und sind dankbar für jeden Handgriff, den wir tun. Daraus schöpfe auch ich immer wieder neue Kraft."

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Artikel Bernhard Leitner 19. April 2017 - 00:04 Uhr
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