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Großbrand im Böhmerwald: Einsatzkräfte übten bis zur Erschöpfung

BÖHMERWALD. 1000 Einsatzkräfte waren am Freitag und Samstag auf den Beinen um ein Katastrophen-Szenario zu üben.

Waldbrandübung Böhmerwald

Die Feuerwehr spritzte aus allen Rohren. Bild: fell

Tagwache am Samstag um fünf Uhr früh: die Einheiten des Feuerlösch- und Katastrophenschutzdienstes (F-KAT) werden alarmiert. Im Böhmerwald breitet sich eine massive Feuersbrunst aus. Einheiten sind schon seit dem Vortag im Einsatz. Sie haben schon seit Freitag Mittag gegen einen Waldbrand in Bayern gekämpft, haben Verletzte gerettet und Wanderer gesucht. Das Knattern von Hubschraubern war schon den ganzen Freitag über dem Oberen Mühlviertel zu hören. Einsatzorganisationen aus drei Ländern probten am Wochenende den Ernstfall. Annahme war ein Waldbrand im Dreiländereck.  

Waldbrandübung Böhmerwald  Quelle: Andi Brugger

Das fiktive Feuer breitete sich in der Nacht auf Samstag erst richtig aus. 

Samstag sechs Uhr: Standeskontrolle der Feuerwehrzüge in Rohrbach. In der Kolonne geht es Richtung Schwarzenberg. Dort werden die anrückenden Einsatzkräfte schon sehnlichst erwartet. Kräfte aus dem Abschnitt Aigen sind schon wieder voll im Einsatz und brauchen Unterstützung.

Rund um Schwarzenbergs Bürgermeister Michael Leitner hat sich ein Einsatzstab formiert. Feuerwehr, Bundesheer, Polizei, Rotes Kreuz und Bergrettung aus Bayern, Südböhmen und Österreich müssen koordiniert werden. 

Eintreffen der ersten Hubschrauber  Quelle: fell

Ein Dutzend Hubschrauber landeten   kurz nach acht Uhr in Schwarzenberg, doch der Nebel hängt über Stifters Hochwald und will nicht locker lassen. Zur Wasserversorgung wird ein Pendelverkehr mit den Tanklöschfahrzeugen eingerichtet. Die Wege im Stiftswald sind zwar in gutem Zustand und der Wald gut erschlossen, die Feuerwehrautos kommen trotzdem nur mühsam voran. Mindestens so schnell sind die Traktoren mit ihren monströsen Gülletanks, die den Pendelverkehr unterstützen. Mehrere Wasserbecken wollen befüllt werden. Die Feuerwehr spritzt aus allen Rohren um das Feuer einzudämmen.

Lage änder sich ständig

Besorgte Gesichter machen sich mittlerweile im Einsatzstab breit. Für eine effiziente Luftunterstützung sollte sich der Nebel etwas verziehen. Das tut er dann auch und Oberst Georg Klecatsky kann die Militär- und Polizei-Hubschrauber sowie die beiden Pilatus PC 6 Löschflugzeuge des Bundesheeres in die Luft schicken. unermüdlich werden Löscheimer gefüllt und die Randzonen des Brandes aus der Luft benetzt. Die Einsatzleitung geht ebenfalls wie schon am Vortag in die Luft. Von oben wird das Ausmaß der Katastrophe ersichtlich. 100 Hektar umfasst das Übungsgebiet. Die Löschtrupps wuseln wie Ameisen durch den Böhmerwald - sie stolpern durch das unwegsame Gelände, stehen immer wieder auf. Nur an den Rückenschildern merkt man welche Teams aus Tschechien, Bayern oder Österreich kommen. In der Zusammenarbeit spielt nicht einmal die Sprache eine große Rolle. Die Handgriffe sitzen, die Männer und Frauen wissen was sie tun. 

In der Einsatzleitung selbst herrscht Betriebsamkeit, keine Hektik. Übungsleiter Günther Gierlinger bespricht mit allen beteiligten Offizieren die Lage. Diese ändert sich ständig; der Wind dreht, ein Tankfahrzeug bleibt liegen, eine Wandergruppe wird vermisst. Professionell wird alles abgearbeitet. Tausende Entscheidungen müssen getroffen werden - oft schon im voraus. Man muss planen und abschätzen; Reagieren bevor ein Ereignis eintritt, bevor der Treibstoff ausgeht, bevor ein Wasserreservoir erschöpft ist, bevor sich der Wind dreht und das Feuer vor sich hertreibt.

Unermüdlich drehen Hubschrauber des Militärs und der Polizei ihre Runden. 

Zusammenspiel der Einsatzkräfte zu Land und zu Luft  Quelle: fell

Beeindruckend das Zusammenspiel der Piloten. Ihnen scheint der Wind egal zu sein. Sie schweben nur wenige Zentimeter über den Helmen der Feuerwehrleute, die Lasten anhängen oder über den Köpfen der Sanitäter, die einen Verletzten entgegennehmen. 

Erst gegen Abend wird es ruhig - auch am Funk. Die Funksprüche sind nicht mehr Adrenalin geschwängert wie den ganzen Tag über, die Männer und Frauen sind müde. Wäre nicht das Ende der Übung absehbar, müsste Ablöse anrücken. Doch Gott sei Dank ist es eben nur eine Übung, die allerdings jederzeit Realität werden könnte. 

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Artikel Thomas Fellhofer  02. Juli 2017 - 10:54 Uhr
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