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Eine Reise in das goldene Zeitalter der kleinen Kinos

HASLACH. Ein letzter Kinosaal bäumt sich auf: Wiedereröffnung im Adlerkino.

Eine Reise in das goldene Zeitalter der kleinen Kinos

Bild:

Das Kino in Rohrbach löschte 2012 für immer seine Lichter und damit blieb keines mehr übrig. Jetzt herrscht gähnende Leere im Kinoprogramm zwischen Ried und Seewalchen. Ein ganzer Bezirk: kinolos, ohne Popcorngeruch und erste Kinoverabredungen. Ohne Getuschel vor Vorstellungsbeginn, ohne greifbarer Spannung im Kinosaal. Kann denn die Atmosphäre beim Streamen im Wohnzimmer – mit den Klopausen zwischendrin, dem Internetgesurfe währenddessen und den kurzen Nickerchen gegen Ende – tatsächlich mithalten? Ein Dutzend Filmfans aus Haslach sagte sich jedenfalls: Streamen kann nicht alles sein! Im Frühling fassten sie den Entschluss und fingen an, das alte Kino am Marktplatz 11 aus dem Dornröschenschlaf zu küssen. Bereits seit 1957 war in dem Gebäude das Haslacher Kino. Ende der 80er-Jahre ging der Projektor schließlich zum letzten Mal an. Seither kaum noch genutzt, verfiel es in einen gut 25-jährigen Schlaf. Und alles ist so geblieben wie es war.

Eine Reise in das goldene Zeitalter der kleinen Kinos

Film ab im Adlerkino

Samstagabend. Erste Vorstellung. Es ist kurz vor 17 Uhr. Von außen unscheinbar, deutet kaum etwas auf die Wiedereröffnung des alten Kinos hin. Doch schon auf dem Gehsteig liegt der Geruch von Popcorn in der Luft und weist den Kinogängern den Weg in das kleine Foyer. Es drängen sich bereits erste Besucher zwischen dem Popcornwagen und dem einzigen Kartenschalter. Ein paar Stufen geht es hinunter und die Zeitreise kann beginnen. Besonders die Toilette mit ihren beige lackierten Schwingtüren zaubert manch einem Besucher ein Lächeln ins Gesicht – sei es aus Nostalgie oder Erheiterung. Nur die Aufschrift "Adlerkino" sieht aus wie eben erst gemalt. Mit einer Tüte frisch zubereiteten Popcorns in der einen Hand und einer Flasche Limonade oder Bier in der anderen betreten die Besucher den Kinosaal. "Schau mal, hier bin ich ins Kino gegangen, als ich noch ein Kind war", schwelgt eine Großmutter in Erinnerung und hält ihr Enkelkind an der Hand. Etwa die Hälfte der 200 Plätze sind bereits besetzt. Es sind viele Kinder da, aber ebenso viele Erwachsene. Sie sitzen auf roten Klappstühlen aus Samt und sind in Gedanken vielleicht bei alten Filmen, fernen Freunden oder längst vergangenen Rendezvous. Der mintfarbene Stoff an den Wänden, die dunkelgrünen Kacheln an der Decke – alles ist noch so wie es früher war. Sogar Frau Mauler, die ehemalige Kinobetreiberin, ist da, um die erste Vorstellung zu sehen.

Eine Reise in das goldene Zeitalter der kleinen Kinos

Holpriger Start

Punkt 17 Uhr. Noch ist das Bild viel größer als die Leinwand und steht außerdem auf dem Kopf. Die Premiere scheint sich wohl etwas zu verzögern, da tritt auch schon Thomas Engleder nach vorne und kündigt eine kurze Verzögerung an. Letzten Endes wurde eine halbe Stunde daraus, bis das Bild richtig herum auf die Leinwand passte. "Die werden das doch wohl vorher ausprobiert haben", flüsterte schon so manch einer seiner Begleitung zu und bemühte sich dabei, nicht unbedingt leise zu sprechen. Dann geht es los und alles scheint vergessen. Film ab! "Heidi" in der aktuellen Verfilmung mit Bruno Ganz ist wie gemacht für diesen nostalgischen Abend. Alt und Jung, jeder kennt die Geschichte von Heidi. Als der Film vorüber ist, ist Frau Mauler eine der ersten, die sich aus ihrem Kinositz erhebt. Sie steuert auf eine der Seitentüren zu. "Ausgang" steht darüber. So muss es früher wohl gewesen sein. Heute allerdings geht es raus, wie es rein ging. Und das Adlerkino entlässt seine Gäste wieder ins 21. Jahrhundert. Bereits in einer halben Stunde startet die nächste Vorstellung "Holz Erde Fleisch". Danach wird es erst am 15. September wieder seine Türen öffnen (um 17 Uhr "Das kleine Gespenst" und um 20 Uhr "El Olivo"). Jeden Monat an einem Donnerstag soll es Vorstellungen geben – vorerst bis Ende des Jahres. "Es ist ein Versuch", sagt Gerald Ornetzeder Wie es dann weitergeht, wissen wir noch nicht".

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Artikel Anja Böck 31. August 2016 - 00:04 Uhr
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