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Baukultur-Preis für Ottensheim: „Politik und Bürger ziehen hier an einem Strang“

OTTENSHEIM. Gemeinsam mit Lauterach (Vorarlberg) und Hopfgarten (Osttirol) hat die Gemeinde Ottensheim den Baukultur-Gemeindepreis gewonnen. Dieser wurde nach 2009 zum zweiten Mal vom Verein LandLuft in Wien überreicht.

Baukultur-Preis für Ottensheim: „Politik und Bürger ziehen hier an einem Strang“

2010 wurde - nach hitzigen Diskussionen in der Bevölkerung - das renovierte und erweiterte Amtshaus eröffnet. Bild: Hurnaus/OÖN

Die Jury war auch heuer prominent besetzt, etwa mit Professor Roland Gnaiger von der Kunst-Uni Linz oder Architekturkritiker Friedrich Achleitner.

Ausgezeichnet werden mit dem Preis aber nicht einzelne Gebäude, sondern die Art und Weise, wie Gemeinden mit Planungsprozessen umgehen. „In Ottensheim ziehen Kommunalpolitik und zahlreiche Initiativen aus der Bevölkerung erfolgreich an einem Strang“, heißt es in der Begründung.

Kreative Lösungen gesucht

Besonders hervorgehoben wird, dass sämtlichen baulichen Maßnahmen eine strukturierte Phase der Bewusstseinsbildung, Konzeption und Strategieentwicklung vorangehe. „Die Gemeinde nimmt ganz bewusst ihre Verantwortung als Baubehörde wahr“, sagt Thomas Moser, Vorstand des Vereins „LandLuft“.

Für den Ottensheimer Weg in Baukultur und Raumplanung gibt es mehrere Beispiele. Eines davon ist das 2010 eröffnete neue Amtshaus. Dieses wurde wegen der guten Verbindung von Alt und Neu vielfach ausgezeichnet. Doch der Weg dorthin war turbulent. Denn der Plan der Architekten, mitten auf dem Marktplatz einen gläsernen Pavillon als Veranstaltungsort zu errichten, erregte so viel Widerstand, dass er verworfen wurde. „Da hat uns die Bevölkerung ordentlich den Kopf gewaschen“, erinnert sich Bürgermeisterin Ulrike Böker (Pro O.). „Aber auch das gehört in der Politik dazu: dass man sich immer wieder hinterfrägt.“ Die jetzige Lösung – der Gemeinderatssaal als Anbau an das Amt mit großen Fenstern hin zur Linzer Straße – werde von der Bevölkerung „super akzeptiert“.

Auch das Problem der vielen leerstehenden Gebäude im Zentrum versucht die Gemeinde Ottensheim kreativ anzugehen. So gibt es vier Mal im Jahr einen Stammtisch für die rund 150 Besitzer von leerstehenden Häusern. „Wir wollen damit mehr Lebendigkeit in den Ortskern bringen und die Leute aufklären, dass Leerstände die Substanz der Gebäude eher verschlechtern“, sagt Böker.

Ebenso wichtig sei es aber auch, zu bestimmen, wo im Ort nicht gebaut werden darf, so Böker: so sollen die Hagenauer Streuobstwiesen mit Bäumen uralter Obstsorten erhalten bleiben.

 

Baukulturpreis

Hinter dem Baukultur-Gemeindepreis steht der Verein LandLuft. Dieser will die Baukultur im ländlichen Raum fördern. Für den Preis gab es insgesamt 33 Bewerbungen, 13 wurden nominiert. Neben den drei Preisträgern wurden noch Hittisau, Klaus, Röthis (alle in Vorarlberg), Neckenmarkt (Burgenland) und Waidhofen/Ybbs (Niederösterreich) mit einer Auszeichnung bedacht.

Das Buch „Baukultur machen Menschen wie du und ich!“ und eine Wanderausstellung präsentieren die ausgezeichneten Gemeinden. Die Ausstellung soll nächstes Jahr in Ottensheim zu sehen sein.

 

Drei Fragen an Gerhard Lueger, Ortsplaner von Ottensheim

Mit seiner Firma Topos 3 ist Gerhard Lueger für 19 Gemeinden, vorwiegend im Großraum Linz, Ortsplaner oder Berater in Planungsfragen. Der 59-jährige Linzer betreut unter anderem Wilhering, Pasching und Pucking.

1 Herr Lueger, was ist das Besondere an der Baukultur in Ottensheim?
Das Besondere ist, dass es so ein breites Feld an Personen gibt, die beim Thema Bauen aktiv sind. Außerdem gibt es viele Bereiche, in denen Schwerpunkte gesetzt werden, von der Kultur bis zur Straßen- und Marktplatzgestaltung. Die Gemeinde hat eine umfassende, langfristige Strategie.

2 Die Gemeinde setzt auch stark auf die Einbindung der Bevölkerung.
Ja. Es gibt zum Beispiel eine Bauberatung, wo Projekte schon im Vorfeld besprochen werden, um unnötigen Ärger zu verhindern.

3 Was sind die großen Herausforderungen für die Zukunft von Ottensheim?
Ein Problem sind fehlende Parkplätze im Zentrum. Hier schlagen wir vor, an Verknüpfungspunkten mit dem öffentlichen Verkehr in akzeptabler Entfernung Sammelstellplätze zu errichten.

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Artikel hes 14. November 2012 - 00:04 Uhr
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