Linzer Straßen

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Bild: VOLKER WEIHBOLD
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Unionstraße: Alte Zünderfabrik ist Namensgeber

  • Ab 1885 wurden in Linz Union-Zündhölzer produziert, 1895 wurde die Straße in Unionstraße umbenannt.
  • Die vierspurige Unionstraße verläuft auf rund 2,4 Kilometern zwischen Wienerstraße und Gaumberg.

Unionstraße

Treffen wir uns bei der Unionkreuzung" – diesen Treffpunkt zwischen Union-/Wiener- und Hamerlingstraße haben wohl schon unzählige Linzer ausgemacht. Weil er zentral liegt und mit dem Auto sowie mit den – an dieser Stelle unterirdisch geführten – Straßenbahnlinien 1 und 2 gut erreichbar ist.

„Bei uns im Pizza-Mann-Lokal schaut es ziemlich lässig aus. Manche sagen,sie kommen sich da vor wie in Amerika.“
Markus Wolfsteiner, Pizza Mann in der Unionstraße

Die vierspurige Unionstraße selbst kennen viele eher nur vom Durchfahren, es sei denn, sie arbeiten dort. Etwa bei den ÖBB, die dort die Lehrwerkstätte betreiben und den technischen Service angesiedelt haben, oder bei einer von drei Personalfirmen. Die OÖNachrichten haben bei ihrer Tour durch die rund 2,4 Kilometer lange Straße aber lohnende Zwischenstopps gemacht und viel Berichtens- und Sehenswertes gefunden.

Türkisch einkaufen

Auch ein Einkaufsbummel im türkischen Supermarkt Kay-Sonic lohnt sich. Frisches Obst und Gemüse gibt es dort ebenso zu kaufen wie typische Kost. Ein echtes Kleinod ist die Schuhreparatur Kopatsch, die über mehrere Generationen den Weg von Krumau in Tschechien in die Linzer Pfarrgasse, von dort in die Europastraße und seit 1999 in die Unionstraße 90 gefunden hat. Eintauchen in eine fremde Kleiderwelt ist in der Gül Butik möglich. Dort wird muslimische Kleidung angeboten. Wer landläufig als Petrijünger, also Fischer, bezeichnet wird, findet im Anglershop "Fisherman’s Partner" das geeignete Equipment. Im Gasthaus Eckerl (Nr. 92) wird hauptsächlich Hausmannskost angeboten. Im Union-Café (Nr. 53) gibt es wochentags ein Mittagsmenü um 5,90 Euro. Dort treffen sich auch Dartsfreunde.

Interessantes zur Unionstraße

  • „Bei uns kann man stets in Kurse für den B-Führerschein einsteigen“, sagt Yunus Özdemir von der Fahrschule City Driver in der Unionstraße 35. Die City-Driver-Zentrale ist in Wels, eine weitere Filiale in Grieskirchen.
  • Auch in der Unionstraße hat der Linzer Stadtbaumeister und Architekt Curt Kühne (1883–1963) markante Spuren hinterlassen: die viergeschoßige, 1927 erbaute Wohnhausanlage Unionstraße 50 bis 70.
  • Die ÖBB haben an der Unionstraße wichtige Einrichtungen: die Lokomotiven-Werkstatt, die Zugleitung, die Lehrwerkstatt, die Wagenwaschanlage, das Anlagen-ServiceCenter, die Triebwagenwartung.
  • Die größte Taxizentrale Oberösterreichs hat ihren Sitz an der Ecke Unionstraße / Bahrgasse 2. Bei der Gründung im Jahr 1965 gehörten 30 Fahrzeuge zu Taxi 6969, heute sind es mehr als 200.
  • Aus Union-Streichhölzern wurde im Jahr 1903 „Solo“.

Schuhmacher

„Ich bin jetzt die dritte Generation, mein Großvater hat 1946 in Linz eine Schuhmanufaktur eröffnet und war zuvor in Krumau tätig.“
Reinhard Kopatsch, Schuhmacher

Der Exot an der Unionstraße

In seiner Jugend hatte es Reinhard Kopatsch (47) nicht unbedingt zu den Schuhen hingezogen. Statt seinem Vater und seinem Großvater in dieses Metier zu folgen, begann der Linzer in der früheren Chemie als Verfahrenstechniker zu arbeiten. Im zweiten Bildungsweg landete er dann doch noch bei der Fußbekleidung.

Somit setzt Kopatsch eine Familientradition fort. „Ich bin jetzt die dritte Generation, mein Großvater hat 1946 in Linz eine Schuhmanufaktur eröffnet und war zuvor in Krumau tätig.“ 1993 absolvierte Reinhard Kopatsch die Ausbildung zum Schuhmacher und übernahm dann eines der Geschäfte von Vater Ewald. „Am Anfang war es geschäftlich sehr schwierig“, erinnert sich Kopatsch, der selbst „circa 15 Paar Schuhe besitzt.“ 1999 schloss er die bestehenden Filialen und eröffnete das Geschäft an der Unionstraße 90.

Kooperationen mit Ketten

Besser wurde die wirtschaftliche Situation durch die Kooperationen mit großen Ketten, die bis heute bestehen. Diese bringen kaputte Schuhe von Kunden an die Unionstraße, wo sie Kopatsch repariert. „Dabei wissen die Jugendlichen oft gar nicht mehr, was ein Schuhmacher eigentlich kann. Sie wissen aber, wo sie reklamieren können.“ Trotz der Zusammenarbeit mit den großen Betrieben sind die Zeiten für einen Schuster schwierig geworden. „Ich bin mittlerweile so etwas wie ein Exot“, sagt Kopatsch. So habe es in den 1980er-Jahren mehr als 20 Schuster in Linz gegeben, „heute sind es fünf“.
Nicht zuletzt aus diesem Grund hat der 47-Jährige ein zweites berufliches Standbein. Dazu kehrte er zu seinen beruflichen Wurzeln zurück und arbeitet in einem Betrieb im Chemiepark. Die Öffnungszeiten seines Geschäftes richten sich deshalb nach seinem Schichtdienst. Dennoch genießt Kopatsch seine Arbeit als Schuster. „Hier kann ich mich entfalten.“

Unionstraße
Unionstraße     
Bild: gsto Erhard Gstöttner

Eckerl

"Die Tage werden schon oft sehr lange. Oft von aller Früh bis Mitternacht oder noch länger. "
Christa Gallistl, Gasthaus "Eckerl"

Drei Fragen an Christa Gallistl

Sie führt seit drei Jahren das Gasthaus Eckerl in der Unionstraße Nummer 92. Die Arbeit ist oft mühsam und die Arbeitstage sind lang, trotzdem bereut sie keine Sekunde, dass sie sich hier selbstständig gemacht hat.

  1. Die Unionstraße ist nicht unbedingt ein Touristenmagnet. Wie geht das Geschäft?

    Wir sind zufrieden. Es kommen viele Gäste, die schon den Vorgänger-Wirt besucht haben, und ich habe auch einige Gäste aus dem Lokal, in dem ich früher gearbeitet habe, mitgenommen.
  2. Sie führen den Betrieb gemeinsam mit Ihrem Ehemann. Wird das nicht ab und an zu stressig?

    Die Tage werden schon oft sehr lange. Oft von aller Früh bis Mitternacht oder noch länger. Wir suchen deshalb momentan auch eine Aushilfe für zehn oder 15 Stunden in der Woche.
  3. In der Nacht auf Aschermittwoch 2014 wurde in Ihr Lokal eingebrochen. Fühlen Sie sich in der Unionstraße noch sicher?

    Die Polizei sieht man hier zwar selten Streife fahren, aber ich fürchte mich hier nicht. Die sind bei uns übers Fenster eingestiegen und haben Zigaretten und ein bissl was anderes gestohlen. Mich wundert bis heute, dass die sich das getraut haben, wo doch genau vor unserer Tür ein Taxistand ist. Da steht eigentlich immer wer. Aber es ist auch schon in die meisten Betriebe in der Nachbarschaft eingebrochen worden. Wir haben danach eine Videokamera installiert.
20. Januar 2015

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