Linzer Straßen

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Bild: Wassermann Waldemar (OON)
Bild: Wassermann Waldemar (OON)

Linzer Reeperbahn ist Ort der Medizin und des Glaubens

  • Seilerzeuger gaben der Seilerstätte ihren Namen, die Hamburger Reeperbahn wurde ebenfalls nach den Handwerkern benannt.
  • Krankenhäuser: Mit dem Nachtleben hat die Straße nichts zu tun, stattdessen stehen Spitäler und der Glaube im Vordergrund.

Seilerstätte

Dass die berühmt-berüchtigte Reeperbahn, Zentrum des Hamburger Nachtlebens, und die eher beschauliche Linzer Seilerstätte etwas gemeinsam haben, mag viele überraschen. Doch beide Straßen verdanken ihre Namen den Seilmachern. 1869 erhielt der kurze Straßenzug, der die Rudigierstraße mit der Langgasse verbindet, seine heutige Bezeichnung. An die Namensgeber erinnert außer den Straßenschildern aber kaum etwas.

"Wir haben Bio-Mode, ausgefallene Schnitte, fließende Materialien. Von Größe 36 bis 50 wird man bei uns fündig.“
Gabriele Dobersberger, Skizzo, Langgasse 10

Stattdessen dominieren heute die Marienschwestern vom Karmel und die Krankenhäuser der Barmherzigen Schwestern und der Barmherzigen Brüder die Szenerie. Die beiden Spitäler nehmen die gesamte Westseite in der Seilerstätte für sich ein. Die beiden wuchtig wirkenden Ordenskrankenhäuser sind durch einen unterirdischen Gang miteinander verbunden.

Auch auf der gegenüberliegenden Seite steht eine Ordensgemeinschaft im Vordergrund. Hier sind die Marienschwestern vom Karmel zu Hause. An der Ecke zur Rudigierstraße fertigen sie liturgische Kleidung. Ein paar Häuser weiter wohnen die Schwestern. Wohl wenigen bekannt ist die kleine Kirche des Ordens, die sich ebenfalls in der Seilerstätte befindet. Diese ist, sofern geöffnet, einen Besuch wert. Es gilt sich dort aber besonders ruhig zu verhalten, da meist betende Ordensschwestern anzutreffen sind. Doch nicht nur die Medizin und der Glaube, auch der Frieden spielt in dem Straßenzug eine wichtige Rolle. Befindet sich doch in der Mitte der Seilerstätte der Friedensplatz. Auffällig ist hier vor allem der Brunnen der Menschenrechte, der von Günther Miklenic, Peter Paszkiewicz und Kurt Weckel gestaltet wurde.

Gleich daneben steht das kulinarische Wohl im Vordergrund. Zwei Lokale bieten asiatische beziehungsweise Mittelmeerküche. Und davor laden Bänke zum Verweilen ein. Diese werden aber oft von Obdachlosen besetzt.

Interessantes zur Seilerstätte

  • Stützmieder,Bademoden,Milchpumpen und vieles mehr sind beim Bandagisten Heindl (Hafferlstraße/Ecke
    Seilerstätte) erhältlich. „Wir produzieren auch selbst Einlagen“, sagt Filialleiterin Manuela Jahn.
  • 420 Parkplätze finden sich in der Tiefgarage am Beginn der Seilerstätte. 200 der insgesamt 420 Stellplätze sind für Dauerparker vorgesehen. Der Parktarif beträgt untertags 1,20 Euro pro angefangener 30 Minuten.
  • Sowohl auf die indische als auch auf die chinesische Küche hat sich das Restaurant Chindia an der Ecke zur Magazingasse spezialisiert. Von Montag bis Freitag gibt es auch ein Mittagsbuffet.
  • Von den unterschiedlichen Küchen des Mittelmeerraumes ist die Philosophie des Lokales Antebia an der Magazingasse/Seilerstätte beeinflusst. Außerdem stehen zu Mittag preiswerte Menüs zur Auswahl.
  • Die Seilerstätte ist kurz, das Verkehrsaufkommen in der schmalen Verbindungsstraße ist aber hoch.

Floristin

"Wir beziehen viele Blumen von heimischen Händlern. So arbeiten wir unter anderem mit dem Stift Wilhering zusammen."
Margit Krennmayr, Floristin

Interview mit Margit Krennmayr

In die Fußstapfen ihres Vaters, Ernst Mayr, trat die 50-jährige Floristin. Nachdem sie viele Jahre bei ihrem Vater mitgearbeitet hatte, war es im Jahr 2000 so weit. Damals übernahm Krennmayr, die in Leonding zu Hause ist, das Blumengeschäft Mayr (Friedensplatz 4). „Die Arbeit ist nach wie vor abwechslungsreich und ich habe einfach gerne mit den Kunden zu tun“, sagt Krennmayr.

  1. Die Seilerstätte beziehungsweise der Friedensplatz ist heutzutage vor allem wegen der Krankenhäuser bekannt. Wie sehr profitieren Sie beim Blumenverkauf von den Spitälern?

    Die Besucher von Patienten sind eine gute Laufkundschaft, aber wie viel diese Kunden beim Verkauf ausmachen, lässt sich schwer beurteilen.
  2. Welche Pflanzen sind in diesem Jahr besonders angesagt?


    Momentan vor allen Dingen Herbstblumen, wie zum Beispiel Gerbera. Beliebt sind auch Sonnenblumen und natürlich Rosen. Eine schöne Rose ist eigentlich immer aktuell.
  3. Sie verkaufen nicht nur Blumen, sondern haben in Leonding auch ein eigenes Gewächshaus.

    Das haben wir vor zwei Jahren geschlossen. Es hat sich nicht mehr rentiert. Wir beziehen aber viele Blumen von heimischen Händlern. So arbeiten wir unter anderem mit dem Stift Wilhering zusammen. Natürlich haben wir auch Pflanzen aus dem Ausland, etwa aus Holland. Ohne die würde es nicht gehen.

Marienschwestern

Schwester Michaela  
Bild: VOLKER WEIHBOLD

„Was ich tue, tue ich mit ganzem Herzen“

Mit zwölf Geschwistern wächst Michaela im Bezirk Zwettl in Niederösterreich auf. Die Eltern leben den Glauben vor. Das Tischgebet in der Früh, mittags und abends ist bei der Familie üblich. Auch der Besuch der Sonntagsmesse war ein Muss. „Ich hatte nie das Gefühl, dass unsere Eltern uns etwas aufoktroyieren. Wir taten das aus freien Stücken“, sagt Schwester Michaela.

Mit 14 Jahren dann ein besonderes Vorkommnis: Michaela wacht eines Sommermorgens in den Ferien auf und fragt sich, warum sie nicht aufsteht, um beim Sonntagsgottesdienst um sechs Uhr dabei zu sein. Für das junge Mädchen damals ein Zeichen ihrer Berufung. Im Alter von nur 15 Jahren tritt sie dem Orden der Marienschwestern vom Karmel bei. Die Trennung vom Elternhaus ist für die Eltern schwieriger als für die junge Frau. „Später waren sie sehr froh über den Weg, den ich eingeschlagen habe“, sagt Generaloberin Schwester Michaela.

Ob sie jemals verliebt war? Da sei vielleicht einmal eine Schwärmerei gewesen. Aber eher war es umgekehrt. Die jungen Männer haben nach ihrem Eintritt ins Kloster gefragt, warum sie ins Kloster gegangen ist, wo sie doch bestimmt einen Mann gefunden hätte, erzählt die heute 58-Jährige und ein Schmunzeln huscht über ihr Gesicht. Als eine ihrer Schwestern heiratet und Mutter wird, stellt sich für die junge Frau damals die Frage, ob das nicht auch eine Option gewesen wäre. „Ich habe dann festgestellt, Ehefrau und Muttersein ist ebenso Berufung wie Ordensfrau zu sein. Aber was ich tue, tue ich mit ganzem Herzen. Meine Berufung war und ist es, Ordensfrau zu sein.“

Schwester Michaela ist ausgebildete Krankenschwester, Heilmasseurin und Bademeisterin und auch den Führerschein hat sie gemacht. Seit 1994 ist sie Generaloberin der Marienschwestern vom Karmel. Im Mutterhaus in Linz leben etwa 30 Schwestern unter einem Dach.

Marienschwestern von Karmel  
Bild: VOLKER WEIHBOLD
Von n Sandrine Wauthy, Christopher Buzas und Stefanie Webinger, 21. Januar 2015

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