Linzer Straßen

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Bild: VOLKER WEIHBOLD
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Lebensqualität zwischen Landstraße und Südbahnhof

  • Außergewöhnlich: Zwischen eleganten Damenmodegeschäften und Spielwaren für Buben zwischen 3 und 93.
  • Soziales Linz: In der Bürgerstraße ist der städtische Kindergarten in einer Villa mit großem Garten untergebracht.

Bürgerstraße

Die Häuser sind zu hoch. Sonst würde die Bürgerstraße unten im Osten an der Kantstraße beim Südbahnhofmarkt wirken als wäre sie in einer lauschigen Kleinstadt. So ruhig ist es hier. Die Innenhöfe werten die Wohnqualität zusätzlich auf, ebenso die Nahversorger auf dem Markt. An der Familienkirche wird die Ruhe zerfetzt. Autos jagen Tag und Nacht durch die Dinghofer-Einbahnstraße Richtung Donau.

Im "Türkenviertel"

Dennoch ist die Bürgerstraße eine angenehme Gegend. Jetzt sticht der neobarocke Bau mit der Hausnummer 44 ins Auge. Das 1905/06 nach Plänen von Gustav Steinberger errichtete villenartige Haus ist seit 1969 Kindergarten, an schönen Tagen spielen die Kleinen im großen Garten.

„Ob Braut, Bräutigam, oder Festgäste – wir haben immer mit glücklichen Menschen zu tun, as ist das Schöne an unserem Job."
Christine Rührlinger, Harry+Sally, Bürgerstraße 6

Die Bürgerstraße ist eine gute Straße. Dass sie im Neustadtviertel ("Türkenviertel") liegt, merkt man im Bereich der Kreuzung mit der Humboldtstraße, der vom Hessenplatz stadtauwärts führenden Einbahnstraße. Hier hört man öfters Türkisch als sonst, auch so mancher Ladenbesitzer spricht türkisch. Vor 20 Jahren war die Situation im Neustadtviertel aufgeheizt. Heute gibt es laut Polizei keine Probleme mit Migranten.

Je näher wir zur Landstraße kommen, desto schicker wird die Bürgerstraße. Beim Haus mit der Nummer 3 (jetzt "Podium2") werden Menschen, die zumindest die Siebzigerjahre bewusst erlebten, wehmütig: Hier war das Rosenstüberl. Auf Nummer 1 ist es nun schick und mondän: Im Geschäft Moondress gibt es wunderbare Damenkleider und Roben.

Interessantes zur Bürgerstraße

  • Ausgefallene Mode, Sonnenbrillen, Schmuck und Accessoires von den 50er bis in die 90er Jahre und alles aus zweiter Hand. Echt retro geht‘s im Moschi Modeantiquariat von Helga Köhl (Bürgerstraße 23) zu.
  • 264 Jugendherbergsbetten gibt es im Linzer Stadtgebiet. Wer Fragen zu den Angeboten des oberösterreichischen Jugendherbergsverbands hat, ist im Landes-Sekretariat in der Bürgerstraße 5 richtig.
  • Burcu Kaya hat im „Diva Modehaus“ in der Bürgerstraße 9 elegante Looks für Frauen. „Mir ist wichtig, dass es chic, aber leistbar ist.“ Exklusives von Cocktailkleid bis Abendrobe findet frau hier. 
  • „Unsere Speisen finden Sie nicht überall“, sagt Okan Kücükkaya, Chef des Lokals Mr. Kumpir (Bürgerstraße 10). Bekannt ist die Gaststätte unter anderem für die Ofenkartoffeln. Dabei können die Gäste aus verschiedensten Füllungen wählen.  
  • Nicht nur Wurstwaren aller Art finden sich in der Filiale der Fleischerei Wegschaider (Bürgerstraße 2). Auch Käsesorten, Brot, Salate und Getränke werden angeboten. Dazu gibt es Mittagsmenüs um 5,90 Euro.

Interview

"Die Probleme mit der türkischen Community haben sich ganz gelegt. Problematisch sind die Parks im Überwachungs- gebiet der Inspektion Bürgerstraße."
Stadtpolizeikommandanten Brigadier Karl Pogutter

Interview mit Stadtpolizei- kommandant Karl Pogutter 

Seit September 2013 gibt es in der Bürgerstraße 43 eine Polizei- Inspektion: Anderswo werden Wachzimmer zugesperrt, in der Bürgerstraße wurde ein neues eröffnet. Die OÖNachrichten sprachen darüber mit dem Linzer Stadtpolizeikommandanten Brigadier Karl Pogutter.

  1. Warum wurde das Wachzimmer aus der Schubert- in die Bürgerstraße verlegt?

    Der Mietvertrag für die Inspektion in der Schubertstraße ist ausgelaufen. Darum übersiedelten wir in ein Bundesgebäude in der Bürgerstraße. Dort machen insgesamt 40 Beamtinnen und Beamte der Polizei Dienst.
  2. Was war der Grund, dass im Neustadtviertel 1998 ein Wachzimmer eingerichtet wurde?

    Anfang der Neunzigerjahre war es in der türkischen Community zu einer sehr heftigen Auseinandersetzung gekommen. Daraufhin entwickelte sich eine politische Diskussion und die Forderung, im Neustadtviertel ein Polizeiwachzimmer zu etablieren. 1998 wurde schließlich das Wachzimmer Hauserhof aufgelassen und in die Schubertstraße verlegt.
  3. Gibt es im Neustadtviertel, mitunter auch „Türkenviertel“ genannt, besondere Sicherheitsprobleme?

    Die Probleme mit der türkischen Community haben sich ganz gelegt. Problematisch sind die Parks im Überwachungsgebiet der Inspektion Bürgerstraße. Im City-, Hessen- und Schillerpark haben wir Probleme mit Betrunkenen und Bettlern.
Flamingos  
Bild: ABC (OON)

Rosenstüberl

Das weltbekannte Linzer Tanzlokal

Das Rosenstüberl in der Bürgerstraße, der City Club und Weltstar Belafonte. Anfang der Siebzigerjahre kamen die Ausgeflippten. Statt Foxtrott-Live-Musik dröhnten Hendrix’ Gitarren aus den Boxen. Der Schillerpark und das Kellertürl, bekannte Umschlagplätze für Drogen, waren nicht weit. Im Rosenstüberl spielte es sich total ab.

1973 war Schluss. Alfred Mitter sperrte das Tanzcafé, das sein Vater Matthias 1928 gekauft hatte, zu. Stattdessen gründete er im Haus Bürgerstraße 3 die noble Diskothek „City Club“, die im November 1981 weltberühmt wurde. Doch dazu etwas später.
Weit über die Grenzen von Linz hinaus bekannt war das Rosenstüberl schon in den Dreißigern. Damals spielten dort die durch Musiktourneen und Weltreisen bekannten „Steiner Brüder“. Dann bracht der Zweite Weltkrieg für das Tanzlokal schwere Probleme.

Ab 1945 herrschte wieder Hochbetrieb. Das Rosenstüberl wurde zum Club für US-Soldaten, in dem Live-Bands Swing-Musik spielten. 1948 übernahm wieder die Familie Mitter das Lokal. Bekannte Kapellen wie jene von Johannes Fehring spielten, die sogenannten oberen Zehntausend tanzten. Stars von damals wie Paul Hörbiger, Peter Alexander, Ivo Rovic und Caterina Valente traten im Rosenstüberl auf. Anfang der Sechzigerjahre steckte das Tanzcafé wieder in der Krise, die früheren Gäste suchten andere Lokale auf.

Nun half der Zufall. Rock ‘n’ Roller, die in Urfahr im Gasthaus „Zur Stadt Wien“ gespielt hatten, kamen ins Rosenstüberl, das nun RO hieß. Fortan spielten hier die Flamingos, die Fenders, Hubby Stein, Fatsy.

Im November 1981 kam Weltstar „King of Calypso“ Harry Belafonte nach einem umjubelten Konzert in der Linzer Sporthalle in das zum „City Club“ umgebaute RO. Belafonte sah am Eingang das Schild „Nur für Gäste mit deutscher Muttersprache“, verließ sofort das Lokal. Weltweit wurde darüber berichtet. Das einstige Rosenstüberl war nun weltbekannt.

19. Januar 2015

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