Linzer Straßen

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Bild: cb:BUZAS Christopher
Bild: cb:BUZAS Christopher

Hier führte Marie Antoinettes Weg zu Hochzeit und Schafott

  • Die Dauphinestraße im Stadtteil Kleinmünchen verdankt ihren Namen der Durchfahrt einer österreichischen Adeligen.
  • Greißler: Einer der letzten Greißler der Stadt betreibt hier seinen Feinkostladen: Christian Lohn.

Dauphinestraße

Wir schreiben das Jahr 1770. Es ist ein lauer Maientag und die Linzerinnen und Linzer säumen aufgeregt eine Straße im heutigen Kleinmünchen. Sie wissen, dass hier gleich die Kutsche der Erzherzogin Maria Antonia vorbeikommen wird. Die Tochter von Maria Theresia und Kaiser Franz I. ist auf dem Weg nach Schloss Versailles, wo sie Ludwig XVI. heiraten und somit Königin von Frankreich wird.

„Tapeten sind mittlerweile eherzu einem Dekoelement geworden. Fototapeten sind ein Hingucker an der Wand.“
Christian Katzmair, Raumgestaltung, Dauphinestr. 57

Was sie nicht wissen – und was ihnen vermutlich auch ziemlich egal gewesen sein wird – der Durchzug der Thronfolgerin (französisch: Dauphine) wird dieser Straße 1929 den Namen geben. Aus Maria Antonia wurde Marie Antoinette, der ein illustres, aber kein langes Leben beschienen sein wird: Am 16. Oktober 1793 wird sie 38-jährig in Paris enthauptet. Eines der vielen Opfer der Französischen Revolution.

Die Gegenwart einer der längsten Straßen der Stadt (3,1 Kilometer) hat weniger Spektakuläres, aber viel Erwähnenswertes parat. Zwei Gebäude erinnern an einstige Hoch-Zeiten. Das ehemalige Herrenhaus Löwenfeld steht seit Jahren leer, die Fenster sind mit Holz verschlagen.

Im Grillmayr-Schlössl – einst eine Mühle, dann ein Herrenhaus – wird als Firmenstandort genutzt.

In der Dauphinestraße geht auch ein echter Greißler seinem Geschäft nach – Christian Lohn. Im Lokal „Alte Brücke Mostar“ in der Dauphinestraße 224 betreibt Nihad Beganovic sein Restaurant mit typischen Speisen aus seiner Heimat Bosnien und Herzegowina. Seit den 60er-Jahren stand das Lokal noch nahe der weltberühmten Brücke in Mostar. 1992 flüchtete die Familie vor dem Krieg nach Linz, die Brücke wurde am 9. November 1993 zerstört und 2004 wieder aufgebaut.

Interessantes zur Dauphinestraße

  • „Mein Herr, ich bitte Sie um Verzeihung, ich tat es nicht mit Absicht.“ Marie Antoinette: Ihre letzten Worte am 16. Oktober 1793, zu ihrem Henker auf dem Place de la Concorde in Paris, dem sie auf den Fuß getreten war.
  • Im selben Gebäude wie der Kleinmünchener Brauhof befindet sich auch das Volkshaus (Dauphinestraße 19). Für Veranstaltungen stehen hier drei unterschiedlich große Veranstaltungssäle zur Verfügung.
  • Mit einer Länge von 3,1 Kilometern zählt die Dauphinestraße – zwischen Salzburgerstraße/Siemensstraße und Wiener Straße – zu den längsten Straßenzügen der Landeshauptstadt.
  • Egal ob Lebensmittel, Mode oder elektronische Geräte: Im Einkaufszentrum an der Dauphinestraße
    findet sich alles für den täglichen Bedarf. Auch ein eigenes Fitnessstudio für Frauen gibt es hier.
  • 60 Jahre - dieses Bestandsjubiläum feiert heuer die Firma OppolzerBau in der Dauphinestraße 73 mit Schwerpunkt Renovierung und Umbau. Die Firma beschäftigt im Schnitt 40 Mitarbeiter.
EKz Kleinmünchen
Dauphinestraße    
Bild: cb:BUZAS Christopher

Alte Brücke

„Mein bester Freund hat mir dieses Geschenk bei der Eröffnung meines Lokals gemacht.“
Nihad Beganovic und seine Tochter Amila vor der Kupfertafel im Restaurant „Alte Brücke Mostar“

Eine Erinnerung an die Heimat

Es ist eines der wenigen und wahrscheinlich kostbarsten Erinnerungsstücke, das Nihad Beganovic noch hat. Eine Kupfertafel, auf der die Brücke von Mostar zu sehen ist. „Mein bester Freund hat mir dieses Geschenk bei der Eröffnung meines Lokals gemacht.“ Jetzt ist es eine Erinnerung an die Heimat, seinen besten Freund und sein erstes eigenes Lokal.

Der 55-Jährige hat dieses in der Stadt Mostar in Bosnien vor mehr als 30 Jahren eröffnet. Direkt neben der abgebildeten Brücke. Wegen des Kriegs musste er die Stadt verlassen. Mit seiner Frau und den Kindern ist er 1992 nach Österreich gekommen. Seinen Traumberuf – Gastronom und Koch – aufzugeben, kam für den Bosnier nie in Frage. Vor 20 Jahren hat er sein Restaurant „Alte Brücke Mostar“ eröffnet, seit 15. Mai dieses Jahres ist es in der Dauphinestraße 224. Besonders stolz ist Beganovic darauf, dass die Familie zusammen- hilft. Tochter Amila ist fixer Bestandteil des Lokals. „Früher hat nur die Familie hier gearbeitet, seit wir uns aber räumlich vergrößert haben, habe ich auch externe Angestellte.“

Besonders bekannt ist das „Alte Brücke Mostar“ für seine typisch bosnischen Gerichte wie Cevapcici, Grillgerichte und Fisch. Der wird zwei Mal in der Woche frisch aus Kroatien geliefert. Beganovic steht jeden Tag selbst in der Küche und bereitet nach eigenen Rezepten frisch zu. Von Ruhetagen hält der Gastronom wenig, erzählt seine 26-jährige Tochter. „Mittlerweile haben wir Montag geschlossen, davor haben Mama und Papa keinen einzigen Urlaubstag gehabt.“ Was auch nicht fehlen darf: ein gutes Gläschen Wein zu den Speisen. Der wird bei Nihad Beganovic im eigenen Weinkeller gelagert. Rote und Weiße aus Kroatien, Bosnien, Mazedonien und Montenegro. Wenn es nach Nihad Beganovic geht, steht er auch die nächsten 20 Jahre im Lokal. „Ich mache das mit Herz und möchte nichts anderes tun.“

dauphinestraße
Dauphinestraße    
Bild: Sandrine Wauthy

Dienststelle

Interview mit Erich Webinger

Er ist seit 26 Jahren Dienst in der Dauphinestraße: Chefinspektor Erich Webinger, 59, ist seit dem Jahr 1976 Polizist. Die meiste Zeit davon hat er in der Dienststelle Denkstraße verbracht, in deren Verantwortung ein Großteil der Dauphinestraße fällt. Seit 1. November 2012 leitet er die Dienststelle.

  1. War Polizist zu werden ein großer Kindheitstraum von Ihnen? 


    Als kleiner Bursche ist es natürlich so etwas wie ein Traum, Polizist zu werden. Nach dem Bundesheer hat sich dieser Berufswunsch bei mir dann verfestigt. Ich glaube, man braucht einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ein großes Pflichtbewusstsein, um diesen Job gut zu machen.
  2. Ist die Dauphinestraße in punkto Polizeiarbeit in irgendeiner Weise auffällig?

    Es ist natürlich so, dass durch den Bau der Wohnsiedlung Auwiesen jetzt viel mehr Menschen hier unterwegs sind. Aber es gibt keine Tendenzen, dass die Kriminalitätsrate steigen würde. Die Straße ist eine wichtige Verkehrsachse und da passieren, wie auf allen stark befahrenen Straßen, immer Auffahrunfälle im Stau.
  3. Gibt es ein Erlebnis, das Ihnen besonders positiv in Erinnerung ist? 


    Wir hatten vor zwei Jahren eine Überfallserie auf Trafiken und Tankstellen. Ich habe einen Zeugen vernommen. Wenige Tage später ist dieser auf die Dienststelle gekommen und hat sich für das Gespräch bedankt. Da freut man sich schon.
 
21. Januar 2015

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