Linzer Straßen

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Bild: Schwödiauer (mediabox.at/Schwarzl)
Bild: Schwödiauer (mediabox.at/Schwarzl)

Hier entstand 1896 die Linzer Filmwelt

  • Der Minnesänger: Seit 1869 hat die Waltherstraße ihren Namen von Walther von der Vogelweide (1170 – 1230).
  • Kultur: Filmkunst, der Kunstmaler Fritz Aigner und dasBruckner-Konservatorium hatten hier ihre Heimat.

Waltherstraße

Lustvolle Erinnerungen haften an diesem zwischen Baumbach- und Klammstraße gelegenen Ort. Lange Abende im "Thüsen Tak", der legendäre "Willi Warma"-Sänger Kurt Holzinger als Schallplatten-Verkäufer im kleinen Geschäft, Filme von Ingmar Bergman und Jean-Pierre Melville im Lifka-Kino, mitunter begegnete man dem Maler Fritz Aigner (1930 – 2005), der hier sein Atelier hatte, das ist die Waltherstraße in meinem Gedächtnis. 

"Wir bieten Strickkleider aus hochwertigem Garn an. Auf Wunsch machen wir gerne auch Maß- anfertigungen.“
Marleen Weiß, Mitarbeiterin im Modeladen Masi

Diese Straße ist ein historischer Ort im Gefolge eines weltgeschichtlichen Ereignisses. Im Dezember 1895 führten die Brüder Lumière in Paris erstmals öffentlich einen Film vor. Nicht einmal ein Jahr später gab es im "Varieté Roithner" im Haus Waltherstraße 11 die ersten Filmvorführungen in Linz. Aus dem Varieté wurde 1909 das Lifka-Kino. 1989 war Schluss damit. Das Schild "Lifka’s Electric Theatre" an dem mittlerweile neu gebauten Haus erinnert noch an die 93-jährige Kino-Geschichte.

Seit 1869 heißt die Waltherstraße so, benannt nach Minnesänger Walther von der Vogelweide (1170 bis 1230). "Dom- und Neustadtviertel entstanden damals zur selben Zeit", sagt Walter Schuster, der Leiter des Linzer Stadtarchivs. Erstmals wandte man hier das Winkler-Hausnummern-System an: stadtauswärts rechts die geraden, links die ungeraden Zahlen.

Apropos Hausnummern: Im Haus Waltherstraße 24 war die Musikschule, aus der letztlich die Bruckner-Universität hervorging.

Die Straße mit den Gründerzeit-Häusern ist nicht schick. Doch trotz der vielen parkenden Autos hat sie etwas Angenehmes, wirkt durch Geschäfte wie "papierTiger" ein bisschen alternativ.

Interessantes zur Waltherstraße

  • An der Ecke Waltherstraße/Steingasse lebte von 1903 bis 1906 der Philosoph Ludwig Wittgenstein (1889–1951). Er war Externisten-Schüler der Realschule in der Steingasse, die auch Adolf Hitler besuchte.
  • Waltherstraße 24: 1873 entstand dieses Haus im Ringstraßenstil für Maria Freiin von Spiegelfeld. Ab 1909 war in diesem Gebäude das Bruckner-Konservatorium, das 1970 in einen Neubau nach Urfahr zog.
  • Waltherstraße 10: In diesem Haus hatte der Maler Fritz Aigner (Foto: APA) sein Atelier. Aigner, 1930 in Linz geboren, Absolvent der Wiener Kunstakademie, malte im Stil der alten Meister. Er starb 2005.
  • 280 Damenschritte benötigt man vom einen zum anderen Ende der Waltherstraße, vorausgesetzt, man kehrt nicht in eines der kleinen und geschmackvollen Geschäfte ein. Eine kurze, aber feine Straße.

Thüsen Tak

"Also legten wir los, quasi ohne Geld. Die Tischbeine waren Untergestelle von Nähmaschinen, die Wände klebten wir voll mit Zeitungspapier."
Walter Ilk, Thüsen Tak

Drei Fragen an Walter Ilk

Sie waren jung - und hatten eine Idee: Walter Ilk, heute Chef einer Eventagentur, und Tanzschulchef Michael Horn waren 24 und 19 Jahre alt, als sie in Köln eine Entdeckung machten, die die Jugendlokalkultur in Linz revolutionieren sollte.

  1. Herr Ilk, was war das denn für eine Entdeckung, damals im Jahr 1981?


    Ich war mit Michi Horn auf einem Europatrip. In Köln sahen wir ein tolles Jazz-Lokal. Ganz wild, die Elektroinstallationen hingen von der Decke, die Wände waren mit Plakaten zutapeziert. Wir waren begeistert. Zu Hause in Linz schlenderten wir zufällig durch die Waltherstraße, da fiel uns ein winziges, leer stehendes Lokal auf. Und wir beschlossen, hier ein Jazzlokal zu machen.
  2. Jugendlokale waren zu dieser Zeit in Linz noch Mangelware.


    Da gab es nichts. Das Wienerwald an der Promenade neben dem Traxlmayr war ein Jugendlokal, dann noch der Klosterhof. Die Altstadt gab es noch nicht als Partymeile. Also legten wir los, quasi ohne Geld. Die Tischbeine waren Untergestelle von Nähmaschinen, die Wände klebten wir voll mit Zeitungspapier. Es war eine wilde Sache.
  3. Wie kam es zum Namen des Lokals, Thüsen Tak?


    Wir waren damals auch in Dänemark, und wenn man in einem Lokal Trinkgeld gab, sagten die immer Thüsen Tak – Tausend Dank. 1983 haben wir das Lokal an einen gewissen Mike (siehe Foto) verpachtet. Er hat es schließlich gekauft und ein Hardrock-Lokal daraus gemacht.

Atteneder

Schuhmachermeister Atteneder  
Bild: VOLKER WEIHBOLD (mediabox.at/Schwarzl)

Im Reich von Meister Atteneder

I bin da Willi und du bist da Heli.“ Das Eis ist schnell gebrochen, wenn zwei Atteneders ins Gespräch kommen. „Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie viele Leute zu mir kommen und mich fragen, ob wir verwandt sind“, sagt der 47-jährige Willibald. Umgekehrt - bei Redakteur Helmut Atteneder - ist es nicht viel anders.

Von draußen nimmt sich die kunstvoll in strahlendem Blau gestaltete Fassade mit der goldenen Aufschrift „Meister Atteneder“ wie ein Irish Pub aus. Drinnen hört man Schubert und sieht Werkzeug und viele Schuhe aufgereiht in Holzregalen, auch nostalgische Fußball- oder Bergschuhe. Und man riecht Kleber. Mit verschränkten Armen steht derMeister Atteneder breitbeinig da, in seinem grünen, verklebten Schurz. Und in Birkenstock-Schlapfen.

Das Geschäft geht gut. 100 Stunden in seiner Werkstatt, in der auch das Büro, eine kleine Küche mit gemütlicher Sitzecke integriert ist, werke er jede Woche. „Alles nur Reparaturen, für neugefertigte Konfektionsschuhe habe ich einfach keine Zeit“, sagt Atteneder, der bei seinem Vater in Unterweitersdorf gelernt hat und schon mit zwölf Jahren jeden Tag in der Werkstatt gestanden ist. Maßgeschneiderte Schuhe kosten etwa 350 Euro, die halten dann dafür „furchtbar lang“, sagt er, denn „meine Kunden haben so wie ich hohe Ansprüche“.

Die Atteneders sind ein reiner Familienbetrieb. Meisterfrau Christa, die Gestalterin der Außenfassade, kümmert sich ums Büro und das Rundherum, der jüngere Meistersohn hat beim Vater gelernt und ist der prädestinierte Nachfolger.

Das Schuster-Handwerk stirbt indes langsam aus, weil nur etwa drei Prozent Schuhe in der Absicht kaufen, diese auch länger zu behalten. Meister Atteneder nimmt’s mit einem Grinsen zur Kenntnis. Wenig verwunderlich, denn manche Stammkunden halten dem Betrieb schon seit 40 Jahren die Treue.

21. Januar 2015

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