Linzer Straßen

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Bild: (hermann wakolbinger)
Bild: (hermann wakolbinger)

Entdeckungstour in der südlichen Leonfeldner Straße

  • Die ehemalige Landstraße nach Böhmen verbindet Linz mit dem Haselgraben und führt hinauf in das Mühlviertel
  • Zwischen Freistädter Straße und Harbach: der Wandel einer Straße, die nicht nur Einfallschneise und Ausfahrtsroute ist.

Leonfeldner Straße Süd

Man kann es feinfühlig ausdrücken: Auf der Leonfeldner Straße kommen Linzer in die erbauliche Hügellandschaft des Mühlviertels, um sich von der Hektik des Lebens in der großen Stadt zu erholen. Man kann es auch nüchtern formulieren: Auf der Leonfeldner Straße rollen und stauen jeden Wochentag Mühlviertler in ihren Blechkisten, um zu ihren Arbeitsplätzen in der Linzerstadt zu kommen. Am Nachmittag und Abend fahren die Mühlviertler wieder retour ins Hügelland.

Viele "Hitler-Bauten"

Man kann die Leonfeldner Straße auch historisch betrachten. Bis zur Machtergreifung der Nazis gab es dort nur wenige Häuser. Dann starteten die neuen Herrscher ihr Wohnbauprogramm, um Arbeitskräfte vor allem für die Göring-Werke (heute voestalpine) sowie die Stickstoffwerke (heute Chemiepark) einzuquartieren. Unabhängig von der Ideologie, die zu diesen Bauprojekten führte: Die Wohnqualität in diesen von vielen Linzer noch immer "Hitler-Bauten" genannten Wohnhäusern ist gut – noch besser, wenn diese Wohnhäuser, wie bei einem Teil in der Leonfeldner Straße, an den Heilhamer Park grenzen.

Spaziere ich heutzutage durch die Leonfeldner Straße, tauchen Erinnerungen an frühere Zustände auf: Am Anfang der Straße, an der Kreuzung mit der Freistädter Straße, gab es das Gasthaus "Edelweiß", ein wunderbarer Ort zum Essen, Trinken, Plaudern, Entspannen. 1990 mutierte das Gasthaus zum Restaurant "Bei Bruno". Seit einigen Jahren ist es vorbei mit der Geselligkeit. Denn nun steht an der Ecke Lonfeldner/Freistädter Straße ein ebenso markanter wie großer Neubau.

Weiter draußen, schon bei der Harbacher Kreuzung, gab es in dem großen Wohnhaus aus den Siebzigerjahren eine Filiale eines recht guten Fleischers. Doch die Fleischerei Laus gibt es auch nicht mehr. Was ist geblieben vom Reiz der Leonfeldner Straße? Ist sie nur noch Einfallschneise und Ausfahrtsstraße?

Neue Geschäfte kamen

Sie ist auch Wohngebiet, auch ringsum dicht besiedelt, allerdings durchquert von der stark befahrenen Straße. Und wie alle Stadtteile unterliegt die Leonfeldner Straße dem Wandel: kleine Geschäfte und Nahversorger verschwinden, zum Glück nicht alle. Spezialisten wie Ping Pong Shop und das Musikhaus Bauernfeind haben sich neu angesiedelt.

Musikhaus

Das einzige Musikhaus in Linz-Urfahr
Die Bauernfeind-Brüder Joachim und Markus in ihrem Geschäft in Urfahr  
Bild: Alexander Schwarzl

Das einzige Musikhaus in Linz-Urfahr

LEONFELDNER STRASSE 10. Von der Trompete bis zur Stromgitarre, vom Schlagzeug bis zum Keyboard, vom Verstärker bis zur Instrumentenwerkstatt, all das gibt es im Musikhaus Bauernfeind in der Leonfeldner Straße 10. Seit vergangenem August betreiben Markus und Joachim Bauernfeind ihr Geschäft an dieser Adresse, nachdem das Musikhaus zuvor 25 Jahre in Gallneukirchen etabliert war.

"Wir sind das einzige Musikhaus in Linz-Urfahr", sagt Joachim Bauernfeind, der sich um die kaufmännischen Angelegenheiten kümmert. Instrumentenmeister Markus Bauernfeind ist für Service und Reparatur zuständig.

Schwerpunkte im Angebot sind Blech- und Holzblasinstrumente, Konzert- und Akustikgitarren sowie Digital-Pianos. "Während Akustik- und Konzertgitarren sehr gut gehen, sind E-Gitarren und Schlagzeuge seit einiger Zeit wenig begehrt", erzählt Joachim Bauernfeind.

Reparatur und Service

Und es gibt auch einen Retro-Trend, zurück zum Röhren-Verstärker. Denn die würden einen so vollen und satten Klang erzeugen, wie es bis heute kein noch so hoch gerüstetes digitales Gerät kann. Der zweite Schwerpunkt ist Reparatur und Service. Instrumentenmeister Markus Bauernfeind ist Spezialist für alle Holz- und Blechblasinstrumente, für Gitarren und Ziehharmonikas.

Der Instrumenten-Spezialist trifft in der Arbeit auch auf manch Unappetitliches. Denn vor allem Blechblasinstrumente werden oft von Musiker zu Musiker weitergegeben, von Generation zu Generation. Mögen diese Instrumente außen blitzblank poliert sein, doch innen hat sich im Lauf der Jahre oft viel Speichel angesammelt. Da kann sich im Instrument sogar Schimmel ansetzen. "Darum ist es enorm wichtig, Blechblasinstrumente auch innen reinigen zu lassen", sagt Joachim Bauernfeind.

Letzter Greißler

 

Einer der letzten Greißler von Linz
Josef Wurm in seinem Laden an der Kreuzung Leonfeldner-/Linke Brückenstraße  
Bild: Alexander Schwarzl

Einer der letzten Greißler von Linz

LEONFELDNER STRASSE 54. "Vor einigen Jahren war es noch besser, jetzt komme ich mit Müh und Not über die Runden", sagt Josef Wurm. Der 65-Jährige ist einer der letzten Greißler von Linz. Mit seiner Tochter und einer Teilzeitkraft betreibt er seit 20 Jahren den Lebensmittelladen an der Kreuzung der Leonfeldner Straße mit der Linken Brückenstraße.

Wurm ist selbstständiger Kaufmann, gehört keiner Kette an, sondern muss selber beim Großhändler einkaufen. Eigentlich gibt es in seinem Greißlerladen alles. Die Auswahl ist freilich nicht zu vergleichen mit dem Angebot der Supermärkte. Kaufmann Wurm bietet allerdings besondere Leistungen für seine Kunden: "Freitag und Samstag mache ich Hauszustellungen." Das würden betagte Menschen in der Umgebung gern nutzen, sagt der Greißler.

Neben dem Zustellservice bietet Wurm noch Besonderes: eine eigenen Theke mit Waren der Urfahraner Fleischerei Hörlsberger, einer der besten nicht nur in Linz. Vor allem Schinken, die sehr guten Fertiggerichte und vor allem die Knödel von Hörlsberger sind gefragt.

Dass an der Leonfeldner Straße und in deren Umgebung relativ viele betagte Menschen wohnen, wirke sich auch auf die Greißlerei aus: "Die Leute schauen mehr aufs Geld. Und viele meiner ehemaligen Stammkunden sind mittlerweile gestorben." Allerdings kaufen auch jüngere Menschen im kleinen Laden ein. Oft besorgen sie aber nur das, was sie im Supermarkt zu kaufen vergessen haben. "Es gibt aber auch Menschen, die kaufen ganz bewusst bei mir ein, um einer Greißlerei beim Überleben zu helfen", erzählt Wurm.

Um über die Runden zu kommen, hat Wurm sein Geschäft montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr offen, samstags von 7 bis 12 Uhr. Dazu kommt das Einkaufen beim Großhändler, so dass der Kaufmann regelmäßig auf eine 70-Stunden-Woche kommt.

Interview
Bäckermeister Hochreiter  
Bild: Alexander Schwarzl

Interview mit Michael Hochreiter

Seit 1879 gibt es die Bäckerei Hochreiter in der Leonfeldner Straße 21: Michael Hochreiter ist Geschäftsführer der Bäckerei mit 15 Mitarbeitern. Pro Woche arbeitet er 70 Stunden.

  1. Herr Hochreiter, wann arbeiten Sie? Was machen Sie konkret?

    Von Donnerstag auf Freitag und von Freitag auf Samstag beginne ich um 23 Uhr in der Backstube, an den anderen Tagen um 0.30 Uhr. In der Backstube arbeite ich bis 4.30 Uhr. Dann fahre ich ausliefern und bringe Jause in Schulen und in Betriebe im Linzer Hafenviertel.
  2. Wie können Sie als kleiner Handwerksbetrieb gegen die Billig-Konkurrenz der Supermärkte bestehen?

    Das ist hart. Aber wir setzen konsequent auf Qualität und Spezialitäten. Wir verwenden für unser Brot ausschließlich Natursauerteig, legen Wert auf heimische Produkte, bieten auch kleine Einheiten für Single-Haushalte. Ich verwende auch noch Rezepte meines Großvaters und wir erzeugen zum Beispiel auch Buchteln, Pofesen, gebackene Mäuse.
  3. Wie viele Beschäftigte haben Sie und wie vermarkten Sie Ihre Erzeugnisse?

    Wir sind 15. Vor 15 Jahren waren wir noch 30. Wir haben das Geschäft in der Leonfeldner Straße und eines in St. Magdalena. Drei Filialen haben wir geschlossen. Unser Brot gibt es auch im Maximarkt, im Pro-Kaufland und in den Merkur-Märkten in Linz.
Von Erhard Gstöttner, 19. Juni 2015

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