Linzer Straßen

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Bild: VOLKER WEIHBOLD
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Eine lange Gasse mutiert auf zwei Kilometern vier Mal

  • Von der malerischen, engen Gasse zum Wohngebiet, zur Industriezone und schließlich zur Wohnhaussiedlung
  • Die Lederer, die einst am so genannten Ludlarm ihr Handwerk verrichteten, gaben der Gasse ihren Namen.

Lederergasse

„Ich bin in der Lederergasse aufgewachsen. Zurückgekehrt bin ich als Chef des Radreise- veranstalters Donautouristik.“
Manfred Traunmüller, Donautouristik, Ledererg. 4-12

Zwischen Pfarrplatz und der Mühlkreisautobahn verläuft die Lederergasse, die ihren Namen so eigentlich gar nicht verdient, weil Gassencharakter hat sie nur im "Oberlauf". Auf rund 1,6 Kilometern Länge wechselt die Gasse ihr Gesicht immer wieder. Zunächst malerisch eng, dann wird sie zur großzügig angelegten Wohnanlage – dort wo bis 2006 die Frauenklinik (Lederergasse 47) situiert war.

Die Klinik wurde übrigens unter Kaiser Joseph II. im Jahre 1788 als "Gebär- und Findelanstalt" gegründet und war in der Anfangszeit im Prunerstift untergebracht. 1833 wurde das Haus in das Lazarettgebäude (heute Lederergasse 33) verlegt. Zigtausend Kinder kamen hier zur Welt.

Marillen an der Autobahn

Weiter östlich geht die Gasse in ein Industriegebiet über – mit Betrieben wie Landhof, Spedpack, Sema oder Kamleitner & Kraupa. Und dann passiert noch etwas sehr Eigenartiges mit einer der längsten Gassen der Stadt. Dort, wo die Mühlkreisautobahn schon gut hörbar ist, tauchen Einfamilienhäuser auf. Teils mit schönen, gepflegten Gärten, saftig-reife Marillen werden hier gerade geerntet. Ab Anfang der 60er-Jahre entstand Stück für Stück die Verbindung zwischen der A1 in Ansfelden und dem Mühlviertel.

Die Lederergasse steht auch für Bildung (Kindergartenpädagogik- und Europaschule) und Ämter. Hier ist das Eichamt situiert, ebenso das Oberlandesgericht, die Oberstaatsanwaltschaft und die Rechtsanwaltskammer. Zu Beginn der Gasse, gegenüber dem Pfarrplatz, ist ein "alter" Treffpunkt der Jugend beheimatet – das Ann & Pat. In der Lederergasse 10 soll 1611 bis 1612 Johannes Kepler gewohnt haben. Bis 1943 hieß der Straßenzug auch Keplerstraße.

Interessantes zur Lederergasse

  • Der Bad Leonfeldner Wilhelm Leitner leitet das Eichamtin der Lederergasse 19. Die neun Bediensteten dort sind unter anderem für die Kontrolle von Messgeräten (Zapfsäulen, Waagen, Taxameter...) zuständig.
  • Der Sprengel des Oberlandesgerichtes Linz umfasst Oberösterreich und Salzburg. Jährlich werden hier  etwa 2850 Fälle erledigt. Im selben Gebäude ist die Oberstaatsanwaltschaft Linz untergebracht.
  • Die Europaschule gibt es seit 1959 in der Lederergasse 35. Bis 1974 war sie Sprengelschule, dann Übungsschule. „Sie macht sich durch innovative Pädagogik einen Namen“, sagt Direktor Johannes Leeb.
  • 1788 gründete Kaiser Joseph II. die Gebär- und Findelanstalt, aus der später die Frauenklinik in der Lederergasse 47 wurde.

Frau Thaller

„Diese Momente der Ruhe sind halt selten, aber man gewöhnt sich ohnehin an den Lärm. Allerdings wären wir schon froh, wenn die Lärmschutz-wände höher wären.“
Berta Thaller, Bewohnerin der Lederergasse

„Die Autobahn, die hör’ ich nimmer“

Wenn es an der A7 staut, dann genießt diesen Umstand kaum ein Mensch so sehr, wie Berta Thaller. Die 85-Jährige wohnt am Ende der Lederergasse – keine 30 Meter neben – eigentlich unter – der Mühlkreisautobahn. „Diese Momente der Ruhe sind halt selten, aber man gewöhnt sich ohnehin an den Lärm. Allerdings wären wir schon froh, wenn die Lärmschutzwände höher wären“, sagt die Linzerin.

1960 waren die Thallers übersiedelt - von der hochwassergefährdeten Heimlhofstraße beim Hafen in die Lederergasse. Berta Thaller und ihr Mann Robert bauten sich ein Idyll, pflanzten Bäume im geräumigen Garten. „Es war wirklich ein Paradies hier“, sagt Berta Thaller. Dann kam die Autobahn. Zwischen 1962 und 1979 wurde die A7 Stück für Stück realisiert. Die Seniorin lebt dennoch gerne da: „Es gefällt mir hier einfach“, sagt sie und schaut hinüber zu ihrem Marillenbaum, der heuer besonders viele Früchte trägt.

Seit 1982 lebt Berta Thaller allein. Ihr verstorbener Mann Robert war weit über Linz hinaus bekannt. Als Kapellmeister und Trompeter der Linzer Buam unterhielt er Tausende Linzer – etwa beim Urfahraner Jahrmarkt, bei der Welser Messe – aber auch international, so in Chicago oder Nürnberg, spielten die Buam auf – und bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom. Ein Höhepunkt war ein Konzert für Papst Johannes XXIII. in Castelgandolfo.

Dazu kam noch der eigene Maler- und Anstreicherbetrieb, den die Thallers schupften. „Aber das ist lange her“, sagt Berta Thaller. Was ihr am Ende der Lederergasse besonders gefällt, ist die Infrastruktur, die in den vergangenen Jahren entstanden ist. Einst waren nur ein Greißler und ein Fleischhauer in der Nähe, „heute haben wir hier alles, von Supermärkten über Wirtshäuser bis hin zur Apotheke. Das schätzen wir hier in der Lederergasse sehr.“

Pfarrer

Lederergasse  
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Interview mit Josef Parteder

Seit 1978 ist Josef Parteder Pfarrer in der Gemeinde St. Severin in der Lederergasse 50. Als er als Pfarrer dort seinen Dienst antrat, wurde noch die Mehrheit aller neugeborenen Linzer in seiner Kirche getauft. Heute ist es in seiner Gemeinde beschaulicher geworden.

  1. In Ihren ersten beiden Jahren gab es in Ihrer Kirche noch unglaubliche 45 Taufen pro Woche. Wie kam es dazu?

    Vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil wurden die Kinder immer möglichst nah an ihrem Geburtsort getauft. Die alte Frauenklinik war damals noch genau gegenüber. Dort wurden Tausende Linzer geboren. Die meisten von ihnen wurden dann hier getauft. Anfang der 80er-Jahre hat sich das dann aufgehört.
  2. Klingt ein wenig wehmütig, als hätte St. Severin die besten Zeiten hinter sich...

    Natürlich haben wir geglaubt, dass die Frauenklinik für immer bleiben wird. Es kam halt anders. Statt der Klinik gibt es jetzt eine große Wohnsiedlung, die uns gegenüber liegt. Viele junge Familien wohnen dort. Trotz allem muss man sagen, dass früher mehr Menschen bei uns in den Messen waren. Ich glaube aber, dass in letzter Zeit die Offenheit gegenüber der Kirche wieder zunimmt.
  3. Kommen überhaupt junge Familie aus der Nachbarschaft in die Messen?

    Nur wenige. Viele von Ihnen suchen noch ihren Weg zu Gott, glaube ich. Ich lade aber alle herzlich ein, uns einmal hier zu besuchen.
Pfarrer Josef Parteder
Pfarrer Josef Parteder    
Bild: Philipp Hirsch
20. Januar 2015

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