Linzer Straßen

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Bild: Gstö (APA/EPA/FRANK RUMPENHORST)
Bild: Gstö (APA/EPA/FRANK RUMPENHORST)

Der Wandel der einstigen Saugasse zur bunten Vielfalt

  • Die Herrenstraße war vor zehn Jahren noch ein trauriges Aschenputtel im Reigen der Linzer Innenstadt-Gassen
  • Der südliche Teil ist allerdings auch heute noch benachteiligt und leidet vor allem unter dem Autoverkehr.

Herrenstraße

Einst lebten hier Schweine. Damals lag die heutige Herrenstraße außerhalb der Stadt Linz. Den meisten Häusern waren Schweineställe angeschlossen. Das war im 16. Jahrhundert. Seit 1710 hat die Straße ihren noblen heutigen Namen. Denn hier lagen etliche landgräfliche Herrenhäuser.

"Früher waren wir eine reine Fleischhauerei. 2008 haben wir das Konzept geändert und betreiben einen Imbiss und Vinothek.“
Michaela Walchshofer, Inhaberin der Alten Metzgerei

Im 20. Jahrhundert war die Herrenstraße von städtischem Leben geprägt. Doch der Wandel des Handels setzte der Straße stark zu. Die umsatzstarken Geschäfte konzentrierten sich an der Landstraße, viele kleine Läden und Nahversorger sperrten zu. Die Herrenstraße verkam zu einem Aschenputtel des innerstädtischen Kaufmannslebens. Die Kundenfrequenz sank gefährlich ab.

Wie lebenslustig es nun in der Herrenstraße zugeht, konnte man am Herrenstraßen-Fest im heurigen Juni in konzentrierter Form erleben. Kein Open-Air-Fest in der Linzer Innenstadt ist stil- und schwungvoller als das Herrenstraßen-Fest.

Am Anfang des Wandels zur neuen Herrenstraße stand das Engagement von Margarethe und Franz-Josef Perotti, die 2006 mit einem großen Herbstfest Bewohner und Kaufleute zu mehr Engagement für ihre Straße verführten. 2008 wurde die Straße zwischen Promenade und Neuem Dom neu gepflastert. Der nördliche Teil blieb Fußgeherzone, im Bereich zwischen Steingasse und Rudigierstraße wurde durch die Umwandlung in eine Begegnungszone das Tempo des Autoverkehrs gedrosselt. Neue Geschäfte und Lokale sperrten auf, bereits eingesessene Geschäfte nutzten ab sofort besser das Potenzial der Herrenstraße. Ab dem Neuen Dom ist die Herrenstraße allerdings noch Aschenputtel, leidet besonders unter dem Autoverkehr.

Interessantes zur Herrenstraße

  • Meine Kinderlein“ – so bezeichnet Maria Anderst ihre Hüte. Die Modistin leitet ihren gleichnamigen Hutsalon (Herrenstaße 8) seit 1976. Ihre Hüte wurden bereits in Ascot und zum Geburtstag der Queen getragen.
  • Chai Küsschen, Gute Laune oder Suppenhäubchen. So heißen Gewürzmischungen bei Sonnentor (Herrenstraße 3). Gemeinsam mit reinen Gewürzen gibt es 140 g’schmackige Zutaten.
  • Viele Jahre kellnerte Antonio Valdés im Café Traxlmayr. Im Jahr 2009 machte er sich selbstständig und eröffnete das Café Valdes in der Herrenstraße 7. Dort paart sich kubanisches Flair mit heimischer Kaffeehaus-Atmosphäre.
  • Was heute das Hotel zum Schwarzen Bären ist, war Richard Taubers Geburtsort. Der Tenor kam am 16. Mai 1891 im Haus Herrenstraße 9–11 zur Welt. Noch heute erinnert dort eine Tafel an den „König des Belcanto“.
  • Saugasse, so hieß die Herrenstraße 1595.

Neuer Dom

"Man muss sich an den Raum gewöhnen"

Genau wie der Kirchturm und die Rudigierorgel ist auch Maximilian Strasser untrennbar mit dem Neuen Dom an der Herrenstraße verbunden. Seit 1998 ist der 64-Jährige als Dompfarrer in Amt und Würden und kennt die monumentale Kirche so gut wie wohl nur wenige andere Personen.

Vor allem die Größe des Bauwerkes beeindruckt ihn nach wie vor. "Man muss sich an den Raum gewöhnen. Das ist eine Herausforderung, weil man für alles länger gehen muss als in anderen Kirchen", sagt Strasser. Das müsse er auch bei der Planung der Messen berücksichtigen, da zum Beispiel der feierliche Einzug in den 134,8 Meter hohen Dom mehr Zeit als in anderen Gotteshäusern in Anspruch nimmt. Besonders gefällt Strasser auch der Vorplatz, der in den Jahren 2008 und 2009 umgestaltet wurde. Kritiker hatten damals von "einer Steinwüste mit zu wenig Grünflächen" gesprochen. "Dabei stehen genauso viele Bäume wie zuvor", sagt Strasser.

Spielende Kinder vor dem Dom

Umso mehr freut es ihn, dass der Vorplatz heute gut angenommen wird. "Es gefällt mir, dass oft viele Kinder vor dem Dom spielen."

Neu ist seit dem Kulturhauptstadtjahr auch das Domcenter (Herrenstraße 36). Dort können sich Interessierte über die größte und nach dem Stephansdom zweithöchste Kirche Österreichs, deren Bau 1862 begann, informieren, Andenken kaufen und Führungen buchen.

Besonders belebt ist der hohe Mariendom naturgemäß am Sonntag. Vier Messen hält Strasser am Tag des Herrn. Dass der ehemalige Professor für Religionspädagogik an der Pädagogischen Akademie der Diözese arbeitet, wenn andere frei haben, stört ihn nicht. "Wenn die Leute am Sonntag frei haben, dann tue ich das Meine dazu, dass sie ihn feiern können", sagt der gebürtige Welser.

Dompfarrer Maximilian Strasser  
Bild: VOLKER WEIHBOLD

Jindrak

"Auch das Rezept der Linzer Torte ist noch von meinem Großvater. In unsren Linzer-Torten-Back-Workshops verraten wir die geheime Rezeptur aber natürlich nicht."
Leo Jindrak, Konditormeister

Interview mit Leo Jindrak

Leo Jindrak leitet die Konditorei in dritter Generation: 1929 hat Leo Jindrak I. seine Konditorei in der Herrenstraße eröffnet. Konditormeister Leo III. leitet den Familienbetrieb seit 1986. Gebacken wird mittlerweile in der Petzoldstraße, das Stammhaus ist größer geworden. Selbst greift der 52-Jährige nicht, wie man vermuten möchte, am liebsten zu einem Stück Linzer Torte, sondern zu Plundergebäck.

  1. Herr Jindrak, welche Süßspeise haben Sie als erstes zubereitet?

    Das weiß ich noch sehr genau, das war ein besoffener Kapuziner. Den hab’ ich als Sechsjähriger gemeinsam mit meinem Großvater aufgespritzt. So etwas vergisst man nicht.
  2. Verwenden Sie noch viele Rezepte, die noch von Ihrem Großvater herrühren?

    Manche Rezepte haben wir natürlich angepasst, Fett- und Zuckeranteil reduziert. Aber die Rezepte sind noch von ihm. Auch das Rezept der Linzer Torte ist noch von meinem Großvater. In unsren Linzer-Torten-Back-Workshops verraten wir die geheime Rezeptur aber natürlich nicht.
  3. Gibt es auch bei Mehlspeisen Trends?


    Früher war der Indianer mit Schlag sehr beliebt. Den machen wir nur noch selten. Aber vor allem Ältere wünschen sich den immer wieder. Im Moment greift man eher zu fruchtigen Torten und Mehlspeisen. Was aber natürlich immer aktuell ist, sind frische Pralinen, Klassiker wie die Esterhazy-Schnitte und in der Faschingszeit natürlich Krapfen.
In der Backstube von Leo Jindrak beim Krapfenbacken  
Bild: VOLKER WEIHBOLD
19. Januar 2015

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