Linzer Straßen

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Bild: VOLKER WEIHBOLD (APA/EPA/FRANK RUMPENHORST)
Bild: VOLKER WEIHBOLD (APA/EPA/FRANK RUMPENHORST)

Bethlehem war die Inspiration für eine spirituelle Straße

  • Bethlehemstraße: Das Stift Kremsmünster baute 1607 ein Nordisches Stift (heute Nordico) mit einer Kapelle, die der Kirche zu Bethlehem nachgebildet war.
  • Vielfalt: Heute ist die Straße – auch – ein Ort der Konfessionen.

Betlehemstraße

Nomen est omen: In der rund 650 Meter langen Straße zwischen Landstraße und Harrachstraße finden sich heute zahlreiche Einrichtungen kirchlicher Häuser. Die Synagoge etwa – ein Gebetsort jüdischer Gläubiger und leider immer wieder auch Schauplatz für Angriffe Ewiggestriger.

„Mit 20 habe ich mir um fünf Schilling eine Münze auf einem Flohmarkt gekauft. Ein Fünf-Pfennig- Stück aus dem Jahr 1923. Laut Katalog war sie 200 DM wert. Da habe ich begonnen, mir Wissen anzueignen."
Ernst Niedenhuber, Münzen Niedenhuber

Unweit der Synagoge findet sich die Elisabethinenkirche. Am 26. April 1745 hatte Kaiserin Maria Theresia die Erlaubnis zur Errichtung des Elisabethinenklosters erteilt. "Zum Zwecke, den erkrankten Dienstboten und anderen, besonders von ansteckenden Krankheiten befallenen, eine Zufluchtsstätte zu bereiten."

Irdisches und Lebendiges

In der Katholisch-Theologischen Universität, ebenfalls in der Bethlehemstraße angesiedelt, werden Theologen und Religionslehrer ausgebildet, die Caritas betreibt das Seniorenwohnheim Karl Borromäus und eine Servicestelle für pflegende Angehörige, und das "Urbi et Orbi" lädt "alle" zum Verweilen ein. Die Linz AG Bestattung ist im Winklerbau untergebracht.

Doch die Bethlehemstraße hat auch viel Irdisches und Lebendiges zu bieten: das Klavierhaus Merta etwa, oder den Hanfladen "Schall und Rauch". Maria Haslehner (Schlemmerei, Bethlehemstraße 1d) bietet "700 verschiedene Lebensmittel aus Österreich von Menschen, die ich kenne". Empfohlen sei auch das "Dodici" – ein Italiener –, vor allem der intime, ungestörte Tisch 13.

Die Pizzeria Alfredo ist hingegen geschlossen. Das Lokal hat Geschichte: Hier gab es die ersten Pizzen in Linz. Heute dient es als Herberge für Asylanten. Wer in der Innenstadt Parkplätze sucht, wird oft in der Bethlehemstraße fündig – unter anderem im City-Parkhaus mit 640 Stellplätzen.

Interessantes zur Betlehemstraße

  • Fritz Fröhlich (1910–2001): Der Linzer Maler und Lyriker schuf das Fresko der Synagoge in der Bethlehemstraße.
  • Esoterik und Spirituelles findet man in der „1. Buchhandlung für Grenzwissenschaften“ in der Bethlehemstraße 10 im ersten Stock über der „Grünen Erde“. Roswitha Schmidsberger ist Geschäftsführerin.
  • Seit 1988 gibt es den Sozialverein B37, der in der Bethlehemstraße 37 das Obdachlosenheim betreibt. Die Stadt kaufte damals das Gebäude, als sich die Heilsarmee von der Betreuung Obdachloser zurückzog.
  • Das Angebot im Franzesco in der Bethlehemstraße 1 ist übersichtlich, aber beliebt: Pizza (2,50 Euro Vierteleck), Dürüm, Kebab (auch vegetarisch). Nachtschwärmer werden Samstag/Sonntag bis 4 Uhr bedient.
  • Alle, die sich für ferngesteuerte Fahrzeuge aller Art interessieren, sind im Geschäft Radra (Bethlehemstraße 9) richtig. „Bei uns kaufen aber hauptsächlich Männer ein“, sagt Geschäftsführer Volker Mitterlehner.
  • 1200 Bestattungen führt die Linz AG, die im Winklerbau ein Büro ihrer Bestattungsfirma betreibt, pro Jahr durch. Eine Bestattung kostet durchschnittlich 3500 Euro“, sagt Karin Weilguny von der Linz AG.

Synagoge

Drei Fragen an Charlotte Herman

Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Linz

1876 wurde der Grundstein zum Bau der Synagoge in der Bethlehemstraße 26 gelegt. Der Kasseler Albrecht Rosengarten war der Architekt. In der Reichspogromnacht von 9. auf 10. November 1938 wurde das Bethaus durch Brandstiftung und Verhinderung der Löscharbeiten zerstört. Am 2. April 1968 wurde die neue Synagoge eingeweiht.

  1. Frau Herman, wie groß ist die jüdische Gemeinde in Linz?


    Gut 50 Menschen sind bei der Israelitischen Kultusgemeinde gemeldet. Wir sind also eine kleine Gemeinde. Man kann nur hoffen, dass die Gemeinde wächst oder zumindest bei dieser Größe bleibt.
  2.  Was zeichnet die Gemeinde aus, welche Fixpunkte gibt es?

    Die Gottesdienste freitagabends sind Fixpunkte, sowie die Abhaltung der religiösen Feiertage. Außerdem findet seit mehr als 25 Jahren einmal im Jahr eine Begegnung in der Synagoge statt, zusätzlich zu Gruppenführungen.
  3. Wie ist es um die Synagoge bestellt? Brauchen Sie immer noch Polizeischutz?

    Die Synagoge muss restauriert werden. Im Mauerwerk und in den Fresken gibt es Risse. Das ist unser nächstes großes Vorhaben. Den Polizeischutz bei religiösen Veranstaltungen und Gedenkfeiern gibt es seit Anfang der 80er-Jahre, als es einen Anschlag auf den Wiener Stadttempel gab. Wir sind sehr dankbar für den Polizeischutz.
Charlotte Herman  
Bild: Vowe: Weihbold Volker (OON)

Bastler

Im Luft*Raum ist Scheitern erlaubt

Fünf gesellschaftspolitische Initiativen haben sich in der Bethlehemstraße 30, an der Ecke zur Fadingerstraße, eingemietet. Vorher waren die Räumlichkeiten leergestanden. Im Mai 2013 packten Engagierte an, verputzten, malten, bauten Möbel und eröffneten im November einen „Ort für eigentlich eh alles“.

„Der Luft*Raum ist an der Schnittstelle zwischen Kulturellem, Sozialem und Ökologischem angesiedelt“, sagt Gerda Haunschmid vom Verein zur Förderung sozio-ökologischer Experimente. So ein Experiment kann zum Beispiel das samstägliche Handarbeiten in der Luft*Raum-NäKü (Nähküche), das Einkochen mit der Lebensmittel-Initiative Zquetschte Zwetschkn oder das Diskutieren in der IG Demokratie sein. Kreative Geister kommen auch gerne zu den Mittwoch-Terminen von Otelo. Das offene Technologielabor bietet unter anderem Repair Cafés an, wo zum Beispiel der kaputte Toaster unbürokratisch repariert oder zumindest gemeinsam getüftelt wird.

Raum für Wissensaustausch

Im Luft*Raum lernen Laien und Profis voneinander, Alt und Jung tauschen Ideen aus, entwickeln Konzepte und setzen sie um. Martina Eigner, die oft in der Nähküche anzutreffen ist, erklärt ein Prinzip des offenen Ateliers: „Scheitern ist erlaubt.“ Gerhard Mikulaschek, Talentetauscher und Gemeinschaftsgärtner, wirft ein: „Es geht nicht darum, eine Anleitung zu liefern.“ Mikulaschek hat vergangenes Wochenende zu einem „Auto-Didakt-Workshop“, also zum Erforschen des fahrbaren Untersatzes eingeladen.

„Bei uns gibt es keinen Konsumzwang, wir denken auch andere Ökonomien an und setzen auf das Teilen“, sagt die Netzwerkerin Haunschmid. „Wir sind Teil nachhaltiger Alltagskultur.“

Mehr Infos im Internet: luftraumlinz.wordpress.com

Bethlehemstraße: Luftraum  
Bild: VOLKER WEIHBOLD
19. Januar 2015

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