Linzer Straßen

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Bild: MARKUS PRINZ (APA/EPA/FRANK RUMPENHORST)
Bild: MARKUS PRINZ (APA/EPA/FRANK RUMPENHORST)

Attraktiver Ort in der Innenstadt mit viel Verkehr

  • Ehemaliger Wehrgraben: Der hakenförmige Linzer Stadtgraben zwischen Pfarrplatz und Taubenmarkt wurde 1784 zugeschüttet.
  • Wohlfühl-Orte und Anstößiges: Von Gesundheitsangeboten der besonderen Art über das Sexodrom zum Gastronomischen.

Graben

Der Straßenzug "Graben" beginnt beim Pfarrplatz. Dort rollen Tag und Nacht Autos neben den schmalen Gehsteigen. Trotzdem geht es hier menschlich zu. Das Haus Graben 3 ist zum "House of the rising sun" geworden, in dem es von Allgemeinmedizin bis zur esoterischen Massage allerlei Gesundes und Angenehmes gibt.

„Natürlich werden die Leute hin und wieder aggressiv. Aber da muss ich hart sein.“
Gerhard Bleiweiß, Chef der Pfandbörse, Graben 19. Der 47-Jährige kauft Dinge aller Art oder nimmt sie als Pfand. Kann ein Kunde die Zinsen nicht zahlen, gehören sie ihm.

Körperliches der besonderen Art kann man (vor allem Mann) im Haus Graben 5 konsumieren. "Ich habe dort seit 30 Jahren das Sexodrom", sagt der offiziell pensionierte Linzer Rotlicht-König Peter Stolz (67).

Verkehrspolitische Vision

Autoverkehr ist ein Hauptthema am Graben. Dass er eine der wichtigsten City-Fahrbahnen ist, ist nicht für ewig fix. Anfang der Neunzigerjahre hatten Linzer Verkehrspolitiker Visionen. Der damalige Planungsstadtrat Hans Nöstlinger und Baudirektor Franz-Xaver Goldner wollten den Graben zur Fußgeherzone machen. 1991wurde das an Einkaufssamstagen erprobt.

"Der Test verlief recht passabel. Nach Auskunft der Polizei kam es zu keinen wesentlichen Behinderungen des Autoverkehrs", berichteten die OÖNachrichten am 5. August 1991. Doch die Autos rollen und rollen. Trotzdem hat der Graben einiges zu bieten, auch als Ort zum Ausgehen.

Beim Taubenmarkt gibt es asiatische Fastfood-Lokale, das Kijani lockt mit Essen, Cocktails und Live-Musik (am 14. Mai 2014 spielte etwa der "Blonde Engel"), an der Ecke zur Kollegiumgasse gibt es im "Rox" ebenfalls gute Musik. Der Immobilienentwickler Christin Deutschbauer will den südwestlichen Teil des Grabens attraktiver machen: "Ich möchte den Neugebauer- und den Graben-Hof neu beleben."

Interessantes zum Graben

  • Am Graben 22 lockt Petra Zellan in die Boutique Christa. Damen erhalten hier eine Auswahl an Luxuslabels, von Giorgio Armani über Talbot Runhof bis hin zu einem großen Sortiment von Designer Brunello Cucinelli.
  • Sandrine Wauthy hat getestet: Vom Anfang des Grabens am Pfarrplatz bis zum Ende am Taubenmarkt sind es 348 Schritte. Die Stopps bei den Schaufenstern nicht eingerechnet, 348 dauert das exakt 3:10,08 Minuten.
  • Lediglich 26 Zimmer hat das Hotel Mühlviertlerhof (Graben 24), das Leopold Klinglmüller (Foto) führt.
    Die Gäste können auch unter sechs Themenzimmern, darunter einem Kamasutrazimmer, wählen.
  • Wilfrid Wetzl ist nicht nur Rechtsanwalt, sondern auch ein sehr modebewusster Mann. Er brachte Casa Moda auf den Graben 36. Dort werden nicht nur Frauen, sondern auch Männer auf der Suche nach besonderen Stücken fündig.
  • Acht Mitarbeiter hat GEA am Graben 25. „Den Laden in Linz gibt es seit zwanzig Jahren. Unser Klassiker ist der Waldviertler Schuh. Der kommt nie aus der Mode, ist langlebig und nachhaltig“, sagt Filialleiterin Angi Stumtner.

 

Neugebauer

"Wir haben hier um die 12.000 Bücher. Zum Beispiel ein Werk über Heilungsmethoden aus 1732."
Walter Neugebauer, Buchhandel

Interview mit Walter Neugebauer

Dem geschriebenen Werk war die Familie Neugebauer schon immer besonders zugetan. Seit 1798 verkaufen die Neugebauers Bücher, seit 1935 gibt es das Geschäft in Linz am Taubenmarkt/Ecke Graben.Walter Neugebauer (60) führt den Buchhandel in der sechsten Generation.

  1. Herr Neugebauer, Sie sind seit 1980 im Geschäft. Wie hat sich der Graben in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

    Die Straße hat sich gut entwickelt und wird auch noch weiter gewinnen, etwa durch die Wohnungen, die gerade in einem der Hinterhöfe gebaut werden. Wichtig wäre, dass sich noch mehr alteingesessene Unternehmen hier ansiedeln würden. Es braucht mehr Leitbetriebe am Graben.
  2. Ihre Buchhandlung ist so ein Leitbetrieb. Warum kommen Kunden heute noch immer zu Ihnen, wo doch die Konkurrenz der großen Ketten groß ist?

    Viele Kunden schätzen eine gewisse Beständigkeit und eine gute persönliche Beratung. Beides bieten wir an. Besonders spezialisiert sind wir unter anderem auf juristische Fachbücher.
  3. Sie haben nicht nur die Buchhandlung, sondern auch ein Antiquariat, in dem sich alte Werke finden. Welche seltenen Ausgaben finden sich hier?

    Wir haben hier um die 12.000 Bücher. Zum Beispiel ein Werk über Heilungsmethoden aus 1732.
     
alle
Viele Geschäfte am Graben  
Bild: haas

 

Herr der Filme

„Wir kämpfen nicht gegen die großen Betriebe, sondern wir ergänzen sie“
Wolfgang Steininger, Chef der Linzer Programmkinos

Zu Besuch beim Herrn der Filme

Die Liebe zu Kinofilmen ist Wolfgang Steininger (57) in die Wiege gelegt worden. „Ich bin quasi im Kino zur Welt gekommen“, sagt der Chef der Linzer Programmkinos. Bereits sein Vater führte in Taufkirchen an der Pram ein Lichtspieltheater. In dem Gebäude hatte die Familie auch ihre Wohnung, dort erblickte Steininger 1956 das Licht der Welt.

Schnell war klar, dass er in die Fußstapfen seines Vaters, der später das Kino in Freistadt übernahm, treten wird. Seit seinen Anfängen in der Local-Bühne Freistadt 1984 hat sich Steininger längst mit seinen Programmkinos, dem City am Graben und dem Moviemento auf dem OK Platz, in der Szene etabliert.

Das Publikum schätzt, dass der 57-Jährige viele Werke abseits des Popcorn-Kinos zeigt. Aber auch Mainstream-Filme stehen immer wieder auf dem Spielplan. Im Gegensatz zu den „großen Kinos“ wie Megaplex oder Cineplexx werden diese in der Regel in der Originalsprache (mit Untertiteln) gezeigt.

Von einem Konkurrenzverhältnis zu den Kino-Ketten will Steininger aber nicht sprechen.

„Wir kämpfen nicht gegen die großen Betriebe, sondern wir ergänzen sie",  sagt der Herr der Filme, der regelmäßig nach Wien fährt und sich dort bis zu sieben Streifen hintereinander ansieht. Den Graben bereichert er seit dem Jahr 1999 kulturell. Damals übernahm Steininger das City Kino, das genau wie das Moviemento vom Verein zur Förderung kommunikativer Kinokultur, dessen Geschäftsführer Steininger ist, betrieben wird.

Nebenbei ist der Filmliebhaber auch in Freistadt tätig, wo einst sein Vater das Kino übernommen hatte: „Hier ziehe ich mich schön langsam zurück, da mir mein Sohn viel hilft.“ Dass die Familie Steininger noch viele Jahre Filminteressierte in ihre Arthouse-Kinos lockt, scheint somit also gesichert.

19. Januar 2015

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