Linzer Straßen

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Bild: VOLKER WEIHBOLD
Bild: VOLKER WEIHBOLD

An der Rudolfstraße versteht man sein eigenes Wort nicht

  • Die Verkehrsbelastung ist an der Einfahrtstraße nach Linz in Urfahr unüberseh- und unüberhörbar das größte Problem.
  • Die Gemütlichkeit von einst ist gewichen, so wie sich viele Bewohner und Geschäftsleute verabschiedet haben.

Rudolfstraße

Vom Durchfahren kennt sie so gut wie jeder Linzer und Linz-Besucher. Und in den täglichen Stauwarnungen ist die Rudolfstraße ein sicherer Tipp. Der Verkehr ist die große Belastungsprobe für das Nadelöhr am Ende einer der am dichtesten frequentierten Einpendlerstrecken in die Stadt Linz.

Aus der Sicht des Einpendlers beginnt die Rudolfstraße an ihrem Ende. Dort, wo am Donauufer die Wasserskischule situiert ist und Vergnügen verheißt. Wer unten bleibt, mag die Idylle am Donauufer finden, die vor allem in Alt-Urfahr prägend ist. Wer heroben bleibt, schaut nur, dass er schnell durch ist.

Durch die Rudolfstraße zu gehen oder zu radeln, ist nämlich vor allem tagsüber kein Vergnügen. Der Lärm der Straße ist Dauerbegleiter. Es ist so laut, dass man sein eigenes Wort nicht versteht. Und zu den Stoßzeiten staut es sich noch, was die Belastung für die Menschen, die hier wohnen oder arbeiten, nicht geringer macht.

Dabei findet man noch einige, die an der Rudolfstraße ihren Geschäften nachgehen. Aber sie werden weniger. Wie auch die, die hier wohnen, wegziehen, wenn es die Möglichkeit gibt. Kein Wunder, wenn der „Lärm fast bis Mitternacht nicht aufhört“, wie es Bewohner schildern.

Die Lösung der Verkehrsproblematik, die sich durch den Bau der vierten Linzer Donaubrücke entschärfen soll, kommt vielleicht zu spät für eine Straße, die einst fast dörflichen Charakter hatte. Man kannte sich, man traf sich, man tauschte sich aus, und man hatte hier alles, was man zum Leben brauchte. „Es war gemütlich hier“, sagt mit Carlo Domandl einer der Langzeitbewohner. Heute hat die Verkehrsbelastung diese Gemütlichkeit vertrieben.

 

„Verkehr wird von Tag zu Tag schlimmer“

„Was mir Spaß gemacht hat, habe ich gemacht.“ Damit meint Carlo Domandl seine Malerei, die er immer noch hegt und pflegt, auch wenn die Zeiten viel schwieriger geworden sind. In seiner „Bilder-Greißlerei“ in der Rudolfstraße findet man dennoch viel Anschauungsmaterial und erkennt die talentierte Hand des Könners.

Dass der 75-jährige Künstler immer noch hier in seinem Atelier arbeitet und Bilder verkauft, hat mit seiner Lebensgeschichte zu tun. In Alt-Urfahr geboren und aufgewachsen, lebt Domandl seit 55 Jahren in der Rudolfstraße. Sein heutiges Atelier liegt gegenüber dem Haus, in dem er wohnt. „Ganz oben“, auf 90 Quadratmeter Wohnfläche und mit einer Dachterrasse samt dem „schönsten Blick“ auf Linz gesegnet und mit nur zwei Dachfenstern auf die Rudolfstraße-Seite, die er ohnedies nicht öffnen könnte. Zu laut ist es hier.

Domandl kennt die zwei Gesichter der Rudolfstraße. Das von einst und das von heute. Letzteres zwingt zum Schließen der Tür zum Atelier, um ein „paar Worte reden und sich verstehen“ zu können.

Verkehr gab es damals in der Rudolfstraße so wie gut wie keinen, sagt er. Man könne von einer guten Wohnstraße mit jeder Menge Geschäften sprechen. Heute seien „alle weggezogen oder weggestorben“. Dafür sind hier viele Ausländer einquartiert, und der „Verkehr ist unerträglich“ geworden, werde von Tag zu Tag schlimmer. „Du musst schauen, wie du heil über die Straße kommst. Die Rudolfstraße ist ein Wahnsinn. Es gibt leider nichts Positives zu berichten.“

Dabei war es auch hier einst so wie in Alt-Urfahr, wo heute noch die „heile Welt“ beginnt. „Es gab das Klangfilm-Kino, dann die kleine, liebenswerte Greißlerin, die Urfahraner Stuben, wo ich die besten Hascheeknödeln meines Lebens gegessen habe. Es gab Bäcker, Fleischhauer, Glaser und Geschäfte zum Einkaufen. Heute sind alle weg.“ Rückkehr ausgeschlossen.

Der Künstler Carlo Domandl lebt und arbeitet seit 55 Jahren in der Rudolfstraße.  
Bild: (Volker Weihbold)

Das Rathaus von Urfahr

Das Rathaus von Urfahr

Das Kinder- und Jugendservice der Stadt Linz sowie das Institut für Familien- und Jugendberatung arbeiten in einem geschichtsträchtigen Haus. Die Fassade deutet es an, ein Schild über dem Eingang klärt auf. Hier war das Rathaus Urfahr – bis zur Eingemeindung nach Linz 1919.

1850 wurden die Gründe für ein neues Rat- und Gerichtshaus und einen neuen Marktplatz – den heutigen Bernaschekplatz auf der dem Haus gegenüberliegenden Seite der Rudolfstraße – gekauft. Es dauerte nur drei Jahre, bis der von Joseph Baumgartner und Thomas Moshammer geplante Bau vollendet war. Das heutige Aussehen erhielt das Rathaus aber erst, als das Bezirksgericht 1911 in das neue Amtsgebäude übersiedelte. Mit der Umgestaltung im Jugendstil wurde Julius Schulte beauftragt.

Mit wenig Aufwand verwandelte Schulte „den einfachen Block in ein plastisch strukturiertes, von den Skulpturen der Attika wirkungsvoll bekröntes Gebäude“, schreibt Lothar Schultes in seinem Reiseführer „Linz – Gesichter einer Stadt“. Die von Füllhörnern umrahmte Uhr, das Sgraffitofries, die die Ecken betonenden Adler sowie der reich gegliederte Erker sind bis heute prägnant. Als letzter Bürgermeister von Urfahr hatte hier Heinrich Hinsenkamp regiert.

Das ehemalige Rathaus Urfahr verlor mit der Eingemeindung 1919 seine Funktion.  
Bild: (Volker Weihbold)

Interview

Martin Duftschmid im Interview

Seit seiner Kindheit lebt Apotheker Martin Duftschmid in der Rudolfstraße. Das Bild, das der 53-Jährige von dem viel befahrenen Verkehrsweg zeichnet, fällt dabei durchwegs negativ aus. 

Martin Duftschmied
...lebt und arbeitet seit Jahrzehnten in der Rudolfstraße.

Als Sprecher der Initiative „Rudolfstraße plus“ versucht er seit Jahren Verbesserungen herbeizuführen.

  1. Herr Duftschmid, wie beurteilen Sie die Entwicklung der Rudolfstraße in den vergangenen Jahrzehnten?

    Die Straße hat sich total zu ihrem Nachteil verändert, die Situation ist dramatisch schlechter geworden. Ein Geschäft nach dem anderen sperrt zu. Ersetzt werden sie durch Spielsalons. Das zieht auch Menschen an, die man hier nicht unbedingt haben möchte. Hauptgrund für die schlechte Entwicklung ist natürlich der Durchzugsverkehr.
  2. Wie lässt sich das zuletzt genannte Problem lösen? Schließlich kann man nicht den gesamten Verkehr aus der Straße aussperren.

    Das geht natürlich nicht. Ein großes Problem für uns sind die Nachtstunden, in denen die Ampeln ausgeschaltet sind und die Lkw mit hoher Geschwindigkeit durch die Straße fahren. Eine Möglichkeit wäre, dass das Tempolimit für Schwertransporter gesenkt wird und dass generell Lkw umgeleitet werden sollen, natürlich ausgenommen vom Ziel- und Quellverkehr. Wir von der Initiative haben unser Anliegen auch schon einmal vorgebracht. Damals sind wir am Widerstand von Teilen der Wirtschaftskammer gescheitert. In den kommenden Wochen wollen wir aber ein Gespräch mit Vizebürgermeisterin Karin Hörzing führen.
  3. Von Westring-Gegnern wird ein Verlagerungseffekt durch die Straße bezweifelt. Was erwarten Sie sich von dem Projekt?

    Von einem Westring zu sprechen ist ja eigentlich nicht mehr zutreffend. Der richtige Name wäre eigentlich Westumfahrung. Ich erwarte mir durch die Straße aber schon eine große Entlastung für uns. Die Fahrzeuge, die nicht in die Rudolfstraße wollen, können dann sicher besser umgeleitet werden.

 

Von Christopher Buzas und Reinhold Gruber., 05. Juni 2015

Kommentare

„Ähnliche Straßenverhältnisse gibt es überall in den Städten. “ WF-Carlsson Ähnliche Straßenverhältnisse gibt es übe...
„wer radelt schon in der rudolfstraße ?? kein mensch (-mit hirn) !“ capsaicin wer radelt schon in der rudolfstraße ?? ...
„auf da rudolfstrossn sollns eh net reden , sondern foan ... hahahahahaha“ pepone auf da rudolfstrossn sollns eh net reden...

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